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Gabriele Moser (1): "Es wurden viele Grundsteine gelegt"
UG 2002
Michaela Hafner (Redaktion) am 16. September 2003

Mit 30. September 2003 endet die Amtsperiode der ersten Vizerektorin der Universität Wien. DieUniversitaet.at sprach mit Vizerektorin Gabriele Moser über ihre Arbeit in den letzten vier Jahren, über ihr persönliches Resümee und ihre Pläne für die Zukunft.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser, seit Jänner 2000 Vizerektorin für Personalangelegenheiten und Frauenförderung, konnte in den letzten Jahren eine Reihe von innovativen Projekten und Institutionen an der Universität Wien einrichten.

Die Personalentwicklung, die nach umfangreicher Konzeptvorarbeit im Sommersemester 2001 ihre Arbeit aufnahm, hat zum Ziel, die Weiterentwicklung von MitarbeiterInnen, Teams und Organisationseinheiten zu unterstützen. Das kostenlose Seminarprogramm enthält Kurse zu EDV, Frauenförderung, Hochschuldidaktik, Management usw., mehrteilige Curricula (z.B. Medical Leadership) und das Angebot von Coaching/Supervision.

Im September 2000 wurde das Projektzentrum Frauenförderung gegründet mit dem Ziel, eine zentrale Anlaufstelle für den Bereich Frauenförderung an der Universität Wien zu schaffen. Im Projektzentrum angesiedelt sind die "Beratungsstelle Sexuelle Belästigung und Mobbing", die ihre Beratungstätigkeit mit April 2001 aufnahm, sowie ein Mentoring-Pilotprojekt für Nachwuchswissenschafterinnen (Laufzeit Dezember 2000 bis November 2003). Weiters wurden Coaching-Projekte für Studentinnen und Lehrende durchgeführt, ein Curriculum zur Karriereplanung für Wissenschafterinnen in Kooperation mit dem Referat für Personalentwicklung initiiert, ein budgetäres Anreizsystem zur Frauenförderung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Evaluation und Controlling ausgearbeitet und an der Ausarbeitung des Frauenförderplans der Universität Wien zur Unterstützung des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen mitgearbeitet.

Das Projektzentrum Genderforschung beriet Studienrichtungen bei der Implementierung der Gender Studies in den neuen Studienplänen. Das Projekt "Gender Studies (Cultural Studies?) - Perspektiven von Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Wien" erarbeitete Vorschläge und Strategien zur Weiterentwicklung und curricularen Zusammenführung des Lehrangebots im Bereich Gender Studies, die auch in die Ausgestaltung des Curriculums des überfakultären interdisziplinären Studienschwerpunktes Gender Studies (läuft seit WS 2002) einflossen und der vom Projektzentrum koordiniert wird. Internationale Tagungen setzten sich mit "Forschungsförderung für Women's Studies und Gender Research" und Perspektiven für die Universität in Richtung Profilbildung und Innovationskraft durch die Feministische Theorie und Gender Studies auseinander.

Das Kinderbüro an der Universität Wien unterstützt Angehörige der Universität mit Kinderbetreuungspflichten. Zu den derzeitigen Projekten gehören die Einrichtung einer stundenweisen flexiblen Kinderbetreuungseinrichtung und der Ausbau der Informationsplattform UNIKID. Die KinderuniWien, ein Freizeitangebot für Sieben- bis Zwölfjährige und ein attraktives Angebot für berufstätige Eltern, die für ihre Kinder Ferienbetreuung suchten, ging im Juli 2003 erstmals und erfolgreich über die Bühne.

DieUniversitaet.at: Warum haben Sie sich damals als Vizerektorin beworben und mit welchen Zielen sind Sie vor vier Jahren angetreten?

Gabriele Moser: Der damals kandidierende Rektor Georg Winckler hat mich gefragt, ob ich in seinem Team mitkandidieren möchte. Ich habe mich ja schon mehrere Jahre im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen und im Mittelbau engagiert und mich sehr geehrt gefühlt und es als Herausforderung empfunden - so oft kommt eine Frau nicht zu dieser Gelegenheit - und deshalb gerne angenommen.
Ich habe meine Vorstellungen und Ideen für das Personalwesen und die Personalentwicklung damals mit dem Rektor besprochen und eine Bedingung war auch, dass ich den Geschäftsbereich Frauenförderung in den Titel der Vizerektorin bekomme.

 
 

 

DieUniversitaet.at: Konnte alles umgesetzt werden, was Sie sich vorgenommen haben? Was war für Sie der größte Erfolg während Ihrer Funktionsperiode?
Moser: Ich habe vor kurzem einen Zettel gesehen, den ich zu Beginn meiner Amtsperiode mit meiner Assistentin Mag. Karoline Iber erstellt habe, wo zu lesen ist, was wir uns alles vornehmen. Darauf steht ziemlich detailgenau, was ich bis wann erledigt haben möchte, und ich muss sagen, es war ein großer Stolz im nachhinein, dass ich so gut wie alles geschafft habe: Neben dem Aufbau der Personalentwicklung die Einrichtung des Zentrums für Frauenförderung und Genderforschung, aber auch die Beratungsstelle Sexuelle Belästigung und Mobbing, um nur einiges aufzuzählen.
Natürlich kann man immer sagen, man hätte noch mehr und anderes machen können, aber ich denke, es war für diese Funktionsperiode schon sehr viel. Die Grundsteine sind gelegt, es wir auch nach mir viel weitergehen, so dass ich eigentlich guter Laune bin, trotz dem auch traurigen Abschied.

