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Nach über zehn Jahren beim Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen und über 40 Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit am Institut für Astronomie ging Anneliese Schnell Ende 2006 in Pension. Nun erhält sie das Goldene Ehrenzeichen der Universität Wien. Foto: Paul Beck


Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen
Internationaler Frauentag 2007 (3): "Gleichbehandlung hat keine Amtsstunden"
Personalia, Internationaler Frauentag
Simone Kremsberger (Redaktion) am  8. März 2007

Von 2001 bis zu ihrer Pensionierung Ende 2006 war die Astronomin Anneliese Schnell Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Universität Wien. Bereits seit 1995 zählte sie zu den Mitgliedern des Arbeitskreises. Im Gespräch mit der Universitätszeitung blickt Schnell auf die tägliche Arbeit für die Gleichstellung von Frauen und Männern zurück. Am 14. März erhält sie das Goldene Ehrenzeichen der Universität Wien.

Fünf  Jahre lang war Dr. Anneliese Schnell Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen. Ihre Arbeit sah sie zunächst als "Notwendigkeit, dass jemand von der naturwissenschaftlichen Fakultät im Arbeitskreis vertreten ist". Mit der Zeit wuchs ihr Interesse an der Tätigkeit.
Die wichtigsten Aufgaben des Arbeitskreises, der 1991 gegründet wurde und derzeit 21 Mitglieder hat, sind die Verhinderung von Diskriminierungen und die Beratung der Universitätsorgane in Fragen der Gleichstellung und Frauenförderung. Redaktion: Worin bestand Ihre Haupttätigkeit als Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlung?
Anneliese Schnell: Das war die Arbeit in den Berufungs- und Habilitationskommissionen sowie die Mitwirkung bei allen Ausschreibungen und Besetzungen von Stellen. Die Mitglieder des Arbeitskreises haben Zugang zu allen Bewerbungsunterlagen ? und ich habe mir die Bewerbungen für eine Professur oder für eine andere Stelle immer genau angeschaut und von der Kommission bzw. von der Leitung einer Dienststelle eine vergleichende Beurteilung der besten Bewerberinnen und Bewerber sowie eine Begründung für ihre Wahl verlangt. Redaktion: Wenn Sie auf Ihre Tätigkeit beim Arbeitskreis zurückblicken, was waren die wichtigsten Errungenschaften der letzten Jahre?
Schnell: In der Zeit des UOG 1993 war es vom Gesetz her verpflichtend, dass jede Stelle, für die sich keine Frau beworben hatte, ein zweites Mal ausgeschrieben werden musste. Ich habe eine Datenbank habilitierter Frauen in Deutschland gefunden und mir die Namen und Adressen von Frauen, die auf bestimmten Gebieten gearbeitet haben, schicken lassen. Diese habe ich den Berufungskommissionsvorsitzenden einfach in die Hand gedrückt und gesagt, 'Schicken Sie den Ausschreibungstext bitte dort hin, vielleicht können Sie sich eine zweite Ausschreibung ersparen.' Denn eine zweite Ausschreibung war immer eine gewisse Zeitverzögerung und es konnte ja nie schnell genug gehen.
Ich habe meistens durchgesetzt, dass Frauen, die sich beworben haben, zu Berufungsvorträgen eingeladen wurden. Es ist mir wesentlich erschienen, dass die Frauen eine gewisse Übung in solchen Situationen bekommen. Ich habe das immer als Förderung von Frauen verstanden. Und es ist durchaus so, dass ? etwa in der Pharmazie oder Chemie ? auch Frauen Professorinnen wurden.
Schließlich habe ich mich bemüht, Vorurteile abzubauen. Was ich in den ersten Jahren erlebt habe, war ein andauerndes "Die Gleichbehandlung verzögert und behindert nur die Kommissionsarbeit", und ich habe versucht, das Gegenteil zu beweisen. Redaktion: Wo herrscht weiterhin Handlungsbedarf?
Schnell: Bei Berufungen herrscht noch Handlungsbedarf, die Zahl der Frauen, die berufen werden, ist einfach zu gering. Ansonsten steht die Universität Wien gut da. Redaktion: Haben Sie selbst Diskriminierung an der Universität Wien erlebt?
Schnell: Als ich in die erste Berufungskommission als Arbeitskreismitglied gegangen bin, hat sich der Kommissionsvorsitzende mit weit ausgebreiteten Armen vor die Tür des Sitzungsraums gestellt und wollte mich nicht hineinlassen. Ich habe das allerdings nicht als Diskriminierung empfunden, sondern eher belustigend. Redaktion: Und Sie sind hineingekommen?
Schnell: Natürlich. Redaktion: Fällt es Ihnen schwer, mit der Pensionierung im Dezember die Tätigkeit im Arbeitskreis und Ihre wissenschaftliche Tätigkeit als Astronomin hinter sich zu lassen?
Schnell: Ich hatte einen Grundsatz: Die Gleichbehandlung hat keine Amtsstunden, die Gleichbehandlung funktioniert immer. Und das war schon sehr viel Arbeit.
Wissenschaftlich habe ich am liebsten selbst am Fernrohr gearbeitet und die Beobachtungen
ausgewertet. Das konnte ich in den letzten Jahren wenig tun, denn man kann nicht die ganze Nacht am Fernrohr stehen und am nächsten Morgen um neun Uhr in einer Sitzung sein. Nun ist Schluss ? aber ich werde mich weiterhin mit Fragen der Geschichte der Astronomie beschäftigen. Redaktion: Gibt es etwas, das Sie immer schon machen wollten  und wofür Sie nun in der Pension Zeit haben?
Schnell: Da wird mir sicher etwas einfallen ? gerade räume ich mein Büro am Institut für Astronomie aus, so weit bin ich noch nicht! (sk)


Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen wurde 1991 eingerichtet, um Diskriminierungen durch Universitätsorgane entgegenzuwirken und Universitätsorgane und Universitätsangehörige in Fragen der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Frauenförderung zu beraten und zu unterstützen. Zu den Aufgaben gehören Ausübung der Informations-, Mitwirkungs- und Kontrollrechte in Gleichbehandlungsfragen und Personalangelegenheiten, Mitwirkung und Kontrolle in Berufungs- und Habilitationsverfahren, Erhebung von Beschwerden an die Schiedskommission, Erhebung von Beschwerden sowie Antragstellung auf Erstattung von Gutachten an die Bundes-Gleichbehandlungskommission und die Ausarbeitung eines jährlichen Tätigkeitsberichts für den Universitätsrat und das Rektorat.
Seit Anneliese Schnells Pensionierung ist der Rechtswissenschafter Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Richard Gamauf Vorsitzender des Arbeitskreises, die Amtsperiode endet im Frühjahr 2007. 

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