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Birigit Sauer, seit 1. Februar 2006 Professorin für Politikwisssenschaft/ Governance and Gender. Foto: P. Reidinger


Institut für Politikwissenschaft, Fakultät für Sozialwissenschaften      
Europaweites Netz gegen Frauenhandel
Forschungsprojekte, EU und Universität Wien
Peter Reidinger (Redaktion) am 27. Februar 2006

Eine Gesetzesänderung, eine eigene Task-Force des Innenministeriums, EU-Initiativen und die Arbeit von NGOs: Der Kampf gegen den organisierten Frauenhandel ist auch in Österreich in vollem Gange. Ein EU-Projekt versucht nun, öffentliches Bewusstsein zu schaffen und die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema zu forcieren.

"Sensibilisierung im Bereich Menschenhandel" - darum ging es erst kürzlich in einem zweitägigen EU-Seminar in Traiskirchen. Beamte aus Österreich, Bulgarien, Tschechien, Estland, Ungarn, Italien, Luxemburg, Dänemark, den Niederlanden und Slowenien beschäftigten sich dabei mit folgenden Fragen: Wie können Menschenhändler besser erkannt werden, und wie soll die Exekutive mit den Opfern der Schlepper umgehen? Zentrale Themen waren auch, wie verschiedene Akteure im Kampf gegen Menschenhandel verstärkt kooperieren können und wie die Opferhilfe verbessert werden kann.

Internationales Projekt


Mit letzteren Fragen beschäftigt sich derzeit auch ein EU-Projekt unter der Leitung von Birgit Sauer. Unter dem Titel "Gendered Migration. Sex Work and Exploitation: Trafficking in Women and Prostitution" soll damit vor allem eines erreicht werden: "Die Schaffung eines größeren Problembewusstseins", sagt Univ.-Prof. Dr. Birgit Sauer vom Institut für Politikwissenschaft im Gespräch. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Mag. Karin Tertinegg und Projektpartnern aus Slowenien, Serbien-Montenegro, Kroatien sowie Dr. Jürgen Nautz vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien arbeitet Sauer seit August letzten Jahres an der Errichtung eines wissenschaftlichen Netzwerkes zum Thema Frauenhandel.

"Forschung vorantreiben"

"Das Projekt soll vor allem die Forschung auf diesem Gebiet vorantreiben", so Sauer über ihre Ziele. Hauptaugenmerk legen die ForscherInnen dabei auf die Situation in Österreich, Kroatien, Slowenien und Serbien-Montenegro. "Diese Staaten haben wir auch deshalb ausgewählt, weil sie alle einen unterschiedlichen Status in Bezug auf die EU haben." Österreich ist seit 1995 Mitglied, Slowenien seit 2004, Kroatien ist ein Kandidatenland für die Mitgliedschaft und Serbien-Montenegro wartet noch auf den Kandidaten-Status. In drei Workshops sollen die regionalen Eigenheiten untersucht und soll herausgefunden werden, wie die Lage in den verschiedenen Regionen einzuschätzen ist, wo es Gemeinsamkeiten gibt und wo die Unterschiede liegen. Ein Workshop wurde bereits abgehalten: Im November 2005 trafen sich die Projektteams in Zagreb. Im März wird ein Termin in Ljubljana folgen, das letzte Treffen wird im Mai in Wien stattfinden

Öffentliches Bewusstsein bilden

"Die einzelnen Projektgruppen in den verschiedenen Staaten arbeiten jeweils an den Problemen und Eigenheiten in ihren Ländern. Bei den Treffen werden die bisherigen Ergebnisse besonders im Hinblick auf den unterschiedlichen EU-Status diskutiert und so auch der wissenschaftliche Austausch intensiviert", so die Politikwissenschafterin. In Österreich habe sich die Lage der verschleppten Frauen nach der Gesetzesänderung vom 1. Jänner 2005 zwar gebessert, es gebe aber noch viel zu tun. Besonders die Bildung eines öffentlichen Bewusstseins für die Probleme dieser Frauen gelte es zu forcieren. "Österreich ist zwar auch Zielland für Frauen aus Mittel- und Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion", erklärt Birgit Sauer, "vorwiegend ist die Alpenrepublik aber ein ganz starkes Transitland, über das die Frauen vor allem nach Deutschland, Holland oder Italien gebracht werden." Zahlen über das Ausmaß der geschleppten Frauen will Sauer nicht nennen, hier könne man keine seriösen Angaben machen, weil sich ein Großteil der Opfer aus Furcht vor Rache nicht als solche zu erkennen geben.

Opfer oft als Kriminelle betrachtet

Um es Frauen zu erleichtern, den Schritt zur Einschaltung der Behörden zu wagen, müsse laut Sauer der Opferschutz verbessert werden. Zwar sei in Österreich die Situation im Vergleich zu den anderen untersuchten Staaten besser, doch der Umgang der Behörden mit den Frauen lässt für die Wissenschafterin noch zu wünschen übrig: "Oftmals werden die Frauen als Kriminelle betrachtet, nur weil sie eben innerhalb dieser kriminellen Gefüge gefangen sind und mit Drohungen daran gehindert werden, die Behörden zu informieren." Das EU-Training in Traiskirchen ist ein Schritt in die richtige Richtung; mit den Workshops, einer Publikation nach Beendigung des Projekts und wissenschaftlicher Vernetzung wollen die Projektteams um Sauer ihren Beitrag zur Verbesserung der Lage von verschleppten Frauen leisten. (pr)

Das Projekt läuft in Partnerschaft mit der Universität Primorska (Slowenien), dem Peace Institute (Slowenien), dem Anti-Trafficking Center (Serbien-Montenegro), dem Institut für Volkswirtschaftslehre (Universität Wien) und dem Institut für Migration und ethnische Studien (Kroatien). Das Projekt läuft seit 1. August 2005 und wird voraussichtlich Ende Mai 2006 abgeschlossen sein. Finanziert wird es durch das "Austrian Science and Research Liaison Office".
 

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