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Forschungsprojekt "'Arisierung', Berufsverbote und 'Säuberungen' an der Universität Wien 1938/39" |
| Wissenschaft und Nationalsozialismus |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 26. Mai 2003 |
Das Forschungsprojekt "'Arisierung', Berufsverbote und 'Säuberungen' an der Universität Wien 1938/39" unter der Leitung von Univ.-Prof. Friedrich Stadler (Institut für Zeitgeschichte) hat den Ausschluss und die Vertreibung von "rassisch" und/oder politisch oder in anderer Weise verfolgten Universitätsangehörigen von der Universität Wien 1938 und 1939 zum Gegenstand. |
Das Projekt wurde seit November 2000 unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte, von Mag. Herbert Posch (IFF) und Werner Lausecker bearbeitet. Die vertriebenen Studierenden und Wissenschafter wurden quantitativ und auch namentlich aufgenommen, der Prozess der Verfolgung und Vertreibung an der Universität Wien rekonstruiert und mit narrativen Interviews im Rahmen qualitativer Analysen die Folgen der Vertreibung für die Betroffenen beschrieben. Finanziert wurde es aus den Mitteln des Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank. Einbeziehung der vertriebenen Studierenden Doch nicht nur vertriebene WissenschafterInnen wurden in das Projekt einbezogen, sondern vor allem auch Studierende. "Die Grundidee war, dass es nicht nur um Eliten gehen soll, sondern auch um die vielen anonym gebliebenen Studierenden. Männer und Frauen, deren Lebenslauf gewaltsam abgebrochen wurde. Sofern sie emigrieren konnten, mussten sie in den Zielländern neu beginnen und ihr Leben vollkommen anders gestalten. Wir wissen, dass nur ganz wenige unter großen Schwierigkeiten nach Österreich zurückgekehrt sind. Bislang gab es kaum oder nur wenige Untersuchungen zu den Studierenden", so Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler. Wichtige Informationen lieferte das Universitätsarchiv der Universität Wien. Die Ergebnisse des Projekts werden im Rahmen eines zweisemestrigen Forschungsseminars aufbereitet. "Besonders krass sieht man den 'Rückgang' bei den StudentInnen: Im Wintersemester 1937/38 waren 9180 Personen inskribiert, ein Jahr später, im Wintersemester 1938/39, ist ein Rückgang von rund 42 % zu erkennen", so Stadler, "mindestens 1463 Personen wurden an der Universität Wien aufgrund ihrer jüdischen Herkunft vertrieben." Folgen für die junge Zweite Republik Ein weiterer Aspekt war die Beschreibung der Situation an der Wiener Universität in der Zeit zwischen 1945 und 1950 für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung sowie für jene, die von Verfolgung und Vertreibung profitiert haben. "Dass man diese Vertreibung auch zum Anlass nimmt um nachzudenken, was das für das Wissenschaftssystem und für die Kultur in der Zweiten Republik bedeutet hat und schließlich wie man damit in der Nachkriegszeit umgegangen ist. Dass man sich die Frage stellt, welche Folgen dieser Exodus für die politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Kontinuität der jungen Republik nach 1945 gehabt hat", erklärt Stadler. Weiterführung des Projekts Für das Projekt wäre aber mehr Zeit und Geld notwendig gewesen. Außerdem "ist es so, dass die Vorbehalte der Öffentlichkeit oder die Bereitschaft, das Projekt längerfristig zu finanzieren, ein Problem darstellen wird." Denn das Thema ist noch lange nicht abgehakt und mit der Ablieferung eines Endberichts erledigt: "Wir werden versuchen, das Projekt mit Hilfe von Förderungen weiterzuführen. Ebenso ist eine Publikation geplant, jedoch gibt es noch Schwierigkeiten bezüglich des Datenschutzes. Wir wollen aber einen stärkeren Schritt auch in die Öffentlichkeit machen, nicht nur auf der Universitätsebene. Zudem waren wir der Meinung, dass es auch die moralische Verpflichtung der Universität ist, zur eigenen Vergangenheit zu stehen", erklärt der Wissenschaftshistoriker Stadler. Auf alle Fälle werden die Ergebnisse im Rahmen einer zweisemestrigen Lehrveranstaltung am Institut für Zeitgeschichte ab Herbst 2003 aufbereitet und verwendet werden. (du) Das Projekt wird auch im Rahmen des internationalen Symposions "Österreich und der Nationalsozialismus. Die Folgen für die wissenschaftliche und humanistische Bildung", vom 5.-6. Juni an der Universität Wien (Kleiner Festsaal) präsentiert. Institut für Zeitgeschichte Institut Wiener Kreis IFF/Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung |
