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Stiftungsbrief aus dem Jahr 1862. (c) Österreichische Akademie der Wissenschaften


Erste Ausschreibung des Lieben-Preises der math.-naturwiss. Klasse im Beiblatt der in Berlin erscheinenden "National-Zeitung" vom 5. Juli 1862. (c) ÖAW


Ignaz Lieben um 1850.


Ignaz-Lieben-Projekt
Einreichtermin für den Ignaz-Lieben-Preis: 15. April jeden Jahres  
Ein österreichischer Nobelpreis: Der Ignaz-Lieben-Preis
Lieben-Projekt
Simone Kremsberger (Redaktion) am  2. November 2004

Von 1865 bis 1937 wurde der hoch angesehene und dotierte Ignaz-Lieben-Preis, gestiftet von der Familie Lieben, an Forschungsnachwuchs aus dem Bereich der Naturwissenschaften vergeben. Mit der Arisierung des Stiftungsvermögens und der Vertreibung der Familie nahm das Mäzenatentum in der NS-Zeit ein abruptes Ende. Nun erlebt die Stiftung durch das Engagement privater Förderer eine Wiederbelebung. Der Lieben-Preis 2004 wird am 9. November 2004 verliehen.

1937 erhielten zwei junge Forscherinnen den Ignaz-Lieben-Preis: Marietta Blau und Hertha Wambacher, Mitarbeiterinnen am Radiuminstitut, wurden für ihre "Untersuchungen der photographischen Wirkungen der Alpha-Strahlen, der Protonen und Neutronen" ausgezeichnet. Doch es sollte das letzte Jahr sein, in dem die Lieben-Stiftung Nachwuchs-NaturwissenschafterInnen fördern konnte. Mit dem NS-Regime wurde das Vermögen der Stiftung arisiert, die Familie Lieben vertrieben. Von den Nazis aus Österreich vertrieben wurde auch Dr. Alfred Bader, der mit seiner Frau Isabel als privater Förderer dazu beigetragen hat, die Ignaz-Lieben-Stiftung wieder zu errichten. Am 9. November 2004 wird in einem Festakt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften der Ignaz-Lieben-Preis 2004 an den ungarischen Mediziner Zoltan Nusser vergeben, ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm informiert über die Geschichte des Preises und der Familie Lieben. "Für das allgemeine Beste" Der Ignaz-Lieben-Preis wurde 1863 begründet und nach dem verstorbenen Gründer des Bankhauses Lieben benannt. Dieser hatte in seinem Testament verfügt, dass ein Betrag von 10.000 Gulden "für das allgemeine Beste" verwendet werden sollte. Sein Sohn, der Chemiker Adolf Lieben und späterer Leiter des II. Chemischen Instituts der Universität Wien, regte an, den Großteil zur Forschungsförderung zu verwenden. Alle drei Jahre sollte die beste Arbeit eines österreichischen Wissenschafters oder einer Wissenschafterin, abwechselnd auf den Gebieten der Physik und der Chemie, ausgezeichnet werden. Mit der Ignaz-Lieben-Stiftung wurde die erste Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Österreich etabliert. Nachwuchsförderung und Nobelpreis-Barometer Da Arbeiten von Mitgliedern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nicht berücksichtigt wurden, erhielten vor allem jüngere WissenschafterInnen den Lieben-Preis. Mit dem Preisgeld von 900 Gulden, das etwa 40 Prozent des Jahresgehalts eines Universitätsprofessors entsprach, konnten sie sich materieller Sorgen entledigen. Ab 1900 wurde die Auszeichnung im Jahresrhythmus vergeben und auf hervorragende Arbeiten aus dem Bereich der Physiologie ausgedehnt, 1909 rief man zusätzlich den Richard-Lieben-Preis für Mathematik ins Leben. In der 72-jährigen Geschichte des Lieben-Preises wurden 55 WissenschafterInnen prämiert. Der Preis war oft Trendbarometer für künftige Nobelpreisträger, wie die Beispiele Karl von Frisch, Viktor Hess oder Otto Loewi zeigen. Reaktivierung des Lieben-Preises im "neuen Europa" Mit der Reaktivierung der Lieben-Stiftung will man an die Tradition der einst bedeutendsten Förderung der Naturwissenschaften in Österreich anschließen. Der Preis in der Höhe von 18.000 US-Dollar wird künftig an JungwissenschafterInnen aus Österreich, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn für herausragende Arbeiten auf den Gebieten der Molekularbiologie, Chemie und Physik verliehen. Das Ziel: Die Auszeichnung soll wieder ein Markenzeichen in der Karriere von NachwuchswissenschafterInnen darstellen. (sk) Ignaz-Lieben-Preis 2004 Preisverleihung und Festakt am 9. November 2004, ab 10 Uhr (geschlossene Veranstaltung) Österreichische Akademie der Wissenschaften  

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