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Gründungskonvent - ein Zwischenbericht
UG 2002
Dieter N. Unrath (Redaktion) am  7. Mai 2003

Der Gründungskonvent war das erste Organ, das nach UG 2002 eingesetzt wurde, an der Universität Wien besteht dieser schon seit November 2002. DieUniversitaet.at sprach mit dem Vorsitzenden des Gründungskonvents, Dekan Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Günter Haring, über die bisherigen Tätigkeiten.

DieUniversitaet.at: Wie verlief die Arbeit als Vorsitzender des Gründungskonvents der Universität Wien bisher?

Günter Haring: Die Arbeit im Gründungskonvent ist extrem gut verlaufen. Dies hängt damit zusammen, dass wir uns von Anfang an vorgenommen haben, einen sehr strikten Fahrplan für unsere Arbeit einzuhalten. Ich habe besonders sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir bei jeder Sitzung - bisher hatten wir zehn - etwas erledigt haben, so dass jedes Zusammenkommen auch eine Art Erfolgserlebnis hatte. Das war für das Funktionieren sehr wichtig. Ich habe großen Druck gemacht, dass wir die Dinge, die wir zu erledigen haben, rasch und zügig umsetzen. Zudem war sehr wichtig, dass man solche Sitzungen in entsprechenden Gesprächen gut vorbereitet, was die Sitzungsabwicklung ganz wesentlich erleichterte.

DieUniversitaet.at: Verlief die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Gründungskonvents auch so gut?

Haring: Ja, sehr. Das gilt für alle 19 Konventsmitglieder: Alle haben sehr positiv zusammengearbeitet. Die Arbeit war extrem gut und sehr konstruktiv.

DieUniversitaet.at: Wie würden Sie die Aufgaben und Funktionen des Gründungskonvents im Zuge der Implementierung des UG 2002 kurz beschreiben?

Haring: Aus meinem eigenem Fachgebiet, der Informatik, gibt es dazu einen passenden Begriff, das sogenannte "Bootsstrapping". Wörtlich bedeutet es das Hochziehen von Stiefeln mittels Lederlaschen. In der Informatik spricht man von Bootsstrapping des Betriebssystems, d.h. kleine Einheiten des Systems bereiten alles vor, damit das gesamte Betriebssystem auch richtig läuft. Das genau ist die Aufgabe des Gründungskonvents, er muss die Universität neu "hochziehen". Jene Einheiten vorzubereiten, damit das Werk auch läuft. Konkret die Installierung der obersten Organe, also Universitätsrat, Senat, Rektorat etc. Damit sind wir praktisch jetzt schon fertig, es gibt noch ein paar Dinge zu erledigen, damit wir am 1. Jänner 2004 einen glatten Übergang zwischen altem und neuem System haben.
So wie beim Betriebssystem: Wenn die Bootsstrapping-Prozedur abgelaufen ist, kann das System voll funktionieren, d.h. sobald der Senat und die anderen wichtigen Gremien installiert sind, kann sich die Bootstrapping-Prozedur, also der Gründungskonvent, wieder verabschieden.

DieUniversitaet.at: Welche Zielvorstellungen, die in Ihrem Positionspapier vom 3. April 2003 aufgelistet sind, sind Ihnen besonders wichtig?

Haring: Ganz wichtig ist die internationale Attraktivität sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Ebenso ein hohes Ausmaß an Flexibilität beim Studieren. Die Studierenden sollen abseits vom Mainstream des Studiums nach links und rechts schauen. D.h. sich auch mit anderen Bereichen, abseits vom Hauptstudium, beschäftigen. Deshalb glaube ich, dass eine Stärke der Universität Wien die Kombination von Studienrichtungen sein kann. Individuell gestaltete Studien sollen gefördert werden.
Auch das Zahlenverhältnis Lehrende und Studierende muss langfristig verbessert werden. Jeder Studierende soll wirklich während des Studiums gut betreut werden. Es müssen auch genügend Lehrkapazitäten für Magister- und Doktoratsprogramme verbleiben.
Ein Bereich, in dem wir sicherlich noch zu tun haben werden, ist der gesamte Bereich der Weiterbildung. Ich bin der Meinung, dass die Universität Wien sich hier stärker positionieren sollte.

DieUniversitaet.at: Auch die Evaluation wird in Ihrem Positionspapier ausführlich behandelt.

Haring: Wichtig wäre eine "Produktevaluation": Wenn ein Studierender sein Studium abschließt, wäre es wichtig zu fragen, was als "Produkt" herauskommt und ob es auch gut ist. D.h. wir müssten z.B. für die Evaluation beobachten, welche Karrieren die Studierenden gemacht haben. Eine produktorientierte Evaluation ist natürlich aufwendiger als eine prozessorientierte Evaluation.

DieUniversitaet.at: Wäre eine "produktorientierte Evaluation" für die Universität Wien überhaupt vorstellbar?

Haring: Ja, aber ob solch eine Evaluation bei einer so großen Universität so schnell umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Ich denke da z.B. an die Universität Zürich: Dort wurden vier bis fünf Jahre für den Aufbau eines ganzheitlichen Qualitätssicherungssystems benötigt. Wir dürfen nicht erwarten, das diese Art der Evaluation von heute auf morgen funktioniert. Hier muss man auf jeden Fall den Aufwand erkennen. (du)

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