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Liebe ist schön.


Liebe tut weh.


Department für Anthropologie
Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie  
Gebrochene Herzen schmerzen
Liebe
Roland Dreger (Redaktion) am 20. Mai 2005

Liebe ist schön. Verschmähte Liebe schmerzt. Die Wissenschaft gebraucht den Begriff des "Broken-Heart-Syndrome". Ein gebrochenes Herz bedeutet eine extreme psychische Stresssituation für die Betroffenen. Es könnte aber auch seine guten Seiten haben.

"Um zu genesen, musst du viel Schmerzhaftes ertragen", schrieb der römische Dichter Ovid vor 2000 Jahren als probates Heilmittel gegen die Liebe. Wohl wissend um die Qualen des Liebeskummers, fügte er seinen Büchern über die Liebeskunst das Lehrwerk Remedia amoris ("Heilmittel gegen die Liebe") hinzu. Für die Literatur sind gebrochene Herzen seit jeher ein Must-have. Der unglücklich verliebte "junge Werther" etwa machte Goethe auf einen Schlag berühmt. Für die Wissenschaft ? von der Medizin bis zur Humanbiologie ? hingegen ist das Thema Liebeskummer eher ein rotes Tuch, einheitliche Erklärungen fehlen. Wer ist zuständig für die Liebe? Und dass, obwohl es sich hierbei um ein durchaus ernst zu nehmendes und interkulturelles Phänomen handelt, wie ao. Univ.-Prof. MMag. Dr. Sylvia Kirchengast vom Department für Anthropologie der Universität Wien bestätigt. "Derartige Zustandsbilder treten in allen Kulturen auf, und es hat sie vermutlich schon immer gegeben." In ihrer Vorlesung "Sexualbiologie" versucht die Wiener Humanbiologin, ihre StudentInnen in einem Semester möglichst umfangreich über Themen wie Geschlechterdifferenzierung, Befruchtung, Schwangerschaft oder Pubertät "aufzuklären". Für die Liebe bleibt aber auch hier nur am Rande Zeit, wie sie sagt. "Das bedürfte wahrscheinlich einer eigenen Vorlesung." Forschungsgegenstand Liebeskummer Eine der wenigen humanbiologischen Studien zum Thema Broken-Heart-Syndrome wurde Ende der 1990er Jahre am Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie an der Universität Wien durchgeführt. Der Verhaltensforscher Dr. Michael Bechinie untersuchte die Gefühle und das Verhalten zahlreicher von Liebeskummer geplagter Menschen. Für Bechinie ist Liebeskummer eine schlimme psychische Ausnahmesituation und ähnelt der Reaktion bei der Trauer um den Tod eines engen Verwandten. Immerhin 45 Prozent der StudienteilnehmerInnen plagten sogar Selbstmordgedanken.   Reguliert die Selbsteinschätzung Untersucht wurde in der Studie auch der Einfluss der Attraktivität der PartnerInnen im Verhältnis zueinander auf die Entscheidung, eine Beziehung zu beenden oder fortzuführen. Wie sich herausstellte, beenden attraktive PartnerInnen eher eine Beziehung als weniger attraktive. Als mögliche Funktion des Broken-Heart-Syndrome sieht Bechinin dessen "adaptive Wirkung". Liebeskummer könnte als regulierender Mechanismus des Selbstbildnisses und in der Selbsteinschätzung des "Partnermarktwertes" dienen. "Man fällt sicher nicht gleich tot um." Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine extreme Stresssituation für den Körper, betont Kirchengast: "Stressbedingt können unzählige Erkrankungen auftreten, beispielsweise wird die Immunfunktion des Körpers herabgesetzt." Und auch Erzählungen, in denen von Menschen berichtet wird, die an schwerem Liebeskummer sogar verstorben sind, sind nicht  ohne weiteres von der Hand zu weisen, so die Humanbiologin. "Man fällt zwar sicher nicht gleich tot um, weil das Herz 'gebrochen' ist, aber die Folgeerscheinungen können natürlich da sein." Die Zeit heilt alle Wunder Meist sind es allerdings Antriebslosigkeit, ein angeschlagenes Selbstbewusstsein, Schwermütigkeit oder auch Depressionen, die Menschen mit Liebeskummer plagen. Eine nachweisbare physiologische Veränderung ist der Rückgang des "Glückshormons" Serotonin im Gehirn. Das Tröstliche: Die Zeit heilt auch die Wunden eines gebrochen Herzens, wie die Studie von Bechinie zeigen konnte. Je länger der Zeitpunkt der Trennung zurückliegt, desto mehr weichen die depressive Gemütslage und Introvertiertheit, während Konzentration, Selbstvertrauen und gute Stimmung zunehmen. Trauerrituale fehlen Als ein Problem wird allerdings das Fehlen von Trauerritualen in unserer industrialisierten Welt ausgemacht, die Trauernde durchlaufen können. Diese flüchten sich so oft in die Isolation. Speziell bei Personen, die in schwach ausgeprägten sozialen Netzwerken leben, bedarf es dann einer therapeutischen Intervention. Ratschlag gegen Liebekummer Goethes jungen Werther trieb die verschmähte Liebe zu Lotte in den Selbstmord. Nach eigener Aussage schrieb Goethe innerhalb von nur vier Wochen den Briefroman "Die Leiden des jungen Werther", um seinen eigenen Liebeskummer zu kompensieren und sich von Selbstmordgedanken zu befreien. Zu einem ganz ähnlichen Rezept kommt im Übrigen auch Ovid. Einer seiner Ratschläge gegen Liebeskummer lautet: "Gib deinem leeren Geist eine Aufgabe, die ihn packe!" (ro)  

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