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Der Migrationsforscher Heinz Fassmann leitet die neue Forschungsplattform "Migration and Integration Research"


Die Mitglieder der Forschungsplattform Hilde Weiss …


… und Christoph Reinprecht sehen die Plattform als Chance, Migrationsforschung an der Universität Wien zu bündeln.


Forschungsplattform "Migration and integration research" Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Institut für Geographie und Regionalforschung der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie Institut für Soziologie der Fakultät für Sozialwissenschaften Forschungsnewsletter Jänner 2010: Initiativkolleg: Maßgeschneiderte Moleküle Moderner Kolonialismus
Gebündelte Migrations- und Integrationsforschung
Forschungsplattformen, Forschungsprojekte
Petra Schiefer (Redaktion) am 27. Januar 2010

Warum wandert wer wohin? Während sich ÖkonomInnen zur Beantwortung dieser Frage auf die Kosten-Nutzen-Rechnung stützen, beziehen SoziologInnen die verschiedenen sozialen Netzwerke mit ein: Sie betrachten Migrationsprozesse auf der Mikro- bzw. individuellen Ebene. Um in der Migrationsforschung den Austausch zwischen den einzelnen Disziplinen zu fördern und die verschiedenen Forschungserkenntnisse in einen einheitlichen Rahmen zu integrieren, wurde im Oktober 2009 die interdisziplinäre Forschungsplattform "Migration and Integration Research" ins Leben gerufen.

Migration bedeutet Wanderung. WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen wollen herausfinden, warum gewandert wird und wie Migrations- bzw. Integrationsprozesse verlaufen. Seit 1. Oktober 2009 gibt es an der Universität Wien die Forschungsplattform "Migration und Integration Research": Sie soll die fachspezifischen Methoden zusammenführen und die interdisziplinäre Migrationsforschung fördern.

Der Migrationsexperte und Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie sowie Leiter der Forschungsplattform Heinz Fassmann hat die Gründung der Forschungsplattform in die Wege geleitet. "Die Universität weist eine beachtliche Kompetenz in diesem Bereich auf, hat es bis dato aber versäumt, diese zu bündeln. Die Instituts- und Fakultätsgrenzen sowie der erwünschte Wettbewerb um Ressourcen innerhalb der Universität haben zur Zersplitterung geführt. Plattformen stellen wichtige Instrumente einer übergreifenden Kooperation dar", so Fassmann.

"Die Forschungsplattform wird von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie sowie der Fakultät für Sozialwissenschaften getragen. Doch die Aktivitäten werden sicherlich über diese Fakultäten hinausgehen", so Hildegard Weiss, Mitglied der Forschungsplattform vom Institut für Soziologie

Neue Theorien und Methoden

In den nächsten drei Jahren soll die Forschungsplattform nicht nur die zersplitterte Migrationsforschung in der Universität Wien bündeln, sondern auch eine vertiefende Debatte über eine notwendige Neuentwicklung von theoretischen und methodischen Instrumentarien initiieren. Eine große Herausforderung liegt in der Datenbeschaffung: Ein Großteil der migrantischen Bevölkerung - PendelarbeiterInnen, eingebürgerte oder illegale MigrantInnen - ist nicht oder nur teilweise erfasst. "Dieses Verschwinden aus den Statistiken ist äußerst problematisch. Deshalb müssen wir - neben dem theoretischen Rahmen - vor allem an methodologischen Verbesserungen arbeiten", betont Christoph Reinprecht, ebenfalls Soziologe und Mitglied der Plattform.

Kommunikation, Forschung und Ausbildung

"Um die Kommunikation und den wissenschaftlichen Austausch zu fördern, sind eine Ringvorlesung, Fachworkshops sowie Diskussionsveranstaltungen angedacht", fügt Reinprecht hinzu. Für ihn sei das Projekt dann als erfolgreich zu bewerten, wenn in drei Jahren an der Universität Wien interdisziplinäre Migrationsforschung - in Zusammenarbeit mit internationalen Instituten - stattfinde. Der Sozialwissenschafter sieht ein weiteres Ziel der Forschungsplattform darin, Migrationsforschung gebündelt in die Lehre einzubringen, um die Ausbildung von MigrationsexpertInnen zu fördern: "Dafür sind ein Masterprogramm, ein Initiativkolleg oder ein Habilitationskolleg geplant."  

Monitoring

Migration untersteht einem ständigen Wandel. Die Herkunftsländer- und Regionen, die Zusammensetzung der migrantischen Bevölkerung nach Geschlecht und Qualifikation sowie das Siedlungsverhalten und die Ziele der MigrantInnen verändern sich laufend: Langzeitstudien bieten sich an, um Migrationsströme und deren Veränderung zu beobachten. Doch solche Programme sind in Österreich rar. "Die Einrichtung eines Monitoring Centers sowie einer Datenbank wären sinnvoll, um diese Veränderungen besser studieren und dokumentieren zu können", so Hildegard Weiss.

Nicht zuletzt soll die Forschungsplattform im Wissenschaftsbereich das schaffen, was auf politischer Ebene schwer realisierbar ist: interdisziplinäre Forschung in die Praxis umsetzen. Die Forschungsplattform bietet zudem die Möglichkeit, mehr Rationalität in die öffentliche Migrationsdebatte zu bringen: "Falsche Bilder als solche zu enttarnen, ist eine immanente Aufgabe der Wissenschaft", resümiert Hildegard Weiss. (ps)


Seit dem 1. Oktober 2009 besteht die Forschungsplattform "Migration and Integration Research", die Leitung hat Univ.-Prof. Dr. Heinz Fassmann inne, für Koordination und Organisation ist Mag. Julia Dahlvik, M.A. zuständig. An der Forschungsplattform sind das Institut für Geographie und Regionalforschung der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie (Univ.-Prof. Dr. Heinz Fassmann und Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl Husa), das Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht und das Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard Muzak und O. Univ.-Prof. Dr. Richard Potz) sowie das Institut für Soziologie der Fakultät für Sozialwissenschaften (Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Reinprecht und Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hildegard Weiss) beteiligt.

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