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Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Politikwissenschaft  
Europäische Öffentlichkeit
EU-Erweiterung
Eszter Bokor (Redaktion) am 19. Mai 2004

Am Institut für Politikwissenschaft untersucht Mag. Christoph Bärenreuter im Rahmen einer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geförderten Dissertation die Strukturmerkmale der gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit. Seine empirische Untersuchung basiert auf Fallstudien aus sieben Ländern, darunter auch Österreich, Malta und Zypern.

Im Zentrum der Dissertation ?Europäische Öffentlichkeit. Demokratietheorie und Empirie? steht die Frage nach der Existenz bzw. der Beschaffenheit einer europäischen Öffentlichkeit und deren demokratiepolitischem Potenzial. Das grundsätzliche Problem hierbei ist die Ermittlung von Maßstäben und Kriterien, die die Existenz bzw. Nicht-Existenz einer europäischen Öffentlichkeit messbar machen. Europäische Öffentlichkeit und europäische Integration ?Im Rahmen der Arbeit soll ein polit-theoretisches Konzept von europäischer Öffentlichkeit entwickelt werden, das dem sich abzeichnenden Grad der europäischen Integration gerecht wird. Dieses Konzept soll in einer sieben Länder ? Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Österreich, Malta und Zypern - umfassenden Fallstudie angewendet und getestet werden?, erklärt Mag. Bärenreuter sein Konzept. Das empirische Material umfasst die Medienberichterstattung über den Europäischen Konvent und die gesamte Berichterstattung über europäische Themen in den jeweiligen Ländern während einer zweimonatigen Periode im Jahr 2004. Untersucht werden linksliberale und rechtskonservative Qualitätszeitungen der jeweiligen Länder. Zunächst soll im Rahmen einer quantitativen Erhebung die Gewichtung und Relevanz unterschiedlicher Themen in der Berichterstattung der untersuchten Zeitungen erforscht werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die empirischen Ergebnisse einer qualitativen Analyse unterzogen. Demokratiedefizit und politische Öffentlichkeit Im Laufe jahrelanger akademischer Debatten über die Ursachen des steigenden Demokratiedefizits der EU bzw. mögliche Gegenmaßnahmen wurden hauptsächlich institutionelle Mängel aufgezeichnet, wie zum Beispiel die Schwäche des Europäischen Parlaments gegenüber der Kommission oder dem Rat. Im Gegensatz zu bisherigen politikwissenschaftlichen Untersuchungen, die auf einem rein institutionellen Verständnis von Demokratie basieren, widmet sich Mag. Bärenreuter anderen Elementen des Demokratiedefizits der Union: Er untersucht die Bedeutung einer politischen Öffentlichkeit für die demokratische Qualität und Legitimation der EU. Eine der theoretischen Grundfragen ist jene nach einem Grundkonzept von europäischer Öffentlichkeit im Spannungsfeld zwischen nationaler und internationaler Öffentlichkeit: Ist das Ziel die Schaffung einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit oder die Europäisierung der nationalen Öffentlichkeiten? Bedeutet also europäische Öffentlichkeit, dass in den Nationalstaaten und nationalen Medien mehr über europäische Themen berichtet oder diskutiert wird, oder geht es um die Zusammenführung und Homogenisierung nationaler Öffentlichkeiten auf einem europäischen Parkett? Sprache, Öffentlichkeit, Demokratie Untersucht wird auch der Zusammenhang von Sprache, Öffentlichkeit und Demokratie und ihrer sinnstiftenden Funktionen. Wie erfolgt die Konstruktion kollektiver Identitäten in Europa durch und in der Öffentlichkeit? Die Dissertation verlangt aufgrund des komplexen Themas ein interdisziplinäres Vorgehen: Politikwissenschaftliche Theorien und methodische Ansätze der angewandten Sprachwissenschaft werden kombiniert. Mit Hilfe diskursanalytischer Methoden sollen sprachliche Konstruktionen von affirmativen, identitätsstiftenden Bezügen auf Europa und die EU untersucht werden. So können in den verschiedenen nationalen Mediendebatten Charakteristika der Selbstdefinition im europäischen Kontext erhoben werden. ?Diese Verknüpfung von politikwissenschaftlichen Theorien mit diskursanalytischen Instrumenten bedeutet eine konzeptuelle Innovation und möchte dem bisherigen methodischen Manko der bestehenden empirischen Untersuchungen entgegenwirken?, betont Christoph Bärenreuter. Fallstudien aus Zypern und Malta sollen die erhebliche Forschungslücke bezüglich dieser beiden Länder hierzulande beheben und als Grundlage für weitere Forschungen dienen. (eb)    

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