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Zahl der Selbstständigen (Gewerbliche Wirtschaft und freie Berufe):
1985 ... 211.300
1990 ... 224.600
1995 ... 231.600
2000 ... 257.700
2004 ... 280.400
Quelle: WIFO, Hauptverband der Sozialversicherungsträger
  Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation, Fakultät für Psychologie Homepage Christian Korunka
Eine große Portion berufliche Selbständigkeit, bitte!
Schöne neue Arbeitswelt, Forschungsprojekte
Roland Dreger (Redaktion) am 17. Mai 2006

Ökonomisches Wissen steht bei Österreichs SchülerInnen nicht gerade hoch im Kurs, wie eine aktuelle Studie der Universität Wien und der WU Wien zeigt. Denkbar schlechte Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt der Zukunft. Denn die Zahl der Selbstständigen wächst. Und nicht immer ist der Weg dorthin auch freiwillig.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Korunka vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation erinnert sich an seine letzte Fokusgruppe vor einigen Wochen. Ein 55-Jähriger erzählte von seiner Firmengründung. Vor fünf Jahren stand der damals Arbeitslose vor der Wahl: Frühpension oder Selbstständigkeit. Für Korunka längst kein Einzelfall mehr. Ob alt oder jung, die Zahl derer, die mehr oder weniger unfreiwillig in einer selbstständigen Tätigkeit landen, hat in den letzten Jahren zugenommen. GründerIn statt arbeitslos Seit Beginn der 1990er Jahre befasst sich der Arbeits- und Organisationspsychologe mit den unterschiedlichsten Aspekten der beruflichen Selbststständigkeit. Er arbeitet dabei in einem interdisziplinären Team gemeinsam mit dem Wirtschaftswissenschafter Ao. Univ.-Prof. Dr. Hermann Frank vom Institut für BWL der Klein- und Mittelbetriebe und dem Soziologen Ao. Univ.-Prof. Dr. Manfred Lueger vom Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung der WU Wien. "Von früheren Studien wissen wir beispielsweise ", meint Korunka, "dass eine Gründung aus der Situation der Arbeitslosigkeit heraus zwar ein Thema war, allerdings ein bei weitem nicht so aktuell wie heute." Wer kann? Wer will? Wer muss? Push-Gründung lautet hierfür der Begriff in der Ökonomie ? vom englischen Wort "push" für "stoßen". (Ganz im Gegenteil von Pull-Gründungen, bei denen sich der/die GründerIn zu einer Idee "hingezogen" fühlt.) Die Absicht dahinter leuchtet ein. Der zunehmenden Zahl an Arbeitslosen gilt es, mit Gründergeist und den berühmten Ich-AGs zu begegnen.  Schwierig, aber nicht hoffnungslos Was Politik und Wirtschaft als erfolgreiches Rezept zur Sicherung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit propagiert, stellt sich für die Betroffenen oft ganz anders dar. Push-Gründungen haben es weit schwieriger, ist Korunka überzeugt: "Wenn jemand nicht will, fehlen einfach die Grundbedingungen." Dass es dennoch nicht hoffnungslos ist, zeigt das Bespiel unseres 55-jährigen Unternehmers. "Er besitzt heute eine erfolgreiche Firma mit fünf Mitarbeitern."  MitarbeiterInnen als UnternehmerInnen Die Arbeitswelt ist insgesamt seit Jahren im Umbruch. "Die einzige Konstante ist die Veränderung", bestätigt Korunka. Einen Trend ortet der Psychologe auch im immer stärker verlangten unternehmerischen Denken von MitarbeiterInnen in bestehenden Unternehmen. Dieses Phänomen wird als Intrapreneurship bezeichnet und von der Forschung seit einigen Jahren mit Interesse beobachtet. "Die Mitarbeiter sollen mit unternehmerischen Eigenschaften, Denkmustern und Verhaltensweisen eigenverantwortlich innerhalb der bestehenden Strukturen tätig sein, insgesamt jedoch dabei das Unternehmen im Blickfeld haben." Unternehmerische Kompetenzen fördern Unternehmerisches Handeln und Denken ist also gefragt. Werden wir im Zuge unserer schulischen Laufbahn dahingehend vorbereitet? "Ja und nein", sagt Korunka, "ich würde die Frage eher so stellen: Welche Bedingungen sind dafür förderlich und welche weniger?" Zu dieser Fragestellung durchleuchteten Korunka und seine KollegInnen in den letzten Jahren das österreichische Ausbildungssystem. Hier zeigte sich, dass vor allem aktive didaktische Konzepte geeignet sind, die unternehmerische Kompetenz von SchülerInnen zu fördern. Und dies muss nicht immer nur das Gründen einer Übungsfirma sein. "Genauso gut eignet sich etwa das eigenständige Planen einer Schulwoche oder einer Theateraufführung im Deutschunterricht." Defizite bei ökonomischer Bildung  In der jüngsten Studie widmeten sich die WissenschafterInnen schließlich dem vorhandenen ökonomischen Wissen an Österreichs allgemein bildenden höheren Schulen (AHS). Sie untersuchten dazu etwa 460 AHS-SchülerInnen. Mit dem Resultat: Die Wirtschaftskenntnisse der SchülerInnen lassen sehr zu wünschen übrig. Diese sind "in vielen der untersuchten Bereichen unzureichend", heißt es in dem kürzlich veröffentlichten Ergebnisband der empirischen Vergleichstudie.  Flexible Wissenschaft Trotzdem ist Korunka der Ansicht, "wenn ich beispielsweise an die Generation unserer Studierenden denke, habe ich den Eindruck, dass sie sich sehr rasch auf diese neuen Verhältnisse einstellt. Und gerade im Bereich der Wissenschaft ist der Trend zur Flexibilisierung extrem hoch." Unternehmerisches Denken ist selbst bei Disziplinen gefragt, wo man es auf den ersten Blick nicht unbedingt erwarten würde. Der Psychologe nennt als Beispiel sein eigenes Fach: "Viele sind nach dem Abschluss als freiberufliche Berater, Psychotherapeuten oder Klinische Psychologen tätig." Ob freiwillig oder auch nicht. (ro) Literaturtipp:
Elke Brandmaier, Hermann Frank, Christian Korunka, Alexandra Plessing, Christiane Schopf, Konrad Tamegger: Ökonomische Bildung von Schüler/innen Allgemeinbildender Höherer Schulen. Wien: WUV Verlag 2006, 376 Seiten. 

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