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Integrativer Journalismuslehrgang |
| Behinderung/Integration |
| Daniela Schuster (Redaktion) am 8. April 2003 |
Ein Jahr lang lernten neun behinderte und zwei nicht-behinderte TeilnehmerInnen im "Integrativen Journalismus-Lehrgang" (I:JL) die Medienarbeit kennen. Anfang März 2003 fand die feierliche Abschlussveranstaltung statt. Das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien begleitete das Pilotprojekt sowohl in der Lehre als auch mit einer teilnehmenden, wissenschaftlichen Studie. |
Im Rahmen des Pilotprojektes "Intergativer Journalismus-Lehrgang", getragen vom Verein Integration:Österreich, erhielten neun behinderte und zwei nicht-behinderte TeilnehmerInnen eine einjährige, umfassende journalistische Grundausbildung. In zwölf Ausbildungsmodulen wurden alle theoretischen und praktischen Aspekte der journalistischen Tätigkeit und des Berufsfeldes Journalismus beleuchtet: von der Recherche über das Nachrichten schreiben bis hin zur Produktion einer TV-Sendung. In die Lehre waren unter anderem sieben MitarbeiterInnen des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien eingebunden. Ergänzt wurde die Ausbildung durch ein Training on the Job: Alle TeilnehmerInnen absolvierten ein Praktikum in einem Medienbetrieb. Qualifiziert hatten sich die NachwuchsjournalistInnen durch die Teilnahme an einem barrierefrei gestalteten ORF-Assessment-Center, Fragenkataloge zum Allgemeinwissen standen zum Beispiel in Braille-Schrift zur Verfügung. Begleitstudie Teilnehmend beobachtet wurde das Projekt von drei Publizistik-Studentinnen der Universität Wien. Alia Atassi, Annette Weber und Petra Wiener evaluierten und dokumentierten die Arbeits- und Lernprozesse und widmeten sich in ihrer Begleitstudie unter anderem auch Fragen nach der Integration von Menschen mit Behinderungen in der JournalistInnenausbildung und auf dem journalistischen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig sollten die Ergebnisse ihrer Evaluation in die Optimierung des Lehrganges einfließen. Befragt wurden hierfür Lehrende, TeilnehmerInnen und (potentielle) Arbeitgeber. "Bislang ist der Forschungsstand zum Thema 'behinderte Menschen im Berufsfeld Journalismus' sowohl in Österreich als auch international sehr niedrig", erklärt Ass.-Prof. Dr. Fritz Hausjell vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, der sowohl in die Lehre eingebunden als auch für die Begleitforschung verantwortlich war. Integration und journalistische Qualität Das Projekt I:JL zielt aber nicht nur auf die berufliche Qualifizierung der TeilnehmerInnen ab, sondern auch auf die Schaffung neuer medialer Bilder von Menschen mit Behinderungen - etwa durch Benutzung einer adäquaten Sprache und das Vermeiden von Stereotypen wie "an den Rollstuhl gefesselt" oder durch die Integration von Behinderten in Unterhaltungsformaten. "Von der Inklusion der Betroffenen profitiert auch die Qualität des Journalismus. Es ist dysfunktional, wenn Medien ausschließlich von der Mehrheitsbevölkerung gestaltet werden und die politischen, sozialen und kulturellen Interessenlagen von Minderheiten, seien es nun Menschen mit Beeinträchtigungen oder MigrantInnen, nicht berücksichtigt werden", argumentiert Hausjell. Ein einfaches Beispiel: Gastrokritiker sollten nicht nur selbstverständlich über das Preis-Leistungs-Verhältnis des besuchten Lokals schreiben, sondern auch über dessen Barrierefreiheit. Diese Sensibilität sei freilich nicht allein und sofort dadurch zu erreichen, dass behinderte und nicht-behinderte JournalistInnen zusammenarbeiten, so Hausjell. "Erfahrungswerte müssen auch bei der Journalistenaus- und -weiterbildung kommuniziert werden". Neuauflage noch offen Derzeit werden die Ergebnisse der Begleitstudie ausgewertet. Sie sollen in die Überlegungen zur Weiterführung des Projekts einfließen. Es ist angedacht, die Ausbildung flexibler und kleinteiliger zu gestalten und mehr Interessierte aufzunehmen. Gleichzeitig erschiene es sinnvoll, den relativ engen Ausbildungsfokus ausdehnen. "Der Medienmarkt ist derzeit ein heikler Arbeitsmarkt. Wir haben aber viele Anfragen aus den Bereichen PR und Öffentlichkeitsarbeit bekommen und denken darüber nach, die Ausbildung auf Kommunikationsberufe auszuweiten", so Lehrgangsleiterin Beate Firlinger, freie Journalistin und Lektorin am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Wann ein neuer Lehrgang starten wird, ist aber noch unklar. Der ORF, das Kuratorium für Journalistenausbildung und einige Medienprofis haben bereits ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bekundet. Neuer Arbeitsbereich erschlossen Auch das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft wäre an einer Fortsetzung der Kooperation sehr interessiert. "Das Institut hat von der Zusammenarbeit profitiert. Ein neuer Arbeitsbereich 'Medien & Behinderung' wurde innerhalb der Journalistenausbildung erschlossen", so Hausjell. In der nächsten Zeit erwartet Hausjell einen Zuwachs von Diplomarbeiten zum Thema, vor allem im Bereich Berufsfeldforschung. Durch die Aufnahme der Thematik in das Lehrveranstaltungsangebot wurde ein Bewusstsein für diesen Bereich geschaffen. "Ich werde das Thema aber auch auf internationalen Konferenzen anbieten und hoffe so, von Wien aus Studien an anderen Universitäten anregen zu können." (dan) Nähere Informationen zum Projekt I:JL finden Sie auf der Homepage von Integration:Österreich . www.ipunkt.cc - Das Webmagazin des Integrativen Journalismus-Lehrgang Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft |
