![]() Virtueller Hyperglobus von Andreas Riedl: Auf der Kugeloberfläche lassen sich interaktive, dreidimensionale Signaturen positionieren, z.B. die Einwohnerzahl der jeweiligen Hauptstädte. (c) A. Riedl ![]() Zur Verdeutlichung des Sonnenstandes wird jenes Gebiet, in welchem die Sonne im Zenit steht, durch ein kreisförmig aufgehelltes Areal hervorgehoben. Dieser Sonnenspot ist hilfreich bei der Erklärung von Wendekreisen bzw. Sonnwenden. ![]() Auf dem Hyperglobus lassen sich thematische Ebenen für einen beliebigen Vergleich von Kontinenten, Küstenlinien oder geometrischen Referenzflächen unabhängig voneinander dreh- und rotierbar gestalten. Andreas Riedl Institut für Geographie und Regionalforschung Globensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek |
Geokommunikation: Die Welt im virtuellen Raum |
| Sommerserie, Reisen und Wissenschaft |
| Roland Dreger (Redaktion) am 1. September 2004 |
Schon lange beschränken sich GeographInnen nicht mehr nur auf das detailgetreue Abbilden unserer Welt. Mit modernsten Verfahren der Multimediatechnologie schicken sie uns auf virtuelle Reisen rund um den Globus, erläutern globale Zusammenhänge und bringen uns immer zielsicherer von A nach B. |
Das Ziel heißt Interaktivität, das Zauberwort Geokommunikation. "Analoge Karten oder Globen verhalten sich immer passiv - man sieht darauf und bekommt seine Information oder auch nicht", bemerkt Univ.-Ass. Mag. Dr. Andreas Riedl vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien, Spezialist für geographische Informationssysteme und Geovisualisierung. "Mit den neuen Möglichkeiten der Multimediatechnologie kommt es hingegen zu einem aktiven Dialog, zu einer Kommunikation zwischen Mensch und Produkt." Das Produkt kann in diesem Fall der virtuelle Globus sein, der mehr als nur geographische Informationen bereithält, die Karte, die spricht, oder das Handy, das den richtigen Weg "vor Augen führen". Vieles davon ist noch Zukunftsmusik, geforscht wird schon jetzt daran. Virtueller Globus als Wissensvermittler Geokommunikation ist ein relativ neuer Fachbereich. Sie umfasst die unterschiedlichsten Disziplinen - von Geographie und Kartographie bis hin zu Informationstechnik, Multimediadesign und nicht zuletzt Usability-Forschung. "Gerade bei Multimediaapplikationen ist die Gefahr groß, den Anwender zu überfordern", meint Riedl. "Information kann man sehr viel reinpacken, sie muss für die BenützerInnen aber auch wahrnehmbar sein." Um die möglichst einfache Visualisierung von Sachverhalten ging es Riedl daher auch bei der Entwicklung seines, wie er ihn nennt, virtuellen Hyperglobus. Einer Simulationssoftware, deren Einsatzgebiet vor allem in der Wissensvermittlung liegt. Mit der virtuellen Simulation können SchülerInnen etwa globale und astronomische Phänomene oder Vergleiche von geographischen Daten am Computer anschaulicher und einfacher als bisher näher gebracht werden. Historische Globen digital aufbereitet Schon seit dem 16. Jahrhundert stehen Globen klar im Zeichen der Wissensvermittlung. Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt die weltweit größte frei zugängliche Sammlung historischer Globen. Viele der wertvollen Unikate befinden sich geschützt hinter Vitrinen, entgegen ihrem ursprünglichen Sinn der direkten Betrachtung entzogen. Im Zuge des Umzugs der Sammlung in neue Räumlichkeiten soll sich dies nun ändern. WissenschafterInnen des Instituts für Geographie und Regionalforschung arbeiten derzeit in einem technisch aufwendigen Projekt an der digitalen Präsentation des Museums. Mit den Möglichkeiten moderner Multimediatechnologie sollen die vorhanden Globen für die BesucherInnen besser erfahrbar und erlebbar werden. Unter anderem wird dabei auch der aus dem Jahre 1541 stammende Erdglobus von Gerhard Mercator mit einem Durchmesser von 41 cm digitalisiert und soll als dreidimensionales Faksimile interaktiv "bereist" und erforscht werden können. Über die digitale Installation lässt sich dann etwa der direkte Vergleich ziehen zwischen historischem geographischen Wissensstand und den auf einem modernen Hyperglobus dargestellten tatsächlichen Gegebenheiten. Datenbrille liefert Wegbeschreibung Die Technologie im Bereich der Geokommunikation ist in den vergangenen Jahren rasant vorangeschritten. So hat nicht nur der Globus, sondern auch die Karte den Schritt zur Digitalisierung schon längst vollzogen. Und gerade haben wir uns an die leicht laszive Frauenstimme aus der GPS-Einheit in unserem Fahrzeug gewöhnt, arbeitet die Wissenschaft schon an der nächsten und übernächsten Generation dieser elektronischen Orientierungshilfen. Am Institut für Geographie und Regionalforschung geht man dabei in Richtung Mobile Mapping, also die Datenfassung mittels Wearable PC im Gelände. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, über eine spezielle Datenbrille die reale Welt mit digitaler Information zu überlagern. Diese Information kann etwa eine Wanderroute sein, jedoch genauso zusätzliche Details wie Grundstücksgrenzen, Infrastruktureinrichtungen und dergleichen bereithalten. Heute Vision, morgen Realität Riedl und seine KollegInnen wollen sich in den nächsten Jahren die Möglichkeiten der schon jetzt vorhandenen Geräte ansehen sowie Verbesserungsmöglichkeiten und vor allem Anwenderfreundlichkeit ausloten. Denn mit Datenbrille, tragbarem PC und GPS ist von Alltagstauglichkeit derzeit noch keine Rede. In Zukunft könnten diese Geräte jedoch in einer einzigen handlichen Kommunikationseinheit verschmelzen, etwa dem Handy, spekuliert Riedl, das schon jetzt mehr und mehr Funktionen übernimmt. Mittels sprachgestützer Kommunikation könnten wir so in Zukunft mit der Karte im Handy in Dialog treten oder der gewünschte Weg wird über ein halbdurchlässiges Display direkt vor unserem Auge visualisiert. "Heute ist vieles davon freilich noch Vision. In ein paar Jahren wird das alles für uns jedoch relativ normal sein", ist Riedl überzeugt. (ro) Literaturtipp: Riedl, A.: Virtuelle Globen in der Geovisualisierung. Untersuchung zum Einsatz von Multimediatechniken in der Geokommunikation. Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie 13. ? 140+16 S., 109 Abb., 9 Tab. ? ISBN 3-9000830-41-X |



