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Rektorat der Universität Wien
Universitätsrat  
Eröffnungsbilanz der Universität Wien
Forschungspolitik, UG 2002
Michaela Hafner (Redaktion) am 22. September 2004

In einer Pressekonferenz zogen heute Vormittag Rektor Georg Winckler und der Vorsitzende des Universitätsrates, Max Kothbauer, Bilanz über die Budgetsituation und die Neuorganisation der Universität Wien.

"Die Universität Wien hat ganz ordentliche Vermögenswerte ? dies sagt aber noch nicht aus, ob es der Universität gut geht", eröffnete Universitätsratsvorsitzender Max Kothbauer die Pressekonferenz mit einem Paradoxon. Denn die Investitionen waren in den letzten Jahren aufgrund der Budgetknappheit "bescheiden", so Kothbauer. Und zum wirklichen Vermögenswert einer Universität, dem Wissen der MitarbeiterInnen, wird es in den nächsten Jahren eine eigene Bilanz geben. Bei der Aufstellung der Eröffnungsbilanz ? nach den Bestimmungen des UG 2002 sowie auf der Grundlage einschlägiger Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB) ? wurde das Hauptaugenmerk auf die Tatsache gerichtet, ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage der Universität zu vermitteln und auf diese Weise das der vollrechtsfähigen Universität übertragende Vermögen umfassend darzustellen. Erstmals wurde nach dem System der Doppelten Buchführung und einer Kosten- und Leistungsrechnung gerechnet ? bei dieser Umstellung war die Universität Wien österreichweit führend beteiligt. Die Bereiche Finanzwesen und Controlling an der Universität Wien wurden im Zuge dessen zu einem modernen Finanzmanagement umgestaltet. Der Umstieg im Rechnungswesen ist notwendig, da u.a. der Abschluss von Ziel- und Leistungsvereinbarungen die Leistungsfähigkeit des bisherigen "kameralistischen" Rechnungswesens überstiegen hätte. Mit dem Jahreswechsel 2003/04 gehören daher Papierberichte der Vergangenheit an: Die DLE Finanzwesen und Controlling stellt nun alle relevanten Informationen mittels eines Online-Berichtswesens (SAP R/3) zur Verfügung. Gute Lage, aber kein Jubelbericht Die Zusammenfassung von Winckler und Kothbauer zur Eröffnungsbilanz, die die Vermögens- und Finanzlage der Universität Wien zum Stichtag 1. Jänner 2004 darstellt, fällt daher vorsichtig positiv aus: Die Universität Wien verfügt zwar auf den ersten Blick über eine hohe Eigenkapitalausstattung, diese ist jedoch zu einem großen Teil nicht disponibel (z.B. Uni-Campus, wissenschaftliche Literatur, Sammlungen) oder zweckgebunden (Forschungsprojektgelder). "Im Anlagevermögen tragen insbesondere der Universitätscampus AAKH, aber auch Literatur- und Sammlungswerte zum hohen Eigenkapital bei. Das übrige Anlagevermögen weist einen hohen Abnutzungsgrad auf, der sich in den nächsten Jahren in einem gesteigerten Reinvestitionsbedarf und somit in Liquiditätsabflüssen äußern wird", erklärte Kothbauer. Die hohen Rückstellungen stellen zudem ein Indiz dar, dass in den nächsten Jahren eine weitere Herausforderung der Universität Wien in der Finanzierung der Rückstellungen insbesondere im Gebäudebereich liegen wird, ergänzte Rektor Winckler. Analyse der Eröffnungsbilanz im Detail (Mitteilungsblatt/pdf) Stärkung der Investitionskraft Um international im Spitzenfeld reüssieren zu können und im entstehenden europäischen Forschungs- und Hochschulraum konkurrenzfähig zu sein, müssen die entsprechenden Mittel- und Strukturanpassungen im österreichischen Universitätssystem erfolgen, sind sich Winckler und Kothbauer einig. Um die Position der Universität Wien als führende europäische Universität abzusichern, seien einerseits Strukturanpassungen notwendig, andererseits sei die Budgetsituation zu verbessern. "EU-weit wird diskutiert, dass wir Instrumente brauchen, die die Breite im tertiären Bildungsbereich, Spitzenleistungen in der Forschung und Ausdifferenzierung fördern", meinte Winckler mit Blick auf die jüngste OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" und forderte zur Steuerung dieses Prozesses und zur Steigerung der Forschungsförderung: "Den Universitäten fehlt es an Innovationskraft, weswegen in der Forschung kaum Spitzenleistungen erbracht werden. Der FWF bzw. auf europäischer Ebene der European Research Council müssen daher entsprechend dotiert werden, um Grundlagenforschung zu stärken. Denkbar ist auch eine Geräteaktion an den Universitäten ? seit 1999, dem letzten bugdetären 'Normaljahr' vor den Sparpaketen, ist an den Universitäten um 100 Mio. Euro zu wenig in Geräte investiert worden. Und die Österreichische Rektorenkonferenz (ÖRK) möchte einen 'Universitätsbauplan 2010' vorlegen, denn bei vielen Gebäuden ist eine Generalsanierung nötig", so Winckler als Chef der ÖRK und verwies auf die aus der Gründerzeit stammenden Chemiegebäude. Universität Wien: 17,5 Mio. für Investitionen Konkret zur Universität Wien erklärte Winckler, dass von den 243,3 Mio. Euro Budget (inkl. der Studienbeiträge von 29,5 Mio.), das der Universität Wien heuer zur Verfügung steht, für Investitionen 17,5 Mio. Euro vorgesehen seien. Im Vorjahr waren es nur 5,5 Mio., 1999 noch 20,8 Mio. Euro. Kurz verwies der Rektor in diesem Zusammenhang auf die Abspaltung der Medizin-Universität, die entgegen anderslautender Vorhersagen sehr wohl Fixkosten, etwa im Informatikbereich, verursacht habe. Dass die Universität Wien im Verhältnis zu ihrer Mittelausstattung (die Universität Harvard etwa verfügt über ein Budget von 2,5 Milliarden US-Dollar) dennoch zu den 100 besten Universitäten der Welt gehören will und beim diesjährigen Ranking der Shanghai Jiao Tong University, das natürlich "relativ zu sehen ist", um nur zwei Plätze zurückgefallen ist, hält Winckler für "beachtlich". (mh)  

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