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Internationaler Frauentag 2003 (2): Ein budgetäres Anreizsystem zur Frauenförderung an der Universität Wien
Internationaler Frauentag
Gastbeitrag von Sylwia Bukowska am  7. März 2003

Die Universität Wien hat unter der Leitung von Vizerektorin Gabriele Moser ein neues Instrument zur Frauenförderung eingeführt: das budgetäre Anreizsystem. Im Jänner 2003 wurden drei Fakultäten als Gewinnerinnen belohnt. Frauenförderung, Budget und Wettbewerb - um die Koppelung dieser drei Bereiche geht es im Wiener Modell.

Sperriger Begriff, einfache Idee

Hinter dem etwas umständlich klingenden Begriff eines budgetären Anreizsystems steckt eine denkbar einfache Idee: Es handelt sich um ein formelgestütztes Verfahren der Mittelvergabe, gemessen an objektiven statistischen Daten. Die Budgetmittelzuweisung wird durch Indikatoren gesteuert. Das Ziel dabei ist es, höhere Leistungen zu bewirken, so z.B. bei Lehre, Forschung, Nachwuchsförderung oder auch bei der Gleichstellung von Frauen und Männern. Ein bestimmtes erwünschtes Verhalten wird mit finanziellen Anreizen belohnt. Dieser in verschiedenen Institutionen längst bewährte Ansatz bildet den Hintergrund für das Wiener Modell.

Viele Absolventinnen, wenig Professorinnen

Nun ist es mittlerweile ein bekanntes Faktum, dass an allen österreichischen Universitäten der Frauenanteil mit jeder Hierarchiestufe abnimmt. Die Universität Wien hat unter den AbsolventInnen einen Frauenanteil von über 60 %, der Frauenanteil in der Gruppe der ProfessorInnen dagegen beträgt gerade einmal 10 %. "Das budgetäre Anreizsystem ist eine der zahlreichen Frauenfördermaßnahmen an der Universität Wien, die sich zum Ziel setzen, dieses Ungleichgewicht in der Wissenschaft zu beseitigen", so die Vizerektorin für Personalangelegenheiten und Frauenförderung, Gabriele Moser.   In Kooperation zwischen dem Projektzentrum Frauenförderung und dem Zentrum für Evaluation und Controlling wurde auf Basis der Personalstanddaten der Universität Wien ein Vorschlag für ein Wiener Modell eines frauenfördernden Anreizsystems errechnet. Das Modell wurde mit dem Rektorat und den Dekanen aller beteiligten Fakultäten akkordiert. Während der Erstellung des Modells wurde ausgehend von den bereits seit den 1990er Jahren an vielen deutschen Universitäten bestehenden budgetären Anreizsystemen zur Frauenförderung ein eigenes Konzept für die Wiener Universität ausgearbeitet.

Der Weg zum Gewinn …

Das Modell der Universität Wien ist ein Wettbewerbsmodell zwischen allen Fakultäten mit Ausnahme der Medizinischen Fakultät, da diese Fakultät in den Strukturen des UOG '93 eine Budgethoheit hat und in diesen Wettbewerb somit nicht miteinbezogen werden konnte. An den anderen sieben Fakultäten werden die Frauenanteile an den AbsolventInnen, den DozentInnen und den ProfessorInnen indikatorgestützt gemessen. Der erste der beiden Indikatoren betrachtet den Ist-Stand zu einem gegebenen Zeitpunkt. Der zweite bezieht sich auf die Entwicklung der Frauenanteile in den jeweiligen Gruppen in einem Zeitraum von fünf Jahren. Damit sollen auch jene Fakultäten eine Gewinnchance erhalten, deren Frauenanteile nicht hoch genug sind, um bei dem Ist-Stand mit den anderen Fakultäten konkurrieren zu können. Sollten sie trotz des niedrigen Ist-Stands eine Erhöhung der Frauenanteile in den vergangen Jahren aufweisen können, so steigen dadurch ihre Gewinnchancen beträchtlich.   Der "Frauenfördertopf" enthält Planstellen, es werden jene drei Fakultäten mit diesen Stellen belohnt, die die höchsten Indikatoren aufweisen können. Als "Preis" werden jeweils Äquivalente von zwei Wissenschaftlichen-MitarbeiterInnen-Stellen zugewiesen. Die drei Fakultäten entscheiden in weiterer Folge intern einerseits, ob damit zwei Wissenschaftliche-MitarbeiterInnen-Stellen oder doch eine AssistentInnen-Stelle und andererseits, an welchem Institut diese Stellen konkret geschaffen werden.

… und die Gewinnerinnen des ersten Durchgangs

Und nun das Ergebnis des ersten Durchgangs des frauenfördernden Anreizsystems an der Universität Wien im Jänner 2003: Die drei Fakultäten, die das beste Ergebnis der Indikatorenberechnungen aufweisen, sind die Geistes- und Kulturwissenschaftliche, die Rechtswissenschaftliche Fakultät sowie die Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften.   Zu den Gewinnchancen der Fakultäten noch ein wesentlicher Punkt: Das Wiener Modell ist ein sehr dynamisches - es braucht keine zahlenmäßigen Weltensprünge, um zu den Gewinnerinnen aufsteigen zu können. Dies war eines der großen Ziele, nämlich auch die geringen, aber doch kontinuierlichen Verbesserungen der Frauenanteile an den Fakultäten honorieren zu können, damit gewährleistet wird, dass nicht nur jene Fakultäten durchgehend die Gewinnerplätze in Anspruch nehmen werden, die bereits jetzt hohe Frauenanteile aufweisen. Dadurch bleibt der Anreiz für die anderen Fakultäten gewahrt.

Es war ein schwieriges Unterfangen, an einer Universität wie der Wiener Universität mit sieben Fakultäten von höchst unterschiedlicher Größe, Geschichte und Hintergrund, ein frauenförderndes budgetäres Anreizsystem zu erstellen. Das nun im Jänner 2003 zum ersten Mal an der Universität Wien durchgeführte Modell ist aber ein konsensfähiges System geworden. So wurde an der Universität Wien das Jahr 2003 mit einer weiteren Maßnahme zur Frauenförderung eingeleitet.

Mag.a Sylwia Bukowska ist Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin am Projektzentrum Frauenförderung der Universität Wien. Das Projektzentrum Frauenförderung war an der Ausarbeitung des Wiener Modells von Beginn an beteiligt.

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