Elf Jahre dauerten die Bauarbeiten am damaligen Franzen- und heutigen Dr.-Karl-Lueger-Ring, bevor das Hauptgebäude am 18. Oktober 1884 durch den Architekten Heinrich von Ferstel und Kaiser Franz Joseph I. feierlich eröffnet werden konnte. Damals wie heute verbirgt sich hinter beziehungsweise unter dem wohl auffälligsten Teil der Fassade - dem mächtigen, hervorspringenden Mittelrisalit - der Große Festsaal der Universität Wien. "Zwischen der Decke des Festsaals und dem Dach befindet sich allerdings noch ein paar Meter Speicher", erzählt Mag. Christoph Gnant von der Abteilung für Rechtsangelegenheiten und Organisationsfragen der Universität Wien. Seit Jahren hätten diesen aber nur der Dachdecker und ein paar Tauben betreten. "Natürlich wurde in der Vergangenheit aber schon darüber nachgedacht, diesen Raum zu nutzen. Problem: Die einzige Verbindung nach oben führt, glaube ich, über das Dach." Der Weg zu den Festräumen im ersten Stock ist da schon bedeutend einfacher zu finden: Über die Aula und das rechte Hauptstiegenhaus gelangt der Besucher ins Atrium und von dort durch ein Säulenportal in den ersten von drei Vorräumen, der heute als Garderobe genutzt wird. Nach links führt zunächst eine Tür in den Senatssaal. Der Senatssaal - hier wird Politik gemacht Der Senatssaal ist der Ort an der Universität, an dem universitätspolitische Entscheidungen getroffen werden. Hier tagen unter anderem die 18 Mitglieder des Senats - nach dem Universitätsgesetz 2002 eines der vier obersten Organe neben Universitätsrat, Rektorat und Rektor. Der erste Eindruck des Senatssaals wird maßgeblich durch die dunkle Lambrissage und die schwere Kassettendecke bestimmt. Und natürlich durch den großen runden Tisch in der Mitte des Raumes, um den sich die Mitglieder des Senats regelmäßig seit der Eröffnung des Gebäudes versammeln. Die Wände sind durch Pilastervorlagen in der Art der deutschen Schreiner-Renaissance gegliedert. Der im Entwurf von Karl Köchlin vorgesehene Figurenfries und die gerahmten Wandbilder sind allerdings nie zur Ausführung gekommen. Stattdessen zieren sechs Bildnisse von Rektoren aus der Barockzeit die Wände, und die Umrahmungen der drei Flügeltüren sind plastisch reich ausgestaltet. Während sich eine der Türen zum Vorraum öffnet, führt die zweite in das Zimmer des Rektors. Das dritte Portal, dessen Supraport die Inschrift "Moniti meliora sequamur" trägt, gibt den Weg in den Großen Festsaal frei. 
