![]() Vizerektor Arthur Mettinger begrüßte die Gäste zur Antrittsvorlesung von Prof. Gerhard Budin. Fotos: Öffentlichkeitsarbeit ![]() Der Leiter des Zentrums für Translationswissenschaft, o. Univ.-Prof. Dr. Dieter Kastovsky, sprach einführende Worte. ![]() Gerhard Budin wurde mit 1. Jänner 2005 zum Professor für Translatorische Terminologiewissenschaft und Übersetzungs- technologie ernannt. ![]() Großes Publikumsinteresse ... ![]() an Internationaler Kommunikation. ![]() Franz Römer, Dekan der Philologisch-Kulturwissen- schaftlichen Fakultät, und der Translationswissen- schafter Gerhard Budin. ![]() Nach der Antritts- vorlesung: Buffet, ... ![]() ... bei dem sich u.a. Vizerektor Mettinger und Zentrumsleiter Kastovsky angeregt unterhielten. ![]() Interessierte konnten sich bei einem Bücherstand mit der neuesten Fachliteratur bekannt machen. Lebenslauf und Forschungstätigkeit von Gerhard Budin Homepage Gerhard Budin Artikel Interuniversitäre ePlattform Media Nova Naturae |
Internationale Kommunikation im 21. Jahrhundert |
| Antrittsvorlesungen |
| Gastbeitrag von Gerhard Budin am 10. März 2005 |
Fachsprachliche Kommunikation setzt Genauigkeit und Eindeutigkeit voraus, und hierzu bedarf es systematischer und koordinierter Terminologiearbeit. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der Antrittsvorlesung "Internationale Kommunikation im 21. Jahrhundert" von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Budin vom 8. März 2005, in der er unter anderem über Austriazismen und die "Glokalisierung" der Kommunikation sprach. |
Wissen Sie, wie viele Verträge nicht zustande gekommen sind, weil "eventually" mit "eventuell" übersetzt wurde? Und wissen Sie, wie viele kostspielige Missverständnisse es gegeben hat, weil in Unterlagen "Schraubverbindung" statt "Schraubenverbindungen" und "bit" statt "byte" verwendet wurde? Simple Fehler in der Wortwahl führen zu Kommunikationsverzerrungen und damit zu mannigfaltigen Problemen bis hin zu finanziellem Schaden. Terminologiearbeit bezweckt, solche Missverständnisse auszuschließen. Austriazismen in der EU Am Beispiel der Sprache des Rechts sehen wir, wie sehr die Rechtsordnung eines Landes ihre Terminologie bestimmt. In der österreichischen Rechtssprache gibt es eine lange Liste von so genannten Austriazismen. So etwa versteht man unter "Rekurs" ein ordentliches, aufsteigendes, grundsätzlich nicht aufschiebendes Rechtsmittel gegen Beschlüsse der Gerichte erster und zweiter Instanz (§§514 ff ZPO). In der Rechtsordnung Deutschlands ist dieser Terminus unbekannt, zudem wird aber zwischen Beschwerde, Einspruch und Berufung begrifflich unterschieden. In der Germanistik wird zunehmend das österreichische Deutsch als Standardvariante des Deutschen anerkannt. Eine österreichische Terminologie-Initiative soll nun gestartet werden, um systematisch die Österreich-spezifischen Fachausdrücke zu sammeln und auch den Übersetzungsdiensten in Brüssel und Luxemburg zur Verfügung zu stellen. Am Zentrum für Translationswissenschaft entsteht zurzeit in Kooperation mit Berufsverbänden wie Universitas (Österreichischer Übersetzer- und Dolmetscherverband), verschiedenen Ministerien und Organisationen eine Terminologie-Plattform mit Glossaren und Datenbanken, um den Zugang zu solchen Informationen im World Wide Web zu erleichtern. Wozu Terminologie? Terminologische Wissensarbeit dient als Schlüssel zur Verbesserung betrieblicher Kommunikation genauso wie zur Organisation des Wissens im Bildungswesen. In meinen Forschungsprojekten im eLearning-Sektor (z.B.: "Logos Gaias" und "Media Novae Naturae" gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien) verbinde ich beispielsweise Vermittlungskonzepte zum interkulturellen Lernen mit den Prozessen der mehrsprachigen Wissensorganisation. Im Rahmen des EU-Projekts WIN (Wide Information Network for Risk Management) wird ein mehrsprachiges Terminologie-Informationssystem "MULTH" entwickelt, in dem Risikoterminologien aus unterschiedlichen Fachgebieten und in verschiedenen Sprachen miteinander verglichen werden. Das Volumen und die Komplexität von Daten- und Informationsströmen nehmen täglich zu. Damit steigt auch die Notwendigkeit einer semantischen Interoperabilität, also die Möglichkeit, Bedeutungsinhalte nicht nur zwischen Sprachen und Kulturen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Datenstrukturen darstellen und damit weiterverarbeiten zu können. Hierzu bedarf es universeller Meta-Normen, an denen ich im Rahmen meiner Ausschuss-Tätigkeit beim österreichischen Normungsinstitut arbeite. "Glokalisierung" der Kommunikation Dass die Globalisierung unsere Lebens- und Arbeitswelt nachhaltig beeinflusst hat und auch weiterhin verändern wird, ist einer der Mega-Trends unseres Jahrhunderts. Hand in Hand damit geht auch die Globalisierung der Kommunikationsprozesse, die freilich nicht allein Produkt der letzten Dekade ist, sondern vielmehr Teil der soziokulturellen Evolution der letzten 5000 Jahre. Internationale Kommunikation beinhaltet neben dem Trend zur Globalisierung auch jenen zur Lokalisierung. Für diese wechselseitige Beziehung, die nur auf den ersten Blick widersprüchlich scheint, ist das treffende Mischwort "Glokalisierung" geprägt worden. Internationale Kommunikation ist immer auch interkulturelle Kommunikation, bei der der Bezugsgegenstand dieser Kommunikationsprozesse, also das Wissen selbst, das täglich (re-)produziert und damit verändert wird, all diesen Trends unterworfen ist. Fachsprachliche Kommunikation setzt Genauigkeit und Eindeutigkeit voraus. Und hierzu bedarf es systematischer und koordinierter Terminologiearbeit. Erst dieses Instrument garantiert, dass Begriffe definiert werden, denen wiederum möglichst transparente Bezeichnungen in jeder Sprache zugeordnet werden. Auf dieser Basis funktioniert interkulturelles Wissensmanagement. Eines der wichtigsten Ziele des Wissensmanagements ist das "knowledge sharing", also das Wissen in sozialen Gruppen zu teilen. Terminologiearbeit findet zunehmend in mehrsprachigen Arbeitsumgebungen statt. Der Vergleich von Fachterminologien ist somit zu einem der diffizilsten und spannendsten Forschungsgebieten in der translatorisch orientierten Terminologiewissenschaft geworden. Zur Optimierung der internationalen Kommunikation hat die Terminologiewissenschaft eine Reihe von Methoden entwickelt, wie etwa Technologiedatenbanken oder (digitale) Wörterbücher als Produkte der Dokumentationsarbeit. Die Antrittsvorlesung "Internationale Kommunikation im 21. Jahrhundert ? terminologische Wissensarbeit und Übersetzungstechnologien" fand am Dienstag, 8. März 2005 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt. |









