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Institut für Osteuropäische Geschichte und die EU-Erweiterung |
| EU-Erweiterung |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 18. März 2004 |
Im Rahmen der Serie "Universität Wien & EU-Erweiterung" interviewte dieUniversitaet-online.at Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan, Vorstand des Instituts für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Der Historiker sprach über Forschungsprojekte und die Situation der Forschung in den neuen EU-Beitrittsländern. |
Redaktion: Inwieweit wird und wurde die EU-Osterweiterung in den Lehrveranstaltungen und in der Forschung des Instituts für Osteuropäische Geschichte thematisiert? Arnold Suppan: Wir behandeln das Thema seit Beginn der 1990er Jahre, wobei es zunächst nicht um die EU-Erweiterung ging - damals war ja Österreich noch nicht Mitglied -, sondern um die Ostöffnung nach der Wende im Allgemeinen. Die Themen wurden dann in den Lehrveranstaltungen sehr rasch auf die unmittelbare Gegenwart erweitert. Wir haben die EU-Osterweiterung auch in internationalen Tagungen mit westlichen und östlichen KollegInnen mehrmals erörtert, vor allem an den Universitäten und Akademien in Brünn, Prag, Warschau, Krakau, Budapest und Laibach. Das Institut und seine MitarbeiterInnen haben dazu auch einiges publiziert, obwohl das natürlich ohne unmittelbare Archivforschung schwierig war. Deshalb spielte Oral history bei der Forschungsarbeit eine wesentliche Rolle. Der Kontakt mit PolitikerInnen, politischen BeraterInnen, mit Medienschaffenden etc. war und ist wichtig. Redaktion: Welche gemeinsamen Forschungsprojekte und Kooperationen gibt es mit den neuen EU-Ländern? Suppan: Wir haben viele Forschungsprojekte mit den meisten Universitäten in diesen Ländern, vor allem zu historischen Themen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. So ist z.B. die "Konfliktgemeinschaft" zwischen Deutschen und Tschechen seit dem Ersten Weltkrieg ein zentrales Thema, das wir seit vielen Jahren mit tschechischen Kollegen erörtern. Geplant ist im kommenden Wintersemester auch ein Lehrverbund zwischen den Universitäten Wien, München und Prag, wo wir in einem Seminar, das sowohl in Prag als auch in Wien und München stattfinden soll, die deutsch-österreichisch-tschechischen Beziehungen von etwa 1848 bis 1948 behandeln. Mit der Jagiellonen-Universität in Krakau haben wir eine gemeinsame Tagung über die historische Dimension des EU-Beitritts Polens, die Integration und Desintegration Polens, veranstaltet. Dazu erscheint eine Publikation Ende April 2004. Ein Projekt über die schwierige Geschichte der österreichisch-slowenischen Beziehungen zwischen 1918 und 1955 haben wir seit vielen Jahren mit der Universität Laibach in Slowenien laufen. Mit den ungarischen Kollegen wurden verschiedene Projekte über Historiographie und Themen des 19. und 20. Jahrhunderts gemacht; allerdings mehr mit dem Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften, weil sie forschungsorientierter ist als die Universität selbst. In der Slowakei stehen wir mit der Slowakischen Akademie in Verbindung - auch hier ist die Akademie forschungsorientierter als die Universität. Das ist in einigen ehemaligen osteuropäischen Staaten ein Problem, dass die Forschungsorientierung an einer Universität noch nachhinkt aufgrund der früheren strengen Teilung Forschung an der Akademie und Lehre an der Universität. Vor zwei Jahren veranstalteten wir schließlich eine große Historiographie-Tagung, die einen Überblick über die Leistungen von 1990 bis 2000 gab. Der Sammelband wurde 2003 publiziert. Redaktion: Denken Sie, dass sich durch den EU-Beitritt der neuen EU-Länder die Situation für die Forschung verbessert? Suppan: Ja, zweifellos. Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Situation vor 1989 sehr schlecht war. So waren Kontaktaufnahmen zu Bratislava praktisch unmöglich. Dort bestand ein Forschungs- und Lehrregiment, das sowohl die Universität als auch die Akademie stramm führten und das völlig nach Moskau ausgerichtet war. Es gab keine Verbindungen zur Universität Wien oder anderen "westlichen" Universitäten. Zu Themen des 20. Jahrhunderts in einem dieser Archive vor 1989 zu arbeiten war praktisch unmöglich. (du) Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan. Institut für Osteuropäische Geschichte |
