Univ.-Prof. Mag. Dr. Otmar Weiß, Institut für Sportwissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport:
 | Mein schönstes Fußballerlebnis oder -match? Mein schönstes Fußballerlebnis/-match liegt schon sehr lange zurück. Mit 17 Jahren spielte ich in der St. Pöltener HTL-Auswahl, und wir gewannen das Finalspiel in der Meisterschaft. Vor vollen Rängen im St. Pöltener Stadion konnte ich damals den Siegestreffer erzielen.
Wo sehen Sie sich die Spiele an? Meinem Sohn ist es gelungen, Karten für das Viertelfinale in Wien zu bekommen, und ich freue mich schon sehr darauf, dass ich dieses Spiel live miterleben kann. Selbstverständlich werde ich die Euro in den Medien (insbesondere im Fernsehen) mitverfolgen.
Wer wird gewinnen? Das ist das Schöne am Sport im Allgemeinen und am Fußball im Speziellen, die Ungewissheit des Ausgangs. Und jeder kann mitreden oder glaubt zumindest, mitreden zu können. So auch ich: Außer Österreich, der Schweiz und weiteren drei bis vier schwächeren Nationen, kann von den restlichen Mannschaften jede Europameister werden.
Ist Fußball die "Königsdisziplin" unter den Sportarten? Fußball stiftet Identität, Frieden und bringt die Kulturen einander näher, er ist aber auch Plattform für Gewalt, Abgrenzung und sogar Krieg. Er ist alles in allem ein durch zahlreiche Mythen angereichertes Spiegelbild der Gesellschaft, und so wie die Gesellschaft ihre Feiertage kennt, gibt es auch im Fußball mit Welt- und Europameisterschaften Ereignisse von überragender Bedeutung. |
O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, Institut für Germanistik, Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät:
Foto: Theresa Dirtl | Erwartungen an die EM 2008? Eigentlich keine, ich freue mich auf die normale Bundesliga. Ich bin nicht so radikal dagegen wie die Rapid-Ultras, sympathisiere aber mit ihnen.
Wo sehen Sie sich die Spiele an? Zu Hause oder bei Freunden oder im Wirtshaus. Ich finde das einfach alles überteuert. Das spende ich lieber für Myanmar.
Wer wird gewinnen? Niederlande oder Kroatien
Wer ist Ihr Favorit und warum? Kroatien, weil ich dort geboren bin; oder die Niederlande, aus natürlicher Sympathie.
Stichwort "Fußball und Literatur". Gibt es Gemeinsamkeiten? Mehr als mir lieb ist. Das wäre ein ganzer Aufsatz. In beiden Fällen muss der Einsatz stimmen. Und einfallsreich und trickreich muss man auch sein. Doch nur wir Geisteswissenschaftler äußern uns im Übermaß über Fußball, manche leiden da schon an einer gefährlichen Wortinkontinenz. Umgekehrt äußern sich Fußballer eher selten über Literatur. |
Univ.-Prof. Dr. Birgit Sauer, Institut für Politikwissenschaft, Fakultät für Sozialwissenschaften:
Foto: Theresa Dirtl | Erwartungen an die EM 2008? Nicht ganz so laut wie befürchtet, nicht ganz so nationalistisch wie befürchtet.
Wer wird gewinnen? Das kann ich nicht sagen, da ich nicht einmal genau weiß, wer mitspielt. Vielleicht die beste Mannschaft, die strategischste, die schönste?
Inwieweit ist Fußball "gegendert"? Fußball ist in vieler Hinsicht "gegendered" wie jede Sportart und wie jedes gesellschaftliche und kulturelle Phänomen. Fußball reproduziert auf der einen Seite klassische Zweigeschlechtlichkeit, Fernsehfußball ist ein Sport von Männern ? nicht mehr bzw. immer weniger nur für Männer, aber doch vornehmlich. Frauen werden also bei der Variante Fernsehfußball zu Zuschauerinnen degradiert. Auf der anderen Seite kann sich ? eben durch die maskuline Exklusivität der Mannschaften ? eine spezifische Art von Männlichkeit reproduzieren und immer wieder herstellen. Von meinen wenigen Gesprächen mit jungen Mädchen und Jungs ist dies aber nicht mehr die einfach-schlichte "aggressive" Männlichkeit, sondern, man könnte fast sagen, eine feminisierte Männlichkeit von Stars. Fußball ist darüber hinaus sexualisiert: Zwar darf man offenbar über sexuelle Orientierung im Fußball nicht sprechen, ein klassisches Tabu, doch die Homoerotik des Rasens springt mir ? als Fußballferne ? ins Auge. |
Mag. Dr. Reinhard Grohs, Institut für Betriebswirtschaftslehre, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften:
Foto: Bernadette Ralser | Erwartungen an die EM 2008? Ein österreichischer Sommernachtstraum. Stimmung, Begeisterung, gemeinsam feiern und trauern, Events, Erlebnisse, Emotionen und Ereignisse, insgesamt ein Fußballfest, an das man noch lange zurückdenken wird und das die ganzen Problemchen der Vorbereitung vollkommen vergessen machen wird.
