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Sascha Klotzbücher untersucht gemeinsam mit Susanne Weigelin-Schwiedrzik die Gesundheitsversorgung von NomadInnen in der Autonomen Region Xinjiang. Foto u. Montage: T. Dirtl


Susanne Weigelin-Schwiedrzik mit Interviewpartnerinnen in der Jurte. Fotos: S. Klotzbücher


Susanne Weigelin-Schwiedrzik und Sascha Klotzbücher mit dem Forschungsteam der Universität Shihezi unter der Leitung von Prof. Dr. Jiangmei Qin.


Studentin der School of Medicine der Universität Shihezi bei der Befragung in den Jurten der kasachischen Familien.


Weidewirtschaft in der Hochebene auf 2.000 Meter.


Mitglieder der Forschungsgruppe vor der Behandlungsjurte einer Ärztin auf der Hochebene.


Institut für Ostasienwissenschaften / Sinologieder Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Projekt-Homepage "Perspektiven für ländliche Krankenhäuser in Xinjiang"
Gesundheitsszenario für NomadInnen in Xinjiang
China, Forschungsprojekte
Simone Kremsberger (Redaktion) am  6. Juli 2007

Susanne Weigelin-Schwiedrzik und Sascha Klotzbücher untersuchen in einem FWF-Projekt die Gesundheitsversorgung von NomadInnen in einem Kreis der Autonomen Region Xinjiang. Gemeinsam mit WissenschafterInnen der Universität Shihezi und lokalen Partnern wollen sie ein Gesundheitsszenario für die Bevölkerung entwickeln.

"Geringe Bevölkerungsdichte, hohe Mobilität der Bevölkerung und Armut" - so umreißt Dr. Sascha Klotzbücher vom Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie die Situation in dem nordwestlichen Landkreis Xinyuan der Autonomen Region (AR) Xinjiang. Hier leben viele ethnische Minderheiten, vor allem KasachInnen. Ein großer Teil der Bevölkerung sind nomadisierte oder halbnomadisierende Hirten, die in den Tälern überwintern und den Sommer mit ihren Schafen auf einer Hochebene auf 2.000 Meter verbringen.

Gesundheitsbedürfnisse ...

Rund 30.000 NomadInnen finden sich Jahr für Jahr auf diesen Weidegebieten ein. Und benötigen - unter anderem - medizinische Versorgung. "Einerseits kommen Krankheiten wie die Grippe vor. Andererseits gibt es Zivilisationskrankheiten, z.B. Bluthochdruck aufgrund der einseitigen Ernährung. Die Nomaden essen wenig Obst und Gemüse, aber viel Fleisch aus der eigenen Schafzucht. Hinzu kommt, dass die Kasachen traditionell gesalzenen Tee trinken", schildert Sascha Klotzbücher.

... versus Gesundheitsversorgung

Die gesundheitliche Versorgung im Gebirge ist allerdings problematisch. "Es gibt private Ärzte, die im Sommer mit in die Berge gehen. Ihre medizinische Qualifikation und ihre technische Ausstattung sind aber größtenteils mangelhaft", sagt Klotzbücher. Diese Situation nicht nur zu analysieren, sondern davon ausgehend auch ein nachhaltiges Konzept für die lokale Gesundheitsversorgung zu entwickeln, ist Ziel des FWF-Projekts "Perspektiven für ländliche Krankenhäuser in Xinjiang", das Anfang des Jahres startete.

Ein Gemeinschaftsprojekt

Dabei arbeiten Klotzbücher und Projektleiterin Univ.-Prof. Mag. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik interdisziplinär mit einem Forschungsteam der Universität Shihezi (Department Public Health/Medizin) und der FH Technikum Kärnten (Bereich Gesundheits- und Pflegemanagement) zusammen. Wichtig ist den ForscherInnen, dass alle betroffenen AkteurInnen vor Ort aktiv einbezogen werden. So führten StudentInnen der Universität Shihezi, die zur kasachischen Minderheit gehören, Interviews mit den NomadInnen durch, um deren Bedürfnisse zu erheben. Auch die Zusammenarbeit mit der lokalen Verwaltung und den ÄrztInnen funktioniere gut, meint Klotzbücher.

Mehr Mobilität, mehr Qualität

"Unsere Hauptfrage ist: Welche Form von Gesundheitsversorgung ist möglich und finanzierbar?", erläutert der Sinologe. Um die riesige Fläche der Weidegebiete abzudecken, wird überlegt, die Krankenversorgung nicht stationär, sondern mobil zu gestalten: etwa in Form eines Containers, eines Anhängers oder auch einer Jurte, die auf- und abgebaut werden kann.
Dem Qualitätsproblem will man mit einer besseren Vernetzung zwischen den DorfärztInnen und den höher qualifizierten ÄrztInnen der Gemeinde- und Kreiskrankenhäuser begegnen.

Realisation und Evaluation

Einige Fragen müssen noch geklärt werden: Wie kann das System am besten in das alte integriert werden? Wer wird es organisieren und verwalten? Im Laufe des Sommers soll ein Konzept ausgearbeitet und noch heuer realisiert werden. Für 2009 ist eine Evaluation, im Anschluss ein interregionaler Vergleich geplant. "Geografisch und kulturell ähnliche Regionen könnten davon lernen", so Klotzbücher. (sk)


Das FWF-Projekt "Perspektiven für ländliche Krankenhäuser in Xinjiang" wird von Univ.-Prof. Mag. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik (Leitung) und Dr. Sascha Klotzbücher vom  Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie gemeinsam mit der Universität Shihezi (AR Xinjiang, China) durchgeführt. Das Projekt startete am 1.1.2007 und soll bis 1.1.2010 abgeschlossen sein.

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