DieUniversitaet.at: Wenn die Medizin-Fakultät nicht in eine eigene Universität ausgegliedert werden würde, hätten Sie dann überlegt, das Amt der Vizerektorin weiter auszuüben?
Moser: Wenn die beiden Universitäten zusammen geblieben wären, hätte ich mir schon vorstellen können, das Amt wieder zu übernehmen, allerdings auch wieder nur neben meiner Tätigkeit als Wissenschafterin und Ärztin. Ob das in einem UG 2002 möglich gewesen wäre, ist eine andere Sache, ich glaube fast nicht. Ich persönlich habe immer gesagt, ich möchte meine Klinik, meine Medizin, meine Spezialqualifikation (Psychosomatik im Bereich der Inneren Medizin) nie aufgeben. Die Frage hat sich durch die Abspaltung dann erübrigt.

DieUniversitaet.at: Einer Ihrer Aufgabenbereiche war die Personalentwicklung: Was waren die zentralen Aufgaben in diesem Bereich und was kann die Universität Wien tun bzw. was tut sie, um ein attraktiver Arbeitsplatz für ihre MitarbeiterInnen zu sein?
Moser: Mir war ganz wichtig, dass die Personalentwicklung von der Spitze ausgehen muss, dass die Führungskräfte dahinter stehen, denn ansonsten macht es keinen Sinn. Darum war klar, dass es von der Führung her ein Anliegen sein muss, dass diese Maßnahmen angenommen werden. Es gibt viele innovative Kurse und Seminare, zu Personal Skills wie Rhetorik etc., natürlich auch EDV. Gut finde ich auch, dass die Frauenförderung ein starker Bestandteil der Personalentwicklung ist.
Für die Zukunft wünsche ich mir für die Universität Wien und die Medizinische Universität, dass das weiterläuft und ausgebaut wird und dass auch Budget vom Ministerium kommt, weil es jetzt eine gesetzliche Voraussetzung ist: im UG 2002 ist Personalentwicklung verpflichtend enthalten. So haben wir einen guten Grundstein gelegt.

DieUniversitaet.at: Haben Sie das Gefühl, dass seit Ihrem Antritt als Vizerektorin eine Bewusstseinsbildung für die Probleme von Frauen an den Unis bei männlichen Kollegen stattgefunden hat?
Moser: Sensibilisierung würde ich sagen, Bewusstseinsbildung bei einigen vielleicht auch. Was mich traurig stimmt sind Statistiken, die ich unlängst gesehen hab. Bevor ich das Rektorat verlasse, möchte ich mir die aktuellen Daten der Frauenanteile in höheren Qualifikationen noch anschauen und österreichweit vergleichen. Mein erster Eindruck ist, dass der Anteil an habilitierten Frauen und bei den Professorinnen zurückgegangen ist.
Die Broschüre, die ich 2001 mit Karoline Iber und Martin Fieder herausgegeben habe, hat aufgrund der Zahlen zu Frauenanteilen Entsetzen hervorgerufen, obwohl die Universität Wien im Vergleich zu anderen Universitäten und Ländern nicht so schlecht ist. Die Zahlen sprechen jedoch für sich.
Ob der aktuelle Rückgang der Frauenanteile ein Ausreißer war und ob das tatsächlich noch so ist, werde ich mir noch genau anschauen. In diesem Zusammenhang bin ich auch kritisch bezüglich der im UG 2002 festgelegten Entscheidungsstruktur: die Entscheidungen über einen Ruf und auch über die Möglichkeiten einer Habilitation treffen nach wie vor die eher männlich dominierten Vorstände oder Leiter der Institute. Ich fürchte, da kommt noch eine große Aufgabe auf den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen zu.
Aber ein budgetäres Anreizsystem, wie es an der Universität Wien eingeführt wurde, oder ähnliche Maßnahmen könnten im UG 2002 umso besser greifen, sofern diese in den Leistungsvereinbarungen enthalten sind: dass das Budget fließt, je nachdem wie viele Frauen sich an einem Institut qualifizieren und in Leitungspositionen kommen. Ich werde das jedenfalls Ministerin Gehrer, in deren frauenpolitischen Beirat ich bin, wärmstens empfehlen. (mh)

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Vizerektorin Gabriele Moser.

Personalentwicklung
Projektzentrum Frauenförderung
Beratungsstelle Sexuelle Belästigung und Mobbing
Mentoring-Projekt
Projektzentrum Genderforschung
Kinderbüro an der Universität Wien
Moser/Iber/Fieder: "Karrieren von Frauen an der Universität Wien" (2002) (pdf)

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