Wo sehen Sie sich die Spiele an? Überall. Im Ernst-Happel-Stadion, auf der Fanmeile, zuhause mit Freunden, alleine zuhause, je nach Match in türkischen, spanischen, tschechischen und italienischen Pubs und Lokalen.
Wer ist ihre Lieblingsmannschaft und warum? Österreich, so viel Patriotismus muss sein.
Und wer wird gewinnen? Rumänien. Vielleicht etwas unerwartet, aber in der Euro-Qualifikation Top, konnten sie die gute Form auch in den Vorbereitungsspielen (etwa beim 3:0 gegen Russland) konservieren. Sie sind für eine Griechenland-ähnliche Überraschung ? auf spielerisch höherem Niveau ? gut.
Wie stark hat sich Fußball durch Sponsoring/Marketing im Laufe der Jahre verändert? Dramatisch und in jeder Hinsicht. Nicht immer nur zum Positiven ? es haben fast nur noch große Vereine aus bedeutenden Ligen mit großen Unternehmen oder Mäzenaten im Hintergrund Chancen auf europäische Klubtitel. ZuschauerInnen bei der Euro sind nicht mehr unbedingt die größten Fußballfans, sondern jene mit den besten Beziehungen oder dem meisten Geld. Aber andererseits ist jedem klar, dass Veranstaltungen wie die Euro ohne Sponsoren und Fernsehgelder nicht mehr durchgeführt werden können, und die Medialisierung hat weltweit auch stark zu einer Verbreitung der Fußballbegeisterung geführt. |
Petra Schiefer, 26, Politikwissenschaften (kürzlich abgeschlossen):
Foto: B. Ralser | Was erwartet sich eine frischgebackene Akademikerin von der Europameisterschaft in Österreich? Angesichts dessen, dass ich auf der Fanmeile arbeiten werde, erwarte bzw. erhoffe ich mir vor allem viel Trinkgeld, sprich viele TouristInnen mit dicken Brieftaschen. Aber Scherz beiseite: Es ist das erste Mal, dass ich in einer Stadt bin, in der eine Fußballmeisterschaft stattfindet, und ich freue mich sehr darauf. Hoffentlich wird es ein Riesenfest für alle und es gibt nur wenig Randale.
Wirst du dir die Spiele ansehen? Nicht alle, aber die wichtigsten bzw. interessantesten schon, also das Viertel- und Halbfinale und das Endspiel ganz sicher. Wo, das weiß ich noch nicht genau, aber wahrscheinlich im Freien.
Wer sind deine Favoriten? Eigentlich Italien, aber da sie schon die WM gewonnen haben, halte ich zu Portugal und Holland. Und zu Österreich, aber denen gebe ich eher wenige Chancen. |
Martina Ahammer, 29, Lehramt Germanistik und PP und Petra Benko, 20, Germanistik und PP:
Foto: B. Ralser | Freust du dich auf die EM? Martina Ahammer: Ja, ich stehe dem Ganzen grundsätzlich positiv gegenüber. Wenn es zu laut wird, kann man ja woanders hingehen.
Bist du ein Fußballfan? Nein, würde ich nicht sagen. Ich meine, ich werde mir schon ? entweder zuhause oder in einem Lokal ? das eine oder andere Spiel ansehen.
Wer wird gewinnen? Keine Ahnung, ich habe keine Favoriten ? ich kenne mich im Fußball auch nicht so gut aus. Aber ich werde schon zu Österreich halten. Wie geht die Universität mit der EURO um? Man hat das Gefühl, dass sie sich darüber Gedanken gemacht haben. Wir haben zum Beispiel eine Lehrveranstaltung, die verlegt wurde, weil der Hörsaal auf den Rathausplatz hinausgeht. Das lässt sich alles organisieren. |
| Die EURO steht vor der Haustür ? wie wird es deiner Einschätzung nach in Wien zugehen? Petra Benko: Es wird alles sehr laut werden und viel Trubel geben. Aber die EURO ist für viele auch eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen ? ich zum Beispiel werde dort arbeiten.
Wirst du dir die Spiele ansehen? Nein, ich glaube nicht ? aber wahrscheinlich komme ich nicht ganz daran vorbei. Also gibt?s keine Favoriten? Na, Österreich natürlich. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie Chancen haben.
Glaubst du, dein Studium wird unter dem ganzen EM-Trubel leiden? Bestimmt, da ich ja arbeiten werde und dadurch weniger Zeit zum Lernen habe. Aber auch allgemein ? z.B. wurden bei uns viele Vorlesungen geblockt und Prüfungen in den Mai verschoben. Aber das hält man schon aus. | Die Fragen stellten Theresa Dirtl und Bernadette Ralser. |