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Gabriele Moser (2): "Erfolgserlebnisse geben mir Energie"
UG 2002
Michaela Hafner (Redaktion) am 16. September 2003

Vizerektorin Gabriele Moser spricht persönlich über den Abschied von ihren Mitarbeiterinnen und vom Rektorenteam, erzählt, woraus sie Kraft schöpft und was sie der Universität Wien für die Zukunft wünscht.

Moser: Ich habe auch als Vizerektorin laufend Forschungsprojekte gehabt und bin gerade heute besonders stolz, weil ich die Nachricht bekommen habe, dass wieder eine Originalarbeit in einem Top-Journal für psychosomatische Medizin angenommen wurde, die ich mit meiner Arbeitsgruppe für gastroenterologische Psychosomatik gemacht habe. Ich habe auch während der letzten vier Jahre diese Arbeitsgruppe und einige Forschungsprojekte mitbetreut, ebenso meine Spezialambulanz für Psychosomatik in der Gastroenterologie, habe persönlich PatientInnen gesehen, war zweimal pro Woche an der Klinik.

 
 

 

Ich habe das gemacht, weil ich für mich wusste, dass ich eine wissenschaftliche Karriere nie aufgeben wollte und mir meine Klinik und meine Patienten sehr viel bedeuten.Ich gehe mit Anfang Oktober zurück an die Klinik, mache täglich meine Ambulanz und habe sehr viele Forschungsprojekte im Kopf. Ab 1. März 2004 werde ich in mein Forschungsjahr gehen, meine internationalen Kontakte pflegen - darauf freue ich mich schon sehr.

DieUniversitaet.at: Sie haben einen großen Bereich als Vizerektorin betreut und sind Ärztin am AKH mit Nachtdiensten. Woraus schöpfen Sie Kraft?
Moser: Also ehrlich, manchmal bin ich schon erschöpft, daher habe ich auch den Begriff "Powerfrau" nicht gerne. Was mich bei Kräften hält sind die tollen Erfolgserlebnisse, z.B. wenn ich Einladungen zu Vorträgen bei Kongressen erhalte. Das hält mich bei Laune und da gehe ich gerne mal am Wochenende und am Abend arbeiten - das musste ich ja machen, damit das nebenbei überhaupt läuft. Außerdem habe ich eine große Frustrationstoleranz aufgrund meiner Herkunft. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen und habe mir immer alles selber erkämpft ... ich denke, das hält mich aufrecht. Und wenn es mal nicht geht, gönne ich mir auch Pausen und Ruhe.

DieUniversitaet.at: Sie sind eine erfolgreiche Wissenschafterin. Waren Sie im Laufe Ihrer Karriere mit gläsernen Decken und Aufstiegsbarrieren konfrontiert?
Moser: Ich habe als Assistentin erlebt, dass Frauen mehr in der Routine eingeteilt werden, während sich andere Kollegen leichter frei spielen konnten und vom Chef auch frei gespielt wurden: während Männer Projekte bekommen haben und im Forschungslabor standen, habe ich bis abends Patienten versorgt. Ich habe mir eine Nische, das international eher neue Fach Psychosomatik selbst erkoren, weil ich in den etablierten Bereichen nicht so leicht Fuß fassen konnte - abgesehen vom persönlichen Interesse, neben meinem Beruf als Ärztin bin ich auch Psychotherapeutin. Manchmal war nicht so klar, gab es Diskriminierungen aufgrund meines Frau-Seins oder weil mein Fach nicht Mainstream-Medizin ist, mein Vorgänger hatte da auch gewisse Schwierigkeiten. Aufnahmegespräche sind für Frauen oft auch demotivierend, wenn Frauen von einer wissenschaftlichen Karriere abgeraten oder angenommen wird, sie möchten sich sowieso nicht habilitieren. Mich hat das insofern motiviert, als ich mir gedacht habe: "Jetzt erst recht!".

