| Peter Christian Aichelburg Gravity Group am Institut für Theoretische Physik Österreichische Zentralbibliothek für Physik Artikelserie zum Jahr der Physik |
Einsteins Wiener KollegInnen |
| Jahr der Physik |
| Roland Dreger (Redaktion) am 18. April 2005 |
Auch 50 Jahre nach Albert Einsteins Tod zerbricht man sich den Kopf über seine Theorien. "Deren Konsequenzen sind bis heute nicht vollständig bekannt", sagt Peter Christian Aichelburg vom Institut für Theoretische Physik zum heutigen Todestag. Grundlegende Impulse zu Einsteins Ideen gingen von ForscherInnen der Universität Wien aus. |
In letzter Zeit häufen sich die Interview-Anfragen an Aichelburg und seine KollegInnen, tummeln sich mehr Presseleute als sonst in den Gängen des Instituts für Theoretische Physik. Der Grund ist das Jahr der Physik ? man feiert Einsteins "annus mirabilis". 1905 legte der mittlerweile zum Superstar avancierte Physiker gleich drei bahnbrechende Arbeiten vor. Und Univ.-Prof. Dr. Aichelburg freut sich durchaus über das rege Interesse. So gibt er auch zum x-ten Mal geduldig Antwort auf die meist gleich lautenden Journalistenfragen. "Über Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie war in der letzten Zeit viel zu hören und zu lesen", bemerkt der Physiker, "wenige jedoch haben die Gleichungen auch wirklich verstanden." Einsteins Schwierigkeiten mit seiner Theorie Selbst Einstein hatte so seine Schwierigkeiten damit. Die Existenz von Schwarzen Löchern etwa wollte er nie wirklich akzeptieren. Sie sind eine Konsequenz der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) und mittlerweile in der Fachwelt unumstritten. Zahlreiche Behauptungen seiner Theorien sind hingegen nach wie vor Gegenstand der Forschung. Der experimentelle Nachweis von Gravitationswellen ist trotz größter internationaler Anstrengungen und mehreren hundert Meter großen Interferometern bis heute nicht gelungen. Und mit der Verschmelzung von Gravitationstheorie und Quantentheorie befassen sich PhysikerInnen weltweit. Vom GPS-Gerät bis zum Schwarzen Loch In Österreich ist die Forschungsgruppe um Peter Christian Aichelburg die einzige, die sich umfassend mit mathematisch-geometrischen Untersuchungen der Einstein'schen Gleichungen befasst, deren Konsequenzen heute immer wichtiger für Astrophysik und Kosmologie sind. Kein GPS-Gerät würde ohne Berücksichtigung der Einstein'schen Theorien länger als ein paar Minuten brauchbare Daten liefern. Riesige Schwarze Löcher scheinen das Zentrum der meisten Galaxien zu bilden. "Verehrender Schüler" Ernst Machs Wesentliche Gedanken zur ART gingen vom Wiener Physiker und Philosophen Ernst Mach aus. Einstein selbst bezeichnete sich in einem Brief einmal als Machs "verehrenden Schüler". Nicht zuletzt das Mach'sche Prinzip, das sich mit den Ursachen der Trägheitskraft auseinandersetzt, hat ihn entscheidend geprägt. Und neben Mach beeinflusste vor allem Ludwig Boltzmanns atomistische Theorie der Wärme Einsteins Arbeiten. Sowohl Mach als auch Boltzmann studierten und lehrten an der Universität Wien. Dramatische Konsequenzen Zudem verbanden Einstein mit Wien einige sehr gute Freundschaften, darunter jene zu seinen Kollegen Paul Ehrenfest und Felix Ehrenhaft. Und der rege Briefwechsel mit dem Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger ist legendär. Die Briefe von Einstein an Schrödinger sind im Original an der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik erhalten geblieben. In diesen erklärt Einstein beispielsweise seinem Wiener Kollegen die Statistik, die später als Bose-Einstein-Statistik bekannt werden sollte. Auch sehr persönliche Briefe finden sich darunter, in einem rät Einstein Schrödinger beispielsweise zum Kauf eines Häuschens in Alpbach. Mit Schrödinger teilte er überdies die Ablehnung der Quantentheorie. Die Konsequenzen der Theorie waren deren Wegbereitern letzten Endes zu dramatisch. 1 Jahr lang Österreicher Ein Jahr lang war Einstein sogar selbst Österreicher. Geboren als Deutscher, nahm er 1901 die Schweizer und im Jahr 1940, nach seiner Auswanderung in die USA, zusätzlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1911 und 1912 hatte er einen Lehrstuhl an der Deutschen Universität in Prag inne ? die österreichische Staatsbürgerschaft war Voraussetzung für die Übernahme dieser Professur. Für Vorträge reiste der Physiker mehrere Male nach Wien. Emer. o. Prof. Dr. Walter Thirring vom Institut für Theoretische Physik erinnerte sich später, dass auch sein Vater Hans Thirring bei Einsteins Vortrag 1913 in Wien anwesend war. Vermutlich waren es die damaligen Ausführungen Einsteins "zum gegenwärtigen Stande des Gravitationsproblems", die den bekannten österreichischen Physiker zu den Berechungen über den Lense-Thirring-Effekt anregten. Abänderung der ART möglich Der von Joseph Lense und Hans Thirring zwei Jahre nach der ART, also 1918 veröffentlichte Effekt ist eine der sonderbarsten Konsequenzen der Einstein'schen Gleichungen. Er besagt vereinfacht gesprochen, dass eine rotierende Masse auch Raum und Zeit in ihrer Umgebung mitrotieren lässt. Erst 2004 konnte der Effekt von zwei amerikanischen Wissenschaftern durch die Vermessung von Satelliten-Flugbahnen bestätigt werden. Einige weitere Herausforderungen für die Gravitationstheorie und Kosmologie stehen in den nächsten Jahren noch an, weiß Aichelburg. "Das ungelöste Problem der dunklen Materie und der dunklen Energie schließt, in letzter Konsequenz, eine Abänderung der ART nicht aus", so der Physiker. "So leid es mir tun würde, wenn sich die geometrische Beschreibung der Schwerkraft nur als Näherung einer fundamentaleren Theorie erweist." (ro) Albert Einstein starb am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren in Princeton (USA). Mehr zum Thema "Einstein und Österreich" ist im gleichnamigen Buch des bekannten österreichischen Physikers und Chemikers Engelbert Broda nachzulesen, das im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erschienen ist: Engelbert Broda: Einstein und Österreich. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1980. |

