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Der Mykologe Walter Jaklitsch erforscht die Biodiversität der Hypocrea


Hypocreen in ihren …


… unterschiedlichen Ausprägungen.


Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung der Fakultät für Lebenswissenschaften
Ein Schlauchpilz kommt selten allein
Jahr der Biodiversität 2010, Forschungsprojekte
Isabell Lohmann (Redaktion) am  4. März 2010

Biologische Schädlingsbekämpfung, Antibiotika, Bioethanol und Waschmittelzusätze - die Anwendungsgebiete diverser Schlauchpilze sind vielseitig. Was es mit dieser Bioressource auf sich hat, weiß Walter Jaklitsch vom Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung. Er sucht im Rahmen eines FWF-Projekts nach bisher unentdeckten Arten der Schlauchpilzgattung "Hypocrea", um sie als Lebendkulturen für weitere Forschungen der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. 75 Arten hat er bereits entdeckt, nun setzt er seine Suche in Südeuropa fort.

Der wirtschaftliche Nutzen von Pilzen ist nicht nur auf die Produktion von Champignons und Austernpilzen beschränkt. Das beweisen die so genannten "Schlauchpilze" - die ihren Namen ihren schlauchförmigen Fortpflanzungsorganen verdanken. Besonders Trichodermen, die asexuelle Variante der Schlauchpilzart Hypocrea, stellen eine wertvolle biologische Ressource dar. Trichoderma-Pilze werden zum Beispiel als Quellen industriell verwendeter Enzyme und Pharmazeutika genutzt, bei der biologischen
Schädlingsbekämpfung verwendet oder zur Gewinnung von Bioethanol eingesetzt.

Bereits 75 Arten entdeckt

Die Entdeckung solcher vielseitig nutzbarer Spezies verdankt die Industrie der Mykologie (Wissenschaft von Pilzen). Walter Jaklitsch vom Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung ist einer jener MykologInnen, die sich mit viel Idealismus dem systematisch kaum erforschten Gebiet der Gattung Hypocrea/Trichoderma widmen.

Im Jänner 2010 startet sein mittlerweile drittes FWF-Projekt; bereits seit 2003 ist er auf der Suche nach neuen Schlauchpilz-Spezies. 75 Arten hat er bereits entdeckt und ist zuversichtlich, in südlicheren Regionen weitere zu finden.

Heißes Neuland Südeuropa

"Aufgrund der Tatsache, dass Pilze Feuchtigkeit zum Leben benötigen, ist der südeuropäische Raum für MykologInnen Neuland. Lange, heiße und trockene Sommer machen die Bedingungen schwierig", erklärt Jaklitsch: "Aus diesem Grund macht es Sinn, primär im Spätherbst, Winter und Frühling das Material zu suchen." Jedoch hängt die Suche nicht nur von der Jahreszeit ab - besonders die lokale Klimaentwicklung spielt eine Rolle. "Ich stehe in Kontakt mit anderen MykologInnen aus Südeuropa, welche mir spezifischere Informationen über die aktuelle Witterung geben können, als es der Wetterbericht vermag." Obwohl der offizielle Projektstart im Jänner 2010 erfolgt, wurde bereits erstes Material auf Sardinien erhoben. Weitere Feldforschungen sind auf den Kanarischen Inseln, in Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Griechenland geplant.

Mit alten Methoden zu neuen Erkenntnissen

Die Fähigkeit, Pilze aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbilds zu erkennen, ist durch die Möglichkeit, sie mittels Gensequenzen zu identifizieren, unter universitär tätigen WissenschafterInnen rar geworden. Walter Jaklitsch weist darauf hin, dass im Bereich der Mykologie eine Kombination moderner molekularbiologischer Methoden mit alten wie Feldforschung und Beobachtung in der Natur besonders wichtig ist. "Ausschließlich molekular arbeitenden WissenschafterInnen bleibt die Bedeutung und das Anwendungspotenzial vieler Organismen oftmals verborgen", so Jaklitsch: "Neben neuen, noch zu entdeckenden Arten und Gattungen gibt es viele, die bereits beschrieben sind, von denen es aber noch keine Gensequenzen gibt. Ohne Feldforschung und optische Identifizierung würde die Anwendungsforschung an Ressourcen verarmen."

Von der Grundlagenforschung zur Anwendung

Die Ergebnisse des Projekts sind neben ökonomischen Anwendungsmöglichkeiten auch für die medizinische Forschung relevant - so können bestimmte Hypocrea-Arten für Menschen mit geringen Abwehrkräften, z. B. Aids-PatientInnen, gefährlich werden. Nebenbei sind versehentlich eingeschleppte Hypocreen in der Lage, ganze Speisepilzkulturen zu zerstören. "Deshalb ist es wichtig, die Eigenschaften dieser Arten genau zu kennen: um einerseits ihre Vorteile nutzen und andererseits ihren negativen Aspekten rechtzeitig vorbeugen zu können", erklärt der engagierte Mykologe, dem es überdies ein Anliegen ist, den Bekanntheitsgrad seiner Forschungsobjekte zu steigern: "Viele Menschen wissen nicht einmal, dass Pilze keine Pflanzen sind. Pilze atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxyd aus, sind also Mensch und Tier näher als den Pflanzen." (il)


Dipl.-Ing. Dr. Walter Jaklitsch vom Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung der Universität Wien leitet das FWF-Forschungsprojekt "Hypocrea/Trichoderma: Bioressourcen aus Südeuropa", das seit Jänner 2010 für drei Jahre läuft. Nachdem er zehn Jahre erfolgreich in der Pharmaindustrie tätig war, erforscht er seit 2003 die Biodiversität von Hypocrea für die Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Institut für Verfahrenstechnik der TU Wien.

Weiterführende Literatur:

Walter M. Jaklitsch (2009): "European species of Hypocrea Part I." Studies in Mycology (PDF)

Walter M. Jaklitsch et al. (2006): "Hypocrea rufa/Trichoderma viride." Studies in Mycology (PDF)

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