DieUniversitaet.at: Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Rektorenteam?
Moser: Ich muss sagen, das Klima war ein sehr gutes. Wir hatten in der letzten Woche gemeinsam Klausur - ich hatte das Gefühl, ich verabschiede mich von einer Familie, die ich lieb gewonnen habe. Wenn es ums Budget ging, gab es selbstverständlich Diskussionen, aber es war eine äußerst faire Atmosphäre. Ich hatte immer den Eindruck, man kann mit jedem Vizerektor und auch mit dem Rektor Einzelprobleme und Fakten besprechen. Das ganze Rektorat wird mir sehr fehlen, auch meine MitarbeiterInnen, v.a. meine Assistentin Mag. Iber. Es war für mich eine sehr schöne Zeit.

DieUniversitaet.at: Möchten Sie Ihren MitarbeiterInnen noch etwas zum Abschied sagen?
Moser: Ich möchte allen MitarbeiterInnen danken, sie haben Großartiges geleistet, ohne sie hätte ich das nicht geschafft. Ich bin überzeugt, dass sie auch mit meiner Nachfolgerin großartig weitermachen werden. Die Projekte und Gelder, die dafür lukriert wurden, waren sicher ein großes Verdienst der MitarbeiterInnen. Und auch die Kreativität wünsche ich weiterhin allen.

DieUniversitaet.at: Was wünschen Sie der Universität Wien für die Zukunft?
Moser: Ich wünsche der Universität Wien, dass alle MitarbeiterInnen trotz aller Probleme, die es mit dem Budget und vielleicht auch mit dem neuen UG gibt, so hochmotiviert bleiben, dass die Wissenschaft, Lehre und Forschung als "das Brennende" im Vordergrund bleiben.
Gerade beim Mittelbau, denke ich, wurden im UG 2002 große Fehler gemacht, und ich wünsche der Universität Wien und der Medizinischen Universität, dass es gelingt, dass der Mittelbau und alle, die eigentlich die Universität und die Forschung und Lehre tragen, motiviert bleiben. Ich wünsche, dass die Universität Wien eine Topuniversität wird in der Forschung, so wie sich das das Rektorenteam vorstellt, und das geht nur mit den MitarbeiterInnen. Und da wünsche ich der Universität Wien, dass es gelingen möge, dass alle, die hier etwas leisten, auch so einbezogen und motiviert werden, dass die Universität diesen Weg gehen kann. (mh)

Ao. Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser
geb. 1958. 1984 Promotion zur Dr. med., Universität Wien.
Bis 1989 Klinikangestellte bzw. Vertragsassistenzärztin an der I. Medizinischen Universitätsklinik. Von 1989-91 Leitung der Psychosomatischen Ambulanz der I. Medizinischen Universitätsklinik. Seit 1991 Fachärztin für Innere Medizin: Aufbau und Leitung der Arbeitsgruppe für Gastroenterologische Psychosomatik und der integrierten Gastroenterologischen Psychosomatik-Ambulanz an der Universitätsklinik für Innere Medizin IV. Seit 1993 Psychotherapeutin. Seit 1995 Oberärztin an der Universitätsklinik für Innere Medizin IV, 1996 Habilitation für Innere Medizin. 1997 Forschungsaufenthalt an der University of North Carolina, Chapel Hill, USA.
Aktueller fachlicher Schwerpunkt: Psychosomatik in der Gastroenterologie mit den Schwerpunkten chronisch entzündliche Darmerkrankungen und funktionelle gastrointestinale Störungen.
Stellvertretende Kuriensprecherin für den Mittelbau an der Medizinischen Fakultät und weiters von 1994-1999 Mitglied der Personalkommission nach UOG 75. Mitglied des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Universität Wien seit dessen Gründung bis 1999. Seit 2000 Vizerektorin für Personalangelegenheiten und Frauenförderung an der Universität Wien.

Personalentwicklung
Projektzentrum Frauenförderung
Beratungsstelle Sexuelle Belästigung und Mobbing
Mentoring-Projekt
Projektzentrum Genderforschung
Kinderbüro an der Universität Wien
Moser/Iber/Fieder: "Karrieren von Frauen an der Universität Wien" (2002) (pdf)

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Vizerektorin Gabriele Moser.

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