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Hans-Peter Karnthaler vor dem Durchstrahlungs-Elektronenmikroskop.


Atomare Struktur eines "Nano-Zwillings".


Initiativkolleg "Experimentelle Materialphysik - Nanostrukturierte Materialien" Institut für Materialphysikder Fakultät für Physik    
Große Initiative im kleinen Nanokosmos
Doktoratsprogramme, Forschungsprojekte, Studium/Lehre
Heidrun Huber (Redaktion) am 16. Oktober 2006

Die Nanotechnologie will die kleinen Strukturen in der Welt der Atome für den Menschen nutzbar machen. Im neuen Initiativkolleg "Experimentelle Materialphysik - Nanostrukturierte Materialien" unter der Leitung von Hans-Peter Karnthaler sind elf DoktorandInnen bei der Erforschung des Nanokosmos in Hochtechnologielabors nicht nur dabei, sondern aktiv beteiligt.

Fabriken so groß, besser gesagt so klein wie menschliche Zellen, diamantharte Materialien, die man trotzdem biegen kann, Nanoroboter, die Krebszellen bekämpfen - das sind Vorstellungen über die Möglichkeiten der Nanotechnologie. Weltweit wird an der so genannten Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts gefeilt. Nanostrukturierte Materialien waren unter den ersten Gebieten der Nanotechnologie. Dementsprechende experimentelle Forschung ist eine wachsende wissenschaftliche Disziplin.

"Die Universität Wien fügt sich in diese Entwicklungen international an vorderster Front ein", sagt Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Karnthaler vom Institut für Materialphysik. Das Thema ist nun in mehrfacher Weise in den universitären Strukturen verankert: Im Forschungsschwerpunkt "Materialwissenschaften - Funktionalisierte Materialien und Nanostrukturen" und im Initiativkolleg (IK) "Experimentelle Materialphysik - Nanostrukturierte Materialien", das im Wintersemester 2006/07 startet.

Exzellente Strukturen für das neue Initiativkolleg


"Ich begrüße die Initiative der Universität, eine Förderung für DissertantInnen vorzunehmen. Sie ermöglicht uns, durch das Zusammenwirken von entsprechenden Forschungsstrukturen, Personalressourcen und dem universitären Forschungsschwerpunkt eine neue Dimension in der Forschung von nanostrukturierten Materialien zu erreichen", lobt der Materialphysiker Karnthaler das neue Doktoratskolleg, dessen Sprecher er ist.

Die JungwissenschafterInnen erwartet eine Ausbildung an der Spitze der Materialwissenschaftsforschung. Bei Experimenten greift man hier auf Hochtechnologie zurück. Erst in letzter Zeit wurde unter anderem ein neues Höchstleistungs-Durchstrahlungselektronenmikroskop erworben, mit dem atomare Strukturen auflösbar sind. Nicht umsonst kam einer der anonymen internationalen Gutachter bei der Beurteilung des Antrags zum eingereichten Initiativkolleg im Frühjahr zu folgendem Schluss:

"- Funding of the project would bring the University of Vienna to the international forefront in the field of nanostructured materials, one of the key research areas of the 21st century. The proposal guarantees very high-quality teaching; the quality of the research team is outstanding; and the infrastructure available for research into nanostructured materials is unique. - "


Elf KollegialassistentInnen


Elf KandidatInnen nehmen die neuen Doktoratsstellen ein. Die Themen des Kollegs schrieb man dem Profil der insgesamt neun teilnehmenden Forscher (vom Institut für Materialphysik, vom Institut für Experimentalphysik und vom Institut für Physikalische Chemie) entsprechend aus. Kriterien bei der Auswahl der NachwuchswissenschafterInnen waren Vorkenntnisse in - im wahrsten Sinne des Wortes - der Materie, so dass in drei Jahren Forschung entstehen kann, die internationale Beachtung findet. Gut die Hälfte der DissertantInnen kommt aus Österreich, einige aus Deutschland und jeweils einer aus Russland, Polen und China. Internationalität ist auch im Ausbildungsprogramm enthalten: Auf internationalen Konferenzen werden die JungforscherInnen ihre Resultate auf dem Gebiet der Nanotechnologie-Forschung einem internationalen Forum präsentieren und entsprechende Impulse erhalten.

Herausforderung: Nanomaterial


"Die Herausforderung der Forschung zu nanostrukturierten Materialien ist, durch das Erreichen der Nanostrukturen in den Materialien ganz neue Eigenschaften erzielen zu können, die man bisher für unerreichbar hielt", erklärt Hans-Peter Karnthaler. Auf diese Weise möchte man beispielsweise besonders festes Material erzeugen, das trotzdem verformbar ist. Gewöhnlich können Materialien nur eine der beiden Eigenschaften haben: Glas beispielsweise ist fest, aber spröde, Gummi hingegen biegsam, aber weich. Anwendbar könnten die neuen Materialien unter anderem im Bereich der Medizin bei Implantaten sein.

Universität Wien hervorragend positioniert


Für Hans-Peter Karnthaler, der einst als Post-Doc nach Oxford ging und so erlebte, wie eine Eliteuniversität funktioniert, geht mit dem IK ein Wunsch in Erfüllung. "Es war immer mein Bestreben, in Österreich etwas zu schaffen, das sich mit internationalen Begriffen von Eliteuniversität messen kann - und jetzt ist der Zeitpunkt da." Wenn es zusätzlich zum ISTA (Institute of Science and Technology - Austria) wie geplant Exzellenzcluster geben werde, sei die Universität Wien im Gebiet der Materialwissenschaften hervorragend positioniert, ist der Physiker überzeugt. (hh)

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