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| Fotos: du | | | Der Große Festsaal - hier wird gefeiert Der Große Festsaal kann jedoch nicht nur durch den Senatssaal betreten werden. Um die Symmetrie des Grundrisses zu wahren, bestehen auch von der Juristenstiege her gleichartige Zugänge über ein südliches Atrium und einen Vorraum beziehungsweise über den Kleinen Festsaal. Der Große Festsaal ist seit jeher ein Repräsentationsraum und Ort der Festlichkeiten. | |  | | | | Nicht nur rund 200 Sponsionen und Promotionen werden hier jährlich gefeiert, auch der Dies Academicus und das 600. Jahrjubiläum der Universität werden beziehungsweise wurden hier unter anderem begangen. "Circa vierhundert Leute finden hier Platz", erzählt Richard Barsony von der Promotionskanzlei. Zweigeschossig - innen und außen Der Große Festsaal tritt schon im Außenbau an der Ringstraßenfront des Hauptgebäudes und im Arkadenhof als selbstständiger, zweigeschossiger Baukörper in Erscheinung. Und auch im Inneren besitzt er eine zweigeschossige Gliederung. Der Umgang mit Säulen, der die beiden Langseiten und die westliche Schmalseite umläuft, trägt eine Galerie - "die allerdings aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreten werden darf", wie Gnant verrät. Der Umgang wird hinter der zur Ringstraße gelegenen Stirnseite des Saales mit der Rektorskanzel - rechts und links gesäumt von den Flaggen der Republik Österreich und der Stadt Wien - unterbrochen. Hier stehen in Nischen die Standbilder der beiden Universitätsgründer: Rudolf IV. (Bildhauer: Karl Schwerzek, 1885) und Maria Theresia (von Josef Pechan, 1886). Zwischen Ihnen: Eine Tür. Durch sie kann die überdachte Loggia über dem Haupteingang betreten werden. "Dies geschieht, wenn beispielsweise wegen eines Todesfalls oder für einen Staatsfeiertag eine Flagge gehisst werden muss", erklärt Gnant. Streit mit Klimt An den mit poliertem Stuckmamor ausgestalteten Wänden befinden sich unterhalb der Empore sechs ältere Rektorenbildnisse. Besonders interessant ist jedoch die Decke des Großen Festsaals. Neben dem Mittelbild "Triumph des Lichtes" von Franz Matsch (1905) trägt der Deckenspiegel zwei große Wappenmedaillons mit dem Monogramm Kaiser Franz Josephs. In den vier Ecken sind Felder ausgespart. Sie waren für allegorische Darstellungen der vier Fakultäten bestimmt. Die Auseinandersetzung mit dem hierfür beauftragten Maler Gustav Klimt führte 1905 jedoch dazu, dass der Künstler seine bereits fertiggestellten Bilder zurückzog. "Die Werke sind wahrscheinlich im Weltkrieg verbrannt", erklärt Mag. Gnant den Verbleib der Gemälde. Auch an den Wänden oberhalb der Empore fehlen offensichtlich Kunstwerke. Während der Bildzyklus mit Darstellungen der Wissenschaften von Franz Matsch ausgeführt wurde, "konnte man sich nicht darauf einigen, welche Wissenschafter mit einer Büste in den darunterliegenden Nischen mit einer Büste verewigt werden sollten. Die Frage ,wer ist der bedeutendste Philosoph, Mediziner ...' wollte man wohl unbeantwortet lassen", so Christoph Gnant. 
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| Der Kleine Festsaal | | Durch die Tür an der südlichen Schmalseite gelangt man schließlich in den Kleinen Festsaal. Er entspricht im südlichen Gebäudeflügel dem Senatssitzungssaal. Seine Ausgestaltung wurde mit weit weniger Aufwand betrieben. Er wird vor allem für Vorträge genutzt. Der Raum erstreckt sich über fünf Fensterachsen. Ein gemalter Palmettenfries nimmt die Zone zwischen den Kapitellen der Pilastervorlagen ein, das Konsolengesims und die Kassettendecke sind detailreich nach Vorbildern des akademischen Klassizismus bemalt. | | | Wechselvolle Geschichte Alle drei Festräume haben ihre 1884 durch den Architekten Heinrich von Ferstel zugedachte Funktion als Festraum beziehungsweise Sitzung- und Vortragssaal bis heute weitgehend beibehalten. Jedoch mit Unterbrechungen: So verwandelte sich zum Beispiel mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Universität in ein Lazarett. Rund 1000 Verwundete konnten auf der Quarantänestation aufgenommen werden. Auch an den Prunksälen im ersten Stock ging das nicht spurlos vorbei. Sonst festlicher Rahmen für Promotionen und akademische Feiern, wurde der Große Festsaal der Universität als Speisesaal für die Verwundeten eingerichtet. Nebenan im Kleinen Festsaal wurde operiert. Zahlreiche Studenten fungierten als Pflege- und Hilfspersonal. (dan) Quellen: Die Universität am Ring. Herausgegeben von Hermann Fillitz. Edition Brandstätter. Wien 1984. Rundgang durch die Geschichte der Universität Wien. Herausgeben vom Archiv der Universität Wien. Wien 1999
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