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Institut für Soziologie der Fakultät für Sozialwissenschaften

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Christoph Reinprecht: "Gesundheit wird auch selbst produziert!"
Diversität der älteren Bevölkerung Wiens
Forschungsprojekte, Alte/r/n
Simone Kremsberger (Redaktion) am 21. September 2005

Der Soziologe Christoph Reinprecht und Studierende haben die soziale und kulturelle Zusammensetzung der älteren EinwohnerInnen Wiens analysiert und MigrantInnen über 50 zu ihren Lebensverhältnissen befragt. Die Ergebnisse: In wohlhabenden Gegenden herrscht hohe Diversität - und ArbeitsmigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei weisen eine deutlich schlechtere Lebensqualität auf.

Eine wachsende Gruppe innerhalb der Bevölkerung 50+ stellen MigrantInnen dar. Aus welchen Ländern die älteren EinwohnerInnen Wiens stammen und ob und wie die Herkunft ihre Lebensqualität beeinflusst, haben Ass.-Prof. Mag. Dr. Christoph Reinprecht vom Institut für Soziologie und einige Studierende im Forschungslabor "Mosaik sozialer und kultureller Welten. Studien zur Diversität der älteren Bevölkerung Wiens" untersucht.

Ein Fünftel der älteren WienerInnen hat Migrationshintergrund

"Wir haben uns auf demographische Informationen aus der Volkszählung 2001 gestützt, um herauszufinden, wer über 50 Jahren mit Migrationshintergrund in Wien lebt, sowie die Bevölkerungserhebung 'Leben und Lebensqualität in Wien 2003' einbezogen", erläutert Christoph Reinprecht die Ausgangssituation für die Studie. 180 Herkunftsnationalitäten sorgen für Vielfalt in Wien - und 20 Prozent der über 50-jährigen WienerInnen sind außerhalb der Grenzen Österreichs geboren. Unter ihnen ist die Gruppe der Personen aus Ex-Jugoslawien am größten, an zweiter Stelle rangiert Tschechien.

Hohe Diversität deutet auf Wohlstand

Die ForscherInnen analysierten die Diversität in den einzelnen Bezirken und kamen zu einem auf den ersten Blick überraschenden Ergebnis: Diversität lässt auf Wohlstand schließen. "Hohe Diversität herrscht im ersten, vierten und 19. Bezirk, also in eher wohlhabenden Gegenden mit Botschaften und Firmenrepräsentanzen, aber wenig Arbeitsmigration", sagt Reinprecht. "Niedrige Diversität gibt es in Bezirken wie dem 15., 16. oder 20. mit hoher Konzentration einzelner MigrantInnengruppen, vor allem aus den Ländern der Arbeitsmigration." Nur wenige ältere MigrantInnen leben in Bezirken mit einem hohen Anteil an Gemeindebauten wie etwa im 21., wo die österreichische Arbeiterschicht wohnt, oder in Bezirken mit einer generell niedrigen Immigration wie dem 23. Bezirk.

Politische versus Arbeitsmigration

"In der älteren Wohnbevölkerung spiegelt sich die Migrationsgeschichte wider", führt der Projektleiter aus. "Neben jenen, die unmittelbar in der Nachkriegszeit zugewandert sind, gibt es einerseits ArbeitsmigrantInnen und andererseits politische MigrantInnen; aus dem Iran sind beispielsweise viele Intellektuelle als politische GegnerInnen des Schah-Regimes emigriert, während aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei viele niedrig qualifizierte Arbeitskräfte nach Österreich kamen."

Herkunft bestimmt Lebensqualität

Aus welchem Grund jemand aus welchem Land mit welchem Bildungsstand nach Wien kommt, wirkt bestimmend auf die Lebensqualität. Das ForscherInnenteam befragte ältere MigrantInnen in Wien zu ihren Lebensverhältnissen und wählte Gruppen aus folgenden Ländern aus: Tschechien und Slowakei, Ungarn, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Italien, Griechenland, Türkei, Ägypten, Iran und Indien; als einzige ethnische Kategorie kam die jüdische Bevölkerung hinzu.

Ehemalige "Gastarbeiter" sind Verlierer der Migration

"Personen aus westlichen EU-Ländern, aber auch aus den jüngsten Erweiterungsländern wie Tschechien, Slowakei oder Ungarn weisen eine ähnlich hohe Lebensqualität auf", schildert Reinprecht. "Ältere MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei hingegen haben niedrigere Einkommen, eine schlechtere Wohnversorgung und Ausstattung mit Konsumgütern. Dazu kommen teilweise brüchige soziale Netze, was insgesamt zu einer niedrigen Lebensqualität führt. Bei den ArbeitsmigrantInnen schlägt die Herkunft auf den sozialen Status durch, während Personen aus den westlichen und östlichen EU-Ländern vielfach wieder ihren Platz in der Gesellschaft finden."

Lebenszufriedenheit in Wien

Was ist für die subjektive Lebensqualität in Wien relevant? Ein Faktor ist Bildung: "Gute Deutschkenntnisse wirken positiv auf die Lebensqualität", weiß der Experte, "meist bei Personen, die bereits mit höherer Bildung nach Österreich gekommen sind." Zentral für das "Heimisch-Fühlen" an einem Ort ist die familiäre Bindung. Die ethnische Community ist für manche Gruppen wichtig, für andere weniger: "Ältere MigrantInnen aus Polen sind zum Beispiel gut vernetzt, ItalienerInnen pflegen keine Community, wenn auch die Ethnizität für das subjektive Identitätsgefühl eine Rolle spielt." Am Älterwerden in Wien schätzen die Befragten Sicherheit, Sauberkeit und Sozialsystem; als Minuspunkte wurden eine unfreundliche bis ausländerfeindliche Mentalität, geringer Respekt vor dem Alter - und das Wetter genannt. (sk)

Studierende werden die Ergebnisse des Forschungslabors "Mosaik sozialer und kultureller Welten. Studien zur Diversität der älteren Bevölkerung Wiens" im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (22./23. September 2005) präsentieren:
Freitag, 23. September, 11.10 Uhr,
Institut für Soziologie, 1090 Wien, Rooseveltplatz 2, Seminarraum 3. 

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