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Internationaler Frauentag 2001 (2): "speed kills"... feministische Wissenschafterinnen? |
| Internationaler Frauentag |
| Herta Nöbauer und Sabine Prokop am 8. März 2001 |
Nach einem Jahr schwarz-blauer Koalitionsregierung ist die österreichische Wissenschaftslandschaft mit gravierenden Änderungen konfrontiert. Art und Geschwindigkeit der komplexen Umstrukturierungen gefährden besonders feministische Forschung und Lehre an den Universitäten. |
Zu den folgenden Diskussionsbeiträgen werden neben aktuellen Gesetzesentwürfen auch einige der von Universitäten und Interessenvertretungen verfassten Resolutionen zu den hochschulpolitischen Entwicklungen herangezogen. In diesem Sinne sollen unsere Überlegungen vor allem zur Vorbereitung einer weiteren Diskussion dieser und auch anderer brisanter wissenschaftspolitischer Problemstellungen dienen, zu welcher der Verband feministischer Wissenschafterinnen alle Interessierten einlädt. Das neue Dienstrecht Besonders hohe Wellen der Empörung im universitären Feld schlägt der aktuelle Entwurf zum neuen Dienstrecht . Er sieht ein Gesetz vor, "das von seinen Grundelementen her wegweisend für Kollektivverträge" wirken soll. Diese Verträge würden mit der Ausgliederung der Universitäten im Rahmen der Vollrechtsfähigkeit im Jahre 2002, auf die weiter unten näher eingegangen wird, auszuhandeln sein. Einen wesentlichen Aspekt darin bildet der Anspruch, die "Mobilität zwischen In- und Ausland, Wirtschaft und Wissenschaft" zu fördern und "die Einstiegschancen für junge Wissenschaftler" zu verbessern. Inwieweit dabei die Mobilität zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Bereichen der Human-, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Kunstwissenschaften und darüber hinaus auch für eine größere Anzahl von qualifizierten WissenschafterInnen aus diesen Bereichen möglich ist, sei hier von uns grundsätzlich kritisch in Frage gestellt. Durch die Befristung fast aller zukünftigen Dienstverhältnisse im universitären Bereich auf vier Jahre ohne Verlängerungsmöglichkeit wird es inneruniversitäre wissenschaftliche Karrieren und Engagement im Aufbau spezifischer Forschungsschwerpunkte nur mehr in reduziertem Ausmaß geben können. Die anscheinend parallel zur laufenden Reduzierung der Planstellen beabsichtigte Erhöhung der Anzahl der ProfessorInnen (ebenfalls auf Zeit?) ändert an dieser strukturellen Demotivation nichts. "Mobilität" Feministische Wissenschafterinnen, die bis dato nur marginal in den universitären Wissenschaftsbetrieb integriert sind, werden durch die Entwicklungen des Dienstrechts noch stärker in die "Mobilität" gedrängt. Diese "durchaus bedeutsamen Vorteile einer Situierung am Rand können feministisch Lehrende und Forschende jedoch nur nutzen bzw. für alle nutzbar machen, wenn eine wechselseitige Permeabilität des universitären Feldes erreicht werden kann" - wie die Interessensgemeinschaft Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen in ihrer Studie "Zwischen Autonomie und Ausgrenzung? Zur Bedeutung Externer Lehre und Freier Wissenschaft an österreichischen Universitäten und Hochschulen" deutlich feststellt. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Durchlässigkeit der Institution Universität infolge des neuen Dienstrechts vorerst dahingehend entwickeln wird, bedeutend mehr WissenschafterInnen aller Sparten aus der Universität hinaus auf den sogenannten freien Markt zu drängen, als für freie - oder gar feministische - WissenschafterInnen die institutionellen Türen zu öffnen. Frauenförderung Ob die unter den neuen Bedingungen vakant werdenden universitären Planstellen vermehrt mit Frauen und feministischen Wissenschafterinnen besetzt werden, ist stark zu bezweifeln. Zeigte ein nur zögerlich umgesetzter Frauenförderungsplan schon bisher nur geringe Verbesserungen für Frauen im universitären Feld, so wird dieses nur für den Bereich des Bundes geltende Gesetz im Zuge der Vollrechtsfähigkeit in den Universitäten nicht mehr angewandt werden müssen. Die forcierte Geschwindigkeit der Reformen lässt den Universitäten, die erst kürzlich oder bisher noch nicht ?gekippt' sind, kaum Zeit, trag- und ausbaufähige interne Managementinstrumente oder -strukturen demokratisch zu entwickeln. Damit steigt die Gefahr, die derzeit noch vorhandene Chance, Frauen und insbesondere feministische Inhalte zumindest marginal zu integrieren, zu zerstören. Es steht zu befürchten, dass es ohne explizite und in den Satzungen aller österreichischen Universitäten festgeschriebene Frauenförderung - die sich derzeit ohnedies mit einem Verständnis von Unterrepräsentation begnügt, das mit 40% Frauenanteil begrenzt ist, und keinerlei konkrete Sanktionen bei Außerachtlassung der Gebote vorsieht - sowie mit der Abschaffung der Gremien zu ähnlich frauenfeindlichen Verhältnissen kommen kann, wie sie bereits weitgehend im Fachhochschulbereich zu beobachten sind. Universitäre WissenschafterInnen-Laufbahn? Als "klassischer Einstieg in eine universitäre WissenschafterInnen-Laufbahn" (IG-Externe LektorInnen und Freie WissenschafterInnen) galt bisher die Abhaltung von Lehrveranstaltungen. In Anbetracht der beschlossenen Budgetkürzungen für die externe Lehre und der neuen Tendenzen hinsichtlich der universitären Lehre durch das Studienrecht und die neue Organisation der Universitäten zeichnen sich die Grenzen, die gerade feministisch Lehrenden gesetzt werden, zunehmend deutlicher ab. Zum einen sind Forschung und Lehre eng aneinander gekoppelt. Kürzungen von Forschungsgeldern und Reduzierung von feministischen Forschungsprojekten gefährden unmittelbar die feministische Lehre. Zum anderen wird in einer Zukunft, in der für die Erreichung der Marktfähigkeit der Universitäten ein "Leistungsvertrag" in "einer ergebnisorientierten Form" das Verhältnis zwischen Staat und jeweiliger Universität regeln soll, feministische Lehre einen noch schwierigeren Status einzunehmen haben als bisher. Die im Entwurf zur Vollrechtsfähigkeit explizit betonte Ergebnisorientiertheit wird unter anderem eine entsprechende Evaluierung bedingen, die vermutlich selten ihren Fokus auf Prozessorientiertheit legen wird (können). Es steht zu befürchten, dass die - grundsätzlich zu befürwortende - Evaluierung verstärkt negative Auswirkung auf die Lehrauftragsvergabe an freie feministische Wissenschafterinnen zur Folge haben wird. Denn bereits jetzt sind die Auswirkungen der noch keineswegs flächendeckend durchgeführten Evaluation auf externe Lehrauftragsvergabe und interne Lehrbeauftragung unterschiedlich bewertet. Im Falle dass Lehrveranstaltungen der bediensteten UniversitätslehrerInnen "wiederholt von Studierenden negativ beurteilt werden", sieht die <AHREF="HTTP: www.bmwf.gv.at 3uniwes 03unirecht evalvo evalvo.htm? target="_blank">Evaluierungsverordnung lediglich vor, dass "der Studiendekan verpflichtet [ist], in einem Gespräch mit dem betreffenden Universitätslehrer nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen". Im Vergleich zu den relativ harmlosen Auswirkungen für internes Lehrpersonal sind negative Evaluierungsergebnisse für externe Lehrende ungleich schärfer und ausgrenzender. Doch dieses ist nur einer von vielen Aspekten der unterschiedlichen Politiken hinsichtlich universitärer Lehre in Zeiten der schwarz-blauen Wissenschaftspolitik. Der Verband feministischer Wissenschafterinnen hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Diskussion der angeführten und vieler anderer Aspekte umfassend und fundiert zu führen und lädt alle Interessierten ein, im Rahmen des jour fixe (jeden ersten und dritten Dienstag eines Monats, Infos zu Ort auf VfW-Homepage) daran teilzunehmen. In ganzer Länge erscheint der Artikel im aktuellen STICHWORT -Newsletter Nr. 11/2001 (S. 4-9) und ist auf der VfW-Homepage veröffentlicht. Die Autorinnen: Sabine Prokop ist feministische Medienwissenschafterin und Künstlerin, externe Lektorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst und an der Universität für angewandte Kunst (beide in Wien) bzw. an den Universitäten Innsbruck und Salzburg. Sie ist Obfrau des VfW. Herta Nöbauer ist externe Lektorin am Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und freie Mitarbeiterin im Mentoring-Projekt des Projektzentrums Frauenförderung der Universität Wien. |
