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Edith Saurer leitet seit Anfang des Jahres die Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext".


"Sammlung Frauennachlässe (SFN)" Zeitschrift "L'Homme" Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext" Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechtergeschichte am Institut für Geschichte
Gender im neuen Europa
Forschungsprojekte, Forschungsplattformen
Simone Kremsberger (Redaktion) am 21. Juli 2006

Anfang 2006 wurde die universitäre Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext" eingerichtet. Das Publikationsprojekt "L'Homme", die "Sammlung Frauennachlässe" mit dem ihr angeschlossenen Projekt "Sprache und Erinnerung in Frauentagebüchern des 20. Jahrhunderts" und die Vernetzung mit Genderforscherinnen innerhalb Europas bilden die drei Säulen der Plattform, die von Edith Saurer vom Institut für Geschichte geleitet wird.

"1989 war eine Zäsur in der europäischen Geschichte. Traditionelle Grenzziehungen zwischen Ost und West, Nord und Süd wurden in Frage gestellt", schildert Univ.-Prof. Dr. Edith Saurer vom Institut für Geschichte. "Seit 1989 sind auch die Stimmen, die über eine europäische Geschichte sprechen, zahlreicher geworden. Die Frauen- und Geschlechtergeschichte ist ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung."

Interdisziplinäre Forschungsplattform

Edith Saurer ist Leiterin der Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext", die neben zwei weiteren fächerübergreifenden Forschungsplattformen zu Jahresbeginn an der Universität Wien neu eingerichtet wurde. MitarbeiterInnen sind die Historikerin und stellvertretende Leiterin der Plattform, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Christa Ehrmann-Hämmerle, und Mag. Dr. Margareth Lanzinger vom Institut für Geschichte, Univ.-Prof. Dr. Ruth Wodak vom Institut für Sprachwissenschaft und Ao. Univ.-Prof. Dr. Juliane Vogel vom Institut für Germanistik, die beide in das Teilprojekt "Sprache und Erinnerung in Frauentagebüchern des 20. Jahrhunderts" integriert sind, sowie Dr. Nikola Langreiter ("L'Homme"-Redaktion) und Mag. Li Gerhalter (Betreuung der "Sammlung Frauennachlässe"). Gemeinsam wollen sie laut Saurer "Frauen- und Geschlechtergeschichte in der sich verändernden politischen und wissenschaftlichen Landschaft Europas sichtbar machen".

"L'Homme" und "Sammlung Frauennachlässe"

Dabei kommen zwei Instrumente und Einrichtungen zur Erforschung der Frauen- und Geschlechtergeschichte zum Einsatz, die am Institut für Geschichte in den letzten 15 Jahren gegründet und aufgebaut wurden: Die Zeitschrift "L'Homme" und die "Sammlung Frauennachlässe" bilden die Basis für Editions- und Forschungsprojekte, die für die Forschungsplattform konzipiert wurden.

Wissenschaftskulturen sichtbar machen

"L'Homme" wurde 1990 gegründet und erscheint zweimal jährlich. Die "Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft" wird gegenwärtig von Wissenschafterinnen aus sechs europäischen Ländern - neben Österreich aus der Schweiz, Deutschland, Holland, der Tschechischen Republik und Bulgarien - herausgegeben, demnächst kommen Historikerinnen  aus Polen und Frankreich hinzu.
"Es geht um die Sichtbarmachung und Vernetzung unterschiedlicher Wissenschaftskulturen in der Frauen- und Geschlechtergeschichte", formuliert Saurer das Programm. "L'Homme" bildet auch den Rahmen für die 1995 entstandene  Buchreihe "L'Homme Schriften" und von  "L'Homme Archiv", das für Editionen und Neuauflagen von KlassikerInnen konzipiert ist.

Erinnerung herstellen

Die "Sammlung Frauennachlässe", 1991 gegründet, umfasst rund 80 Nachlässe von Frauen aus dem 18. bis zum 20. Jahrhundert. Die Sammlung, deren Bestände im Rahmen der Forschungsplattform derzeit digital erfasst werden, bietet privates Schrifttum vom Haushalts- übers Tagebuch bis zu Schulheften und Briefen sowie Fotografien von Frauen. "Die Sammlung versteht sich als Archiv mit der Aufgabe, die Herstellung von Erinnerung zu gewährleisten", sagt Edith Saurer.

Frauentagebücher

Ein Teilprojekt innerhalb der Forschungsplattform, das an die "Sammlung Frauennachlässe" angeschlossen ist, bildet das interdisziplinär und interfakultär ausgerichtete Forschungsprojekt "Sprache und Erinnerung in Frauentagebüchern des 20. Jahrhunderts", eine historisch-literaturwissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Zusammenarbeit. "In einem ersten Schritt werden die Tagebücher unter methodischen Gesichtspunkten erörtert und insbesondere text-diskursanalytische und historisch-kritische Methoden diskutiert", schildert Saurer.
Die Frage "Wie thematisieren sich Frauen selbst?", die Selbstinszenierungen auch in ihrer sprachlichen und literarischen Gestaltung umfasst, nennt Saurer eine wichtige Leitfrage des Projekts. Das Thema "Frauentagebücher" wird auch Gegenstand zweier Lehrveranstaltungen von Edith Saurer und Christa Hämmerle im kommenden Wintersemester sowie von einem Workshop sein, im Sommersemester 2007 soll eine Ringvorlesung folgen. Geplant ist weiters die Vergabe von Diplomarbeiten und Dissertationen aus diesem Themenbereich.

Netzwerke bilden

Das Ziel der Forschungsplattform liegt in einer Optimierung der vorhandenen Ressourcen: "In der Erstellung eines Bestandsverzeichnisses der 'Sammlung Frauennachlässe' und deren Vernetzung mit anderen auto-/biographischen Archiven in Europa; in der Bearbeitung von Themen zur Frauen-und Geschlechtergeschichte Europas und in der Institutionalisierung der vorhandenen Netzwerke", sagt Edith Saurer. (sk)

Publikationsprojekte  im Rahmen der Forschungsplattform:
"Sprache und Erinnerung in Frauentagebüchern des 20. Jahrhunderts".
Geplant ist die Edition von Tagebüchern. Der erste Band wird 2007 erscheinen: "Die Tagebücher der Therese Lindberg, 1938 bis 1946", hg.von Christa Hämmerle und Li Gerhalter. Weiters sind Sammelbände zu verschiedenen Problemen der Tagebuchforschung vorgesehen. 

Ebenfalls 2007 erscheint in "L'Homme Archiv" "Aushandeln von Ehe. Heiratsverträge, Rechtsräume und soziale Kontexte im Vergleich", hg. von Gunda Barth-Scalmani, Ellinor Forster, Gertrude Langer-Ostrawsky und Margareth Lanzinger.

In den "L'Homme Schriften": Edith Saurer, Margareth Lanzinger, Elisabeth Frysak (Hg.): Women's movements, networks and debates in postcommunist countries in the 19th and 20th century. Boehlau 2006

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