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Diskussion im Großen Festsaal zum Thema "Perspektiven der Forschungspolitik in einem neuen Europa"


Eörs Szathmáry, Herbert Mang, Arnold Schmidt, Helga Nowotny, Georg Winckler, Josef Syka.


Fotos: Universität Wien


Ignaz-Lieben-Projekt 2004
Ignaz-Lieben-Preisvergabekriterien
Diskussion "Perspektiven der Forschungspolitik in einem neuen Europa"
Lieben-Projekt
Elisabeth Schwabe am 16. November 2004

Nach der erstmaligen Wiedervergabe des ehemaligen "österreichischen Nobelpreises", des Ignaz-Lieben-Preises, fanden die Diskussionsrunden des Lieben-Symposiums 2004 am Abschlusstag ihren Höhepunkt: Neben internationalen Gästen nahmen Rektor Georg Winckler und ÖAW-Präsident Herbert Mang am 10. November 2004 im Großen Festsaal der Universität Wien in einer öffentlichen Paneldiskussion Stellung zu ihrer persönlichen Vision von den "Perspektiven der Forschungspolitik in einem neuen Europa".

Das Lieben-Symposium am 9. und 10. November hatte vor allem die Leistungen früherer Lieben-PreisträgerInnen in Retrospektive gewürdigt und charakteristische Brüche und Kontinuitäten der österreichischen Wissenschaftsgeschichte anhand von Fallbeispielen aufgezeigt. Die abschließende Diskussion hingegen thematisierte Problemstellungen der gegenwärtigen Forschungspolitik und ging besonders auf die Frage nach zukunftsweisenden Förderungsstrategien für Wissenschaft, Universitäten und Studierende im EU-Raum ein. Arnold Schmidt, Physiker an der TU Wien und ehemals Präsident des FWF, spannte als Panelmoderator in seiner Einleitung den inhaltlichen Bogen von den vorhergehenden Diskussionsrunden zu dieser letzten, indem er die Entwicklung der österreichischen Forschungspolitik seit Kriegsende 1945 in drei Perioden unterteilt kurz Revue passieren lies: Die unmittelbare Nachkriegszeit, die Periode des Aufbruchs und die Gegenwart seit dem Jahr 2000. Drei entscheidende Fragen Ins Zentrum der hochkarätig besetzten Paneldiskussion stellte Moderator Schmidt drei Kernfragen zur Forschungspolitik, die von den Diskussionsrednern in aufeinanderfolgenden Statements erörtet wurden: 1. Was ist für Sie derzeit das wichtigste Forschungsthema Ihres Landes und Ihrer Institution? 2. Welche Möglichkeiten der Forschungspolitik sehen Sie, um Ihre Region optimal zu stärken? 3. Wie sehen Sie die Chancen, dass ein European Research Council gegründet wird und benötigen wir diesen derzeit überhaupt? Eörs Szathmáry von der Universität Budapest und Josef Syka von der Prager Akademie der Wissenschaften kamen als Vertreter österreichischer EU-Nachbarstaaten bei der Beantwortung der drei Fragen immer wieder auf die Bedeutung der länderübergreifenden Zusammenarbeit und Beispielgebung in der Forschungspolitik zu sprechen. Szathmáry und Syka mussten eingestehen, dass in ihren Herkunftsländern zukunftsweisende Forschungsstrukturen erst in den Kinderschuhen steckten und noch hart gegen eingefahrene, politisch manipulierte Bestimmungen zu kämpfen hätten. Freilich konnten auch sie stolz auf einzelne Errungenschaften in der Forschungspolitik ihrer Institutionen hinweisen, die vor allem für eine forcierte Schaffung von Zentren der Exzellenz sprechen. Wiederkehrender Ruf nach Exzellenz-Zentren Ähnlich, aber von einer anderen Perspektive her, argumentierte ÖAW-Präsident Herbert Mang für die Notwendigkeit, geeignete Strukturen für eine "wissensbasierte Gesellschaft" zu finden. Es solle der Exzellenz ermöglicht werden, sich eventuell "nach amerikanischem Vorbild in Exzellenz-Universitäten zu verdichten". Entscheidend sei, so Mang, dass die Universitäten sowohl in Österreich als auch im restlichen EU-Raum den Gestaltungswillen der Bevölkerung verstärkt ausbilden müssten. Es gelte eine Atmosphäre für die Entstehung von größeren Forschungseinrichtungen zu ermutigen. Konkurrenzfähigkeit fördern und fordern Rektor Georg Winkler flocht den Argumentationsfaden mit dem Stichwort "Konkurrenz" weiter. Er stellte klar, dass sich weniger die Frage stelle, wie eine Region optimal gefördert werden könne, sondern wie "die Konkurrenzfähigkeit innerhalb einer Region" gefördert werde. In Bezug auf die 'Exzellenz' der Universitäten hob er hervor, dass deren Stärke vor allem in den professionalisierteren Doktoratsprogrammen liege. Daher sei eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Regionen vornehmlich bei den Doktoratsprogrammen wünschenswert. Zugleich müsse jede resultatsorientierte Forschungspolitik, die verstärkte Kooperation fordere, gewahr sein, dass die Quantität der Kooperationspartner die Qualität der geleisteten Arbeit nicht in direkter Proportion erhöhe: "Es gibt Grenzen, wenn man Exzellenz fördern will." Globalisierung als Herausforderung Alle DiskussionsteilnehmerInnen waren sich darüber einig, dass die Förderung der Grundlagenforschung die Basis für die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Forschung bilde. ÖAW-Präsident Mang und Helga Nowotny, Vorsitzende des European Research Advisory Board und Professorin an der ETH Zürich, betonten, dass die Geisteswissenschaften keineswegs schwächer geworden sind, aber für eine massive finanzielle Förderung noch nicht so reif seien wie die Naturwissenschaften. Bedenken gebe es daher für die - eindeutig notwendige - Bildung eines European Research Council nur insofern, als dieser allzu bürokratische Strukturen annehmen könne und die Aufteilung seines Finanzvolumens auf die Wissenschaften noch eine offene Frage sei. Nowotny machte den Anwesenden ihrerseits deutlich, dass sich Europas Forschungspolitik dem Wettbewerb öffnen müsse, damit seine Wirtschaft, so wie es die EU-Politik vorsieht, mit den USA konkurrieren kann. Der Weg dazu müsse aber durch eine gesellschaftsfreundlichere Wissenschaft und forschungsfreundliche, dialogierende Gesellschaft bereitet werden. Mag. Elisabeth Schwabe ist Doktorandin der Philosophie an der Universität Wien und Gastautorin bei der Online-Zeitung der Universität Wien.  

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