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eLearning aus NutzerInnensicht betrachtet
eLearning
Daniela Schuster (Redaktion) am 30. Oktober 2003

Traditionelle Frontalvorlesungen fördern bei den Studierenden vielfach ein "Konsumentenverhalten", eigenverantwortliches Arbeiten hingegen nicht. Der Umstieg auf eLecturing und eLearning kann viele Schwächen der derzeitigen Hochschullehre beseitigen. Vorausgesetzt die Studierenden bekommen die notwendigen Hilfestellungen, etwa die Unterstützung von eTutorInnen.

Der Einsatz Neuer Medien in der Lehre bietet Studierenden viele Vorteile: Medienkompetenz wird erworben, selbstgesteuertes, flexibles Lernen ermöglicht und bei der Online-Gruppenarbeit und -Moderation sind soziale Kompetenzen gefragt. Zudem ergibt sich für die Lernenden eine größere Transparenz über Ziele, Inhalte und Methoden von Lehrveranstaltungen, der Zugang zu Online-Ressourcen und die Qualität der Betreuung wird verbessert. Diese Vorteile sind jedoch zugleich Herausforderungen und können nur dann genützt werden, wenn der Umgang mit den Neuen Medien kein Hindernis, sondern eine Bereicherung darstellt. "Viele eLearning-Aktivitäten waren trotz hoher Anfangseuphorie relativ erfolglos. Der Grund: Die Ziele waren zu wenig klar definiert und trotzdem wurden auf ihnen aufbauend Methoden und didaktische Ansätze gewählt. Weiters wurden die Ziele, Bedürfnisse und Kompetenzen der Lernenden - das heißt auch die etablierte Lernkultur - zu wenig analysiert und entsprechend berücksichtigt", so Univ.-Prof. Mag. DDr. Christiane Spiel, Leiterin des Arbeitsbereichs "Bildungspsychologie und Evaluation" am Institut für Psychologie. "Ohne Tutorien, die die Studierenden fit für eLecturing und eLearning machen, nicht nur was das Arbeiten mit einer Internet-Plattform angeht, sondern auch was Teamarbeit betrifft, sind sie überfordert. Es bestehen große Defizite in der schulischen und universitären Ausbildung hinsichtlich der Vermittlung von Handlungswissen. eLearning erfordert einen Bruch mit der herkömmlichen Lernkultur."

Das Design des didaktischen Konzepts ist entscheidend

Michaela Rieder, Mitarbeiterin des Projektzentrums Lehrentwicklung, kann dies auch aus eigener Erfahrung als Nutzerin von eLearning-Angeboten bestätigen. "Ohne die Unterstützung von eTutoren dauert es mindestens ein Semester, bis Studierende mit der Plattform umgehen können. Das führt zu Frustration und hohen Drop-out-Raten." Diese selbst gewonnene Erkenntnis fließt in ihre Arbeit als Tutorin für eTutorInnen am Projektzentrum Lehrentwicklung ein. Sieben eTutorInnen hat das Zentrum für das Wintersemester 2003/04 ausgebildet, die auf Anfrage LehrveranstaltungsleiterInnen an die Seite gestellt werden. Für das nächste Semester sollen weitere ausgebildet werden. Sie unterstützen als VermittlerInnen zwischen Studierenden und Lehrenden die Gestaltung von Lernumgebungen und übernehmen Betreuungsaufgaben, wie etwa die Schulung im Umgang mit der neuen Lernplattform ILIAS. Neben den eTutorInnen betreut Michaela Rieder auch die LehrveranstaltungsleiterInnen, besonders hinsichtlich der Contenterstellung und des didaktischen Designs ihrer Seminare. "Es ist wichtig herauszustellen, dass für Veranstaltungen mit Online-Phasen andere Regeln gelten müssen als für reine Präsenzveranstaltungen. Es müssen klare Strukturen geschaffen werden, etwa das Setzen von Deadlines für die Bearbeitung von Aufgaben", so Rieder. Ein Beispiel: Wird eine Seminararbeit zwei Wochen zu spät abgeliefert, betrifft das eine/n einzelne/n StudentIn und den Lehrenden. Bei eLearning-Veranstaltungen kann die verspätete Abgabe die gesamte Gruppenarbeit zunichte machen.

Studierende verwechseln Medienkompetenz mit Surf-Kompetenz

Viele Studierende scheinen die Wichtigkeit des Besuchs eines eTutoriums noch nicht ganz verinnerlicht zu haben. Zu einer technischen Einführung in den Umgang mit ILIAS durch den Zentralen Informatikdienst (ZID) für mehrere Lehrveranstaltungen, in denen einige hundert Studierende sitzen, erschienen nur wenige. "Viele verwechseln eLearning mit dem normalen Surfen im Internet", erklärt sich Rieder die Situation. "Dabei bereitet den meisten schon das Hochladen von Dateien auf die Plattform Probleme. Und das Posten von Statements inhaltlicher Art muss in vielen Fällen auch erst erlernt werden. In Zukunft wird die Web-Kompetenz als Schlüsselqualifikation noch mehr an Bedeutung gewinnen - nicht nur im Arbeitsleben, wo in vielen Firmen schon heute mit Plattformen gearbeitet wird, sondern überhaupt in allen Bereichen, wo es um lebenslanges Lernen geht."

Initiative von Studierenden

Viele Studierende haben freilich die Notwendigkeit erkannt, diese Web-Kompetenzen nicht nur zu erwerben, sondern auch zu nutzen. Etwa, um eigene Angebote im eLearning-Bereich zu erstellen. So ist zum Beispiel das Open Archive "mnemopol.net" eine rein studentische Initiative. "Unser Ziel ist die Veröffentlichung von Diskussionsbeiträgen von ProfessorInnen, DozentInnen, AssistentInnen, AbsolventInnen und Studierenden. Es geht um die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft.  Mit mnemopol soll für einen interdisziplinären Informationsfluss nach beiden Seiten gesorgt werden", so die Initiatoren Oliver Gingrich und Thomas Müller. (dan)

Projektzentrum Lehrentwicklung
Mnemopol
Arbeitsbereich Bildungspsychologie und Evaluation

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