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"eLearning demystifizieren"
eLearning
Michaela Hafner (Redaktion) am 27. Oktober 2003

Das Projektzentrum Lehrentwicklung arbeitet gemeinsam mit dem Rektorat und der Strategiegruppe "Neue Medien" an der Implementierung der Neuen Medien in der universitären Lehre. Die MitarbeiterInnen sprachen über den Ist-Stand, die Vor- und Nachteile von eLearning sowie das vorrangige Ziel: Die Verbesserung der Qualität der Lehre.

Das Projektzentrum Lehrentwicklung ist eine Einrichtung zur Unterstützung und Weiterentwicklung der Lehre an der Universität Wien. Der aktuelle Schwerpunkt gilt den Neuen Medien und eLearning in der universitären Lehre. Die Lehrentwicklung koordiniert das Strategieprojekt "Neue Medien in der Lehre". In nächster Zukunft wird die Universität Wien ein umfassendes Projekt zur Curriculumsentwicklung starten, um sich im Europäischen Hochschulraum zu positionieren. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Reform der Lehramtsstudien an der Universität Wien. "Darüber hinaus werden in diesem Wintersemester zehn Lehrveranstaltungen zur Implementierung der Neuen Medien in der universitären Lehre während ihrer Entwicklungsphase begleitet, beraten sowie durch didaktische und technische Expertise unterstützt", erzählt ao. Univ.-Prof. Dr. Alois Ecker, Leiter der Lehrentwicklung.

"Elearning heißt Content und Arbeitsabläufe gestalten"

Eine Ist-Stand-Analyse zur Verwendung Neuer Medien an der Universität Wien, ausgewertet von Birgit Zens, Mitarbeiterin am neu gegründeten "Supportzentrum Neue Medien" des Zentralen Informatikdienstes, kam zum Ergebnis, dass Neue Medien bis jetzt größtenteils im ersten Stadium, nämlich zum Bereitstellen konventioneller Lehrveranstaltungsmaterialien (Skripten u.ä.) und zur Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden (Mailinglisten, Diskussionsforen) eingesetzt werden. Die technische Realisierung im Internet geschieht im Moment hauptsächlich über Einzeltools. Bei der Befragung wurde ein großer Bedarf an Support ersichtlich, sowohl im Bereich technische Beratung/Unterstützung bei der didaktischen Planung.

"Die Entscheidung an der Universität Wien war, von einem strategischen Prozess auszugehen und eLearning gezielt als ein Instrument der Hochschulentwicklung einzusetzen - was auch die internationale Diskussion widerspiegelt", erklärt Dr. Charlotte Zwiauer, die stellvertretende Leiterin des PZ Lehrentwicklung.

Alois Ecker und Charlotte Zwiauer, PZ Lehrentwicklung (Foto: mh)

Das eLearning-Konzept, das vom Zentrum vertreten wird, "Blended Learning", die Mischung von Präsenz- und Onlinephasen sowie Selbststudium und Gruppenarbeit, "bietet die Möglichkeit, in ein Herzstück der gesamten Lehrproblematik einzusteigen, und das ist die Frage des Designs von Lehrveranstaltungen.Das heißt eLearning bietet einen Einstieg in die Gestaltung von Content und Arbeitsabläufen - der semesterbezogenen Lehr-Lernprozesse. Darin liegt einer der Mehrwerte bei der Einführung von eLearning", fasst Zwiauer zusammen.

Kompetenzen für Lehrende und Studierende

Was bringt eLearning den Beteiligten, also den Lehrenden und Studierenden? Alois Ecker formuliert als zentrales Ziel bei der Verwendung von eLearning die Verbesserung der didaktischen Qualität der Lehre sowie die Stärkung der Lehr- und Medienkompetenz der Lehrenden. "Durch die Zusammenarbeit von Lehrentwicklung, Personalentwicklung und Zentralem Informatikdienst wollen wir weg von der reinen Technikinnovation", erklärt Dr. Ecker. "eLearning ist nur dort nachhaltig und längerfristig erfolgreich, wo eine Weiterqualifizierung der Lehrenden mitbetrieben wird. Dementsprechend sollen Lehrende bestärkt werden, mithilfe adäquater didaktischer Theorien ihre Erfahrungen in der universitären Lehre zu reflektieren." Kompetenzen für die Studierenden sieht Dr. Zwiauer im Wissensmanagement durch Selbstgestaltungsszenarien und Anleitung zu lebenslangem Lernen: "In diesen Dingen ist die Hochschule gefordert, die Studierenden über die Fächerqualifikation hinaus vorzubereiten."

eLearning demystifzieren

"Es ist sinnvoll, eLearning ein Stück zu demystifzieren und nicht so zu beschreiben, als wäre es etwas ganz Neues. Je mehr sich Lehrende unterschiedliche Lehr-/Lern-Szenarien schon im normalen Lehrbetrieb vorstellen können, desto effizienter werden sie die technischen Werkzeuge nutzen können. Die Technik stellt Möglichkeiten bereit -wie z.B. einen Overhead-Projektor. Wie ich dieses Werkzeug einsetze, ist abhängig von der dahinterstehenden didaktischen Konzeption", erklärt Prof. Ecker. Gemeinsam mit der Personalentwicklung wurden und werden daher zusätzliche hochschuldidaktische Angebote zu eLearning entwickelt. "Allerdings ist die online-unterstützte Lehre von der Qualität her etwas ganz anderes als die Einführung von einem Overhead-Projektor, weil wesentlich mehr Erfahrung damit verbunden ist. Für eine eLearning-Lehrveranstaltung muss die Planung viel früher beginnen, man muss ein richtiges Drehbuch schreiben", meint Ecker. "Wir hoffen, dass wir über die Innovation des eLearning auch eine Innovation in hochschuldidaktischen Fragen und Qualifikationen erreichen."

Ängste abbauen

Ein Thema, mit dem das Projektzentrum immer wieder konfrontiert wird, sind Ängste von Seiten der Lehrenden: "Einige befürchten, dass sie gezwungen werden, eine Lernplattform zu verwenden oder dass die anderen Tools zu kurz kommen könnten. Bei Content-Entwicklungen wird befürchtet, dass Rationalisierungsprozesse in Gang kommen, indem etwa einführende Standardvorlesungen mit relativ formalisierten Inhalten österreichweit zusammengelegt werden könnten oder Professoren den Inhalt eines Kollegen unterrichten und prüfen müssen. Das sind Szenarien, die wir aus anderen EU-Ländern schon kennen. Wichtig ist daher, dass Lehrende in diese Prozesse mit einbezogen werden und aktiv MitgestalterInnen sind", appelliert Zwiauer an die Lehrenden.

Vernetzungen und Veranstaltungen

Eine weitere Aufgabe des Projektzentrums ist die Konzeption und Organisation von Veranstaltungen. Nach dem ersten Tag der Neuen Medien am 16. Juni, bei der eProjekte an der Universität Wien präsentiert wurden, finden nun am 27. und 28. November 2003 mehrere Workshops statt, "denn die TeilnehmerInnen hatten während des Tags der Neuen Medien kaum Zeit, neben der Standbetreuung auch an den angebotenen Workshops teilzunehmen", so Zwiauer. Damit der Erfahrungsaustausch zwischen Lehrenden und ExpertInnen weiterhin im Fluss bleibt ... (mh)

Projektzentrum Lehrentwicklung
Vortragsserie "Internet - Forschung - Lehre" am IWK
Programm Workshops 27./28. November 2003 (pdf)

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