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Internationaler Frauentag 2002 (5): Feministische Zugänge zur Idee der Universität
Internationaler Frauentag
Michaela Hafner, Brigitta Keintzel und Barbara Schiestl am  7. März 2002

Der im Juni 2002 erscheinende Sammelband "Quo vadis Universität?" vereinigt unterschiedliche Zugangsweisen zur Idee der Universität aus der Sicht der feministischen Theorie und Gender Studies.

Perspektiven der Gender Studies auf universitärer Ebene  

Die Sicht der feministischen Theorie und Gender Studies auf die Universität  wird auf zwei Ebenen dargestellt: in Forschung und Lehre und über aktuelle hochschul- und wissenschaftspolitische Entwicklungen. Im Bereich Forschung und Lehre werden erstens konkret unterschiedliche Modelle zur Verankerung der Gender Studies in den neuen Studienplänen aus allen acht Fakultäten vorgestellt, weiters Graduiertenkonferenzen, -kollegs und im Aufbau befindliche curriculare Modelle. Die vielfältigen Methoden und Zugangsweisen der feministischen Theorie und Gender Studies sowie der Cultural Studies machen deutlich, dass die daraus resultierenden inter- und transdisziplinären Synergieeffekte einen veränderten Blick auf angestammte Wissenschaftstraditionen ermöglichen. Zweitens sind inhaltliche Fragestellungen in Forschung und Lehre verwoben mit hochschulpolitischen und institutionellen Fragestellungen. Die österreichische Universitätslandschaft befindet sich derzeit im Umbau (Dienstrecht, Vollrechtsfähigkeit). Das Gelingen eines geschlechtergerechten Reformprozesses hängt davon ab, wie weit Ergebnisse aus den feministischen Wissenschaften in hochschulpolitische und institutionelle Veränderungen Eingang finden. Selbst wenn der Wille zur Chancengleichheit und Frauenförderung vorhanden ist, zeigt sich, dass oftmals das Know-how fehlt, um Ziele, Ideen und Maßnahmen zu entwickeln. Daher schien es uns erforderlich, Best-Practice-Modelle anderer Universitäten vorzustellen - wie z. B. der Universität Dortmund (im Rektorat verankertes Organisationsentwicklungsprojekt "QueR") oder dem holländischen "Manual on Gender Mainstreaming".  

Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Universitätsreform  

Die Beiträge im Abschnitt Hochschul- und Wissenschaftspolitik behandeln die nationale gesetzliche Situation in ihrer europäischen und internationalen Einbettung. Dabei wird die österreichische Ist-Situation in ihren Möglichkeiten und Grenzen aus juristischer Sicht diskutiert. Die gesetzlichen Instrumentarien werden in ihrem jeweiligen Zusammenspiel dargelegt und in Relation zu den anstehenden Universitätsreformen gesetzt. Analysen und Anregungen zu den Gestaltungsvorschlägen und zum neuen Dienstrecht werden ausführlich auch unter dem Blickwinkel der konkreten Auswirkungen auf die Lebenssituation von Wissenschafterinnen und auf die feministische Theorie und Gender Studies behandelt. Beiträge über Projekte, die sich im Zuge von bereits stattgefundenen Umstrukturierungen der Frauenförderung und Förderung von Gender Studies generell widmen, werden geboten. Die Ist-Analysen zeigen klar auf, wie wenig im Sinne einer Gleichbehandlung/Gleichstellung faktisch bisher verwirklicht werden konnte. Vielfach wird vor drohenden weiteren Rückschritten und einer weitergehenden Marginalisierung von Frauen in den Wissenschaften gewarnt. Vor der Umsetzung von Veränderungen, welche die Universitäten im Innen- und Außenverhältnis betreffen, sind deren geschlechtsspezifische Auswirkungen zu überprüfen, zu analysieren und zu berücksichtigen.  

Frauenförderung als Basis feministischer Forschung  

Gerade vor diesem Hintergrund kann auf die enge Verbundenheit und Verflechtung von Frauenförderung und feministischer Forschung hingewiesen werden, mit der notwendigerweise auch ein Spannungsverhältnis einhergeht.  Gender-Mainstreaming-Politik ist nur dann glaubwürdig, wenn sie auf den vorhandenen gesetzlichen Grundlagen zur Gleichstellung, Gleichbehandlung (AK Gleichbehandlung, Frauenförderpläne, Sondermaßnahmen, Frauenförder-Projekte, positive Diskriminierung etc.) aufbaut und diese verbessert. Budgetär bedeutet dies, Sondermittel zu erhalten und aufzuwerten und Gender-Mainstreaming-Strategien und -Maßnahmen unabhängig davon aus dem allgemeinen Budget zu finanzieren.  

Gender Mainstreaming - eine Notwendigkeit  

Die Bereitschaft zu Gender-Mainstreaming-Politik beinhaltet ein klares Bekenntnis zu den nationalen, internationalen und europäischen juristischen Rahmenbedingungen (Gesetze, Verordnungen, Empfehlungen). Weiters sind die Erhaltung von "positive action" und "positive discrimination" Grundvoraussetzungen. Nun haben die genannten Gleichstellungs- und Gleichbehandlungsvarianten in der Realität nicht die erhofften Auswirkungen erzielt. Frauen verdienen noch immer weniger und sind in Führungspositionen kaum zu finden etc. Es wurde auch verabsäumt zu überlegen, warum Frauen in historisch gewachsenen Institutionen nicht so recht Fuß fassen können. Ein Transformationsprozess der gesamten Institution birgt die Option in sich, die ebenso historisch gewachsenen Einseitigkeiten zu beheben und baut auf den oben genannten Voraussetzungen auf. Dies ist der Hauptansatzpunkt von Gender Mainstreaming: eine Veränderung der Institutionskultur, und dies zieht auch inhaltliche Konsequenzen nach sich (Forcierung der Gender-Forschung, -Lehre, -Fort- und -Weiterbildung). Daraus folgt drittens die Bereitschaft zu einer Reorganisation der Universitäten, damit sie den Anforderungen von Frauen und Männern gerecht werden können. Dieser vernetzte Anspruch rückt nicht nur komplexere Fragestellungen ins Blickfeld, sondern kann längerfristig zu einem nachhaltigen Modernisierungsprozess der Universitäten beitragen.

Literatur:  Universität Wien, vertreten durch Vizerektorin Gabriele Moser (Hg.): "Quo vadis Universität? Perspektiven aus der Sicht der feministischen Theorie und Gender Studies". Innsbruck, Wien, München: Studien-Verlag, erscheint voraussichtlich im Juni 2002.  Mit Beiträgen von: Regina Becker-Schmidt, Christine Gaster, Elisabeth Holzleithner/Nikolaus Benke, Eva-Maria Knoll/Andre Gingrich, Ilse van Lamoen, Anneliese Legat, Sieglinde Rosenberger, Petra Selent, Birgit Wagner u. a.  

Die Autorinnen sind Mitarbeiterinnen des Projektzentrums Genderforschung der Universität Wien und maßgeblich an der Gestaltung des Sammelbandes beteiligt.

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