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Der Umweltgeowissen- schafter Thilo Hofmann baut Forschungskoop- erationen mit China auf. Foto: privat, Montage: T. Dirtl


Yi Yang (rechts) bei einer Probenentnahme am Yangtze. Fotos: T. Hofmann


Thilo Hofmann, Yi Yang und Dong Qiang Zhu im Wiener Labor.


Yangtze-Mündungsgebiet: Durchschnittlich fließen 31.900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch. Foto: NASA


Department für Umweltgeowissenschaftender Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie Shanghai University Nanjing University

Der Yangtze Der Yangtze ist der längste Fluss Asiens und nach dem Nil und dem Amazonas der drittlängste Strom der Welt. Er fließt auf seiner ganzen Länge von 6.380 Kilometer, von denen nur 2.800 Kilometer schiffbar sind, durch die Volksrepublik China. Sein Quellgebiet liegt im rund 5.000 Meter hohen Qinghai-Plateau von Tibet. An seiner Mündung führt er im Jahresdurchschnitt 31.900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.
Fluss-Sedimente als Umweltindikatoren
China, Forschungsprojekte
Theresa Dirtl (Redaktion) am  6. Juli 2007

Der Yangtze in China ist mit 6.380 Kilometer nicht nur einer der längsten, sondern aufgrund seiner Verschmutzung auch einer der gefährdetsten Flüsse weltweit. Die Umweltgeowissen- schafterInnen Yi Yang und Thilo Hofmann arbeiten seit vier Jahren zusammen und untersuchen Schadstoffe von Fluss-Sedimenten in China, Deutschland und Österreich. In den nächsten Jahren soll die bestehende Forschungskooperation zwischen Wien und China noch weiter ausgebaut werden.

"Das Mündungsgebiet des Yangtze, in dem im Jahresdurchschnitt 31.900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchfließen, ist ein riesiges Sammelbecken für Schadstoffe", erklärt Mag. Yi Yang, die im Zuge ihrer Master-These an der Universität Shanghai organische Schadstoffe des Yangtze analysierte. Im Jahr 2003 wechselte sie in das Forschungsteam von Univ.-Prof. Dr. Thilo Hofmann vom Department für Umweltgeowissenschaften, der zu diesem Zeitpunkt noch an der Universität Mainz tätig war. Als Doktorandin arbeitet Yi Yang an einem bis 2008 laufenden Projekt zur Untersuchung von Fluss-Sedimenten in China, Deutschland und Österreich.

Shanghai, Mainz und Wien

So forschten Yi Yang und Thilo Hofmann zuerst an die Universität Mainz zusammen und seit Februar 2005 in Wien, als Hofmann seine Professur für Umweltgeowissenschaften an der Universität Wien antrat. "Es war ungeheuer kompliziert, ein Visum und Studienzulassung für Yi Yang in Österreich zu bekommen. Rektor Georg Winckler musste sich persönlich dafür einsetzen", sagt Hofmann und fügt hinzu: "Wenn Österreich ausländischen ForscherInnen derartige Steine in den Weg legt, wird es für die Universität Wien schwer, den internationalen Level zu halten."

Schadstoffe verseuchen Krabben und Muscheln

Das Forschungsgebiet von Yang und Hofmann, die Verschmutzung von Flüssen mit Schadstoffen, ist ein globales Phänomen und betrifft den Yangtze ebenso wie einen entlegenen Bergbach oder die Donau, deren viel besungenes Blau längst der Vergangenheit angehört. "Das Problem sind die so genannten POPs (persistent organic pollutants), also langlebige organische Schadstoffe wie DDT, HCH oder PCB. Diese POPs können nur schwer abgebaut werden, sie reichern sich immer weiter an und sind zum Teil hochgiftig", erklärt Hofmann. In einer ersten Studie stellte das Team rund um Hofmann und Yang eine erhöhte Konzentration von POPs in Krabben und Muscheln, die im Mündungsgebiet des Yangtze leben, fest. Da diese organischen Schadstoffe nicht abgebaut werden, nimmt sie der Mensch durch den Verzehr von Krabben und Muscheln auf. Im Zuge eines bis 2008 laufenden Projekts zur Untersuchung von Fluss-Sedimenten - gemeinsam mit der Universität Mainz, der Universität Wien und der deutschen Bundesanstalt für Gewässerkunde - können die ForscherInnen schon Ergebnisse für deutsche Flüsse vorweisen: "Für POPs ist nicht nur die Konzentration im Fluss-Sediment wichtig, sondern insbesondere auch die unterschiedlich starke Bindung an die Sedimentbestandteile", sagt Hofmann. Bis 2008 wollen die ForscherInnen POPs auch in Sedimenten der Donau untersuchen.

Fluss als "Katastrophen-Archiv"

"Die Schadstoffwerte geben uns nicht nur Auskunft über den Fluss selbst, sondern auch über sein angrenzendes Gebiet", so der Umweltwissenschafter: "Der Fluss fungiert als Sammler eines großen Einzugsgebietes und seine Sedimente bilden regelrecht ein Archiv. In den Schichten der Donausedimente etwa kann man anhand der Cäsiumkonzentrationen den Atomunfall von Tschernobyl deutlich ablesen." Aktuell beteiligt sich die ForscherInnengruppe an der Ausfahrt des "Joint Danube Survey 2" der International Commission for the Protection of the Danube River (ICPDR), das von Regensburg bis zum Schwarzen Meer in 19 Ländern Proben nimmt und untersucht.

Nanjing und Wien

Derzeit intensivieren Hofmann und Yang ihre Forschungskooperationen mit China und planen gemeinsam mit Prof. Dong Qiang Zhu von der School of Environment an der Universität Nanjing ein Projekt zur Untersuchung der Flussverunreinigung durch Kohle im Yangtze. "Die Universität Nanjing zählt mit ihrem Key State Laboratory zu den zehn besten Universitäten Chinas. Die Zusammenarbeit mit Prof. Zhu, der im April 2007 an der Universität Wien auch als Gastforscher tätig war, läuft sehr gut", sagt Hofmann. Kohle ist in China eine der wichtigsten Energiequellen. "Die Kohlekraftwerke in China sind extrem fortschrittlich und arbeiten zum Teil effektiver als die in Deutschland", erklärt Hofmann: "Zugleich stellt Kohle aber auch ein großes Umweltproblem dar. Wir werden die genauen Auswirkungen von den Schadstoffen, die in der Kohle angereichert sind, auf die Umwelt überprüfen." (td)


Studie "HCHs and DDTs in sediment-dwelling animals from Yangtze Estuary, China" (PDF), in: "Chemosphere" 62 (2006), pp. 381-389

Studie "Distribution of Polycyclic Aromatic Hydrocarbons (PAHs) in Floodplain Soils of the Mosel and Saar River" (PDF), in ecomed publishers (2007)

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