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Internationaler Frauentag 2001(3): Stellungnahme gegen die Einführung von Studiengebühren an Hochschulen |
| Internationaler Frauentag |
| Gabriele Moser am 8. März 2001 |
DieUniversitaet.at dokumentiert anlässlich des Internationalen Frauentags eine Stellungnahme der Vizerektorin für Personalangelegenheiten und Frauenförderung, Gabriele Moser, vom Oktober 2000. |
Als Vizerektorin für Personalangelegenheiten und Frauenförderung lehne ich die Einführung von Studiengebühren entschieden ab. Der freie Hochschulzugang an österreichischen Universitäten muß gewährleistet bleiben, um allen Bürgerinnen und Bürgern einen Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen. Negative Auswirkungen von Studiengebühren für weibliche Studierende 1. Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede von Studierenden Die zunehmende Erwerbstätigkeit zur Finanzierung des Studiums, die aus der Einführung von Studiengebühren resultieren würde, stellt vor allem für weibliche Studierende eine besondere Belastung dar. Denn aus dem Bericht des Wissenschaftsministeriums "Materialien zur sozialen Lage der Studierenden" geht klar hervor, dass männliche Studierende bei gleicher Arbeitszeit mit durchschnittlich öS 6.400,- im Monat ein höheres Einkommen aus laufender Erwerbstätigkeit beziehen als Studentinnen mit rund öS 5.800,-. Hinsichtlich der verschiedenen Beschäftigungsformen zeigen sich folgende geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer beziehen mit öS 15.700,- im Durchschnitt ein höheres Einkommen aus einer Vollzeitbeschäftigung als Frauen (öS 13.900,-). Bei einer Teilzeitbeschäftigung von mehr als 20 Wochenstunden verdienen Frauen etwas mehr als Männer (öS 8.600,- vs. öS 7.600,-), bei geringfügigeren Teilzeitbeschäftigungsformen liegt das durchschnittliche Einkommen der Männer wieder etwas über jenem der Frauen. Bei gelegentlicher Beschäftigung beziehen Frauen nur in der Kategorie mit mehr als 250 Stunden im Semester ein höheres Einkommen als Männer, sonst liegen sie eher unter dem Durchschnitt. Erwerbstätige Studentinnen verfügen also über geringere materielle Ressourcen als ihre männliche Kollegen. Aufgrund dieser geschlechtsspezifischen Einkommensschere zwischen männlichen und weiblichen Studierenden würden Studiengebühren Studentinnen überproportional stärker finanziell belasten als Studenten. Diese Unterschiede sind gerade deshalb so bedeutend, da zur Finanzierung der Studiengebühren die Studierenden verstärkt einer Erwerbstätigkeit nachgehen werden müssen. Auch eine Ausweitung der Stipendien würde diese strukturelle Benachteiligung von weiblichen Studierenden, die auf den geschlechtsspezifisch segregierten Arbeitsmarkt zurückzuführen ist, nicht wesentlich schmälern. 2. Zugang zur Universität Grundsätzlich wird die Einführung von Studiengebühren den Zugang zur Universität für Frauen generell erschweren. Vor allem kinderreiche und einkommensschwache Familie werden sich in Zukunft überlegen, wer von den Kindern in den "Luxus" eines Studiums kommen wird. Aufgrund geschlechtsspezifischer Rollenbilder und der hohen finanziellen Belastung könnten die Söhne wieder vermehrt den Töchtern für eine höhere Ausbildung vorgezogen werden. Junge Frauen könnten zunehmend vom Studieren abgehalten werden, da sich eine solche Investition aus der Sicht der Eltern nicht lohne. So argumentiert etwa auch der Rechtsanwalt Pochieser: "Innerhalb der Familien könnte es - wie in früheren Zeiten - zu Selektionsprozessen kommen. Nicht alle begabten Kinder werden studieren können, sondern vielleicht nur wieder der Erstgeborene. Dabei könnten die Mädchen den Kürzeren ziehen." (der Standard, 22.09.00) Dieser zu befürchtende Ausschließungsprozess von Frauen aus universitärer Bildung ist gerade deshalb ein besonderer Affront, da wir historisch gesehen inzwischen eine relative Gleichheit der Geschlechter im Hinblick auf Studierenden- und AbsolventInnenzahlen erreicht haben und der Anteil der Frauen unter den erstmals zugelassenen Studierenden jenen der Männer historisch erstmalig überholt hat! 3. Studiengebühren und Frauenanteil Sieht man sich die Entwicklung des Frauenanteils unter den österreichischen Studierenden genauer an, so läßt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe des Frauenanteils und der Abschaffung der "Studientaxen" im Jahr 1972 feststellen. Denn die Abschaffung der Studiengebühren per WS 1972/73 bewirkte einen kontinuierlichen Anstieg des Frauenanteils unter den Studierenden. Aus den offiziellen Daten des ÖSTAT geht hervor, dass sich der Frauenanteil in den 5 Jahren vor der Abschaffung der "Studientaxen" um durchschnittlich 1,6 % erhöht hat, in den 5 auf die Abschaffung der "Studientaxen" folgenden Jahren dagegen aber um durchschnittlich 10,5 % gestiegen ist! Die Wiedereinführung von Studiengebühren könnte einen umgekehrten Effekt erzielen. In den letzten Jahren ist der Zugang zur Universität für Frauen systematisch verbessert worden. Die Einführung von Studiengebühren droht diese Fortschritte zu zerstören. Hier bahnt sich ein massiver Rückfall an, den die Universitäten und die Frauenförderung nicht ohne weiteres hinnehmen können. Benachteiligung von Studierenden mit Kindern Die Einführung von Studiengebühren wird Studierende mit Kind(ern) in besonderem Maße belasten. Von den etwa 11,5% Studierenden mit Kindern sind es aber auch hier vor allem die Frauen, die wesentlich stärker von den zusätzlichen Belastungen betroffen sind. Aus dem Bericht des Wissenschaftsministeriums geht hervor, dass studierende Mütter wesentlich mehr Zeit für die Kinderbetreuung aufbringen als studierende Väter (53,9 h vs. 24,3 h). Männer mit Kind erhalten zumeist eine Unterstützung durch andere Personen. Aufgrund der Betreuungspflichten kommt es bei studierenden Frauen mit Kindern sehr häufig zu einer Unterbrechung bzw. Verzögerung des Studiums. Durch die zusätzliche finanzielle Belastung infolge von Studiengebühren und die damit notwendige verstärkte Erwerbstätigkeit würde das Studium für Mütter nur noch weiter in den Hintergrund rücken und sich die Studienzeiten plus Studiengebühren wesentlich erhöhen. Bereits jetzt investieren studierende Mütter durchschnittlich lediglich 19,4 h/Woche in das Studium im Unterschied zu Männern mit 26,3 h und zu Studierenden ohne Kind mit 31,4 h/Woche. Auch hinsichtlich der Erwerbstätigkeit von Studierenden mit Kind(ern) zeigen sich ganz deutlich geschlechtsspezifische Unterschiede: Studierende Frauen mit Kind(ern) verfügen über durchschnittlich 9,3% weniger an monatlichen Einkünften als Männer mit Kind(ern) (öS 14.500,- vs. öS 16.000,-). Aufgrund der hier dargestellten Argumente erscheint eine Einführung von Studiengebühren vor allem vom Standpunkt der Frauenförderung her als nicht sinnvoll. |
