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Goethes "Italienische Reise"
Sommerserie, Reisen und Wissenschaft
Simone Kremsberger (Redaktion) am 19. August 2004

Mit Johann Wolfgang von Goethe beginnt die ästhetische Italienreise, die Generationen von deutschsprachigen SchriftstellerInnen beschäftigen soll. Mag. Dr. Irmgard Egger, Lektorin am Institut für Germanistik, hat die Literarisierung italienischer Reisen erforscht.

"Von Venedig ist schon viel erzählt und gedruckt, dass ich mit Beschreibung nicht umständlich sein will, ich sage nur, wie es mir entgegenkommt", stellt Johann Wolfgang von Goethe seiner Beschreibung der Lagunenstadt voran. Schon Goethe erschien Italien be- und überschrieben ? doch erst sein literarisches Erbe sollte es für nachfolgende Generationen von SchrifstellerInnen ebenso schwierig wie reizvoll machen, sich an das Projekt Italienreise zu wagen. Mag. Dr. Irmgard Egger vom Institut für Germanistik der Universität Wien hat sich innerhalb des FWF-Forschungsprojekts "Perspektive und Literarisierung: Italienische Reisen" mit der literarisierten Reise von Goethe über Freud bis in die Gegenwart beschäftigt. Reiseziel Italien "Reisebücher sind ein beliebtes Genre, da sie eine Schule der Wahrnehmung für AutorInnen bilden, eine Schreibschule, wo das Sujet durch die Reise vorgegeben ist und verschiedene Darstellungsweisen erprobt werden können", schildert Egger. Italien war und ist aus mehreren Gründen eine beliebte Destination: "Für die Generation vor Goethe war das Ideal Griechenland, das aber nicht zugänglich war, weil es im Osmanischen Reich lag. Aus Sicht der Hellenophilen wie Johann Joachim Winckelmann und Gotthold Ephraim Lessing war Italien danach das Beste, das man kriegen konnte. Anziehend war auch das Klima: Man dachte, dass sich der Mensch in freierem Klima, weicherer Luft und wärmeren Temperaturen anders entfalten könne. Nicht zuletzt spielte die leichte Erreichbarkeit eine Rolle." Goethes "Italienische Reise" Goethe, der 1786 seine Italienreise antrat, folgte zunächst dem Reiseführer-Standardwerk "Volkmann" und den Beschreibungen Winckelmanns, konnte sich aber bald von diesen Einflüssen befreien, um eigenständig wahrzunehmen. "Er gab Bilder, Motive und Strategien vor, an denen sich seine NachfolgerInnen orientieren konnten", hält Egger fest. Seine Reise führte ihn über den Gardasee und Verona nach Vicenza. Nach Aufenthalten in Padua, Venedig, Bologna und Florenz erreichte er Rom, wo er bei dem Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein wohnte. Nach seiner Rückkehr nach Weimar legte Goethe die entstandenen Texte erst mal zur Seite. "Goethe war in Italien sich selbst voraus. Er war experimentierfreudig und entwickelte ein beweglicheres Textbild, das sich mit der klassizistischen Ästhetik und seiner eigenen Programmatik nicht vertrug", erläutert die Germanistin. "Hinzu kam der Einfluss Friedrich Schillers, eines strengen Klassizisten, der selbst Italien nie besuchen wollte." So erschien die "Italienische Reise" erst 1816/1817 beziehungsweise 1829. Von der realen zur imaginären Reise "In der Überarbeitung strich Goethe Alltäglichkeiten aus, reine Bilder blieben. Er blickte aus 30 Jahren Distanz auf sich selbst als jungen Reisenden zurück, dadurch wurde der Text im stärkeren Maße zu einer imaginären Reise", beschreibt Egger. "Die Bedeutung der ?Italienischen Reise? liegt darin, dass Goethe nicht nur geographische und kunstgeschichtliche Details beschrieben, sondern eine starke, stilisierte Vision hinterlassen hat. Er experimentiert zum Beispiel erstmals mit Farben, seine Darstellung Siziliens erscheint wie ein Gedicht aus Blautönen. Die Villa Rotonda des Palladio beschreibt er in sehr bewegter Weise, mit einer Kamerafahrt zu vergleichen. Und seine große Leistung ist es, manches auf kurze Formeln zu bringen. Sätze wie 'Ohne Sizilien gibt Italien kein Bild in der Seele' haben sich eingeprägt." Wie ein Blick in die weitere Entwicklung der deutschsprachigen Erzähltradition zeigt, hat Goethe vor allem eines erreicht, nämlich die Italienreise für die deutschsprachige Literatur erschlossen. "Vor Goethes Zeit waren Gelehrtenreisen nach Italien modern. Die Fakten über das Land waren recherchiert und geschrieben. Doch mit Goethe und Karl Philipp Moritz, der mit ihm zugleich in Rom war, beginnt die ästhetische Italienreise." (sk) Lesen Sie, wie Goethes "Italienische Reise" auf nachfolgende Generationen von Schreibenden bis in die Gegenwart nachwirkt: Die Erben Goethes vor dem Bildarchiv Italien    

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