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Internationaler Frauentag 2004 (2): Martha Sebök: "Gleiche Chancen bei gleicher Qualifikation" |
| Internationaler Frauentag |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 8. März 2004 |
Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentages bat dieUniversitaet-online.at Vizerektorin Martha Sebök, zuständig für Personalwesen und Frauenförderung, zum Gespräch über Frauenförderung, geplante Projekte und die Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen. |
Redaktion: Sie sind seit fünf Monaten Vizerektorin für Personalwesen und Frauenförderung. Anlässlich des Internationalen Frauentages bitte ich Sie, für den Bereich Frauenförderung Bilanz zu ziehen. Martha Sebök: Verständlicherweise kann man in dieser relativ kurzen Zeit, in welche die noch dazu sehr turbulente Phase der Implementierung des Universitätsgesetzes 2002 an der Universität fällt, keine großen neuen Konzepte umsetzen. Es ist aber doch schon sehr viel geschehen: Neben der Fortführung der erfolgreichen Einrichtungen und Projekte am Referat Frauenförderung und Gleichstellung, der Unterstützung des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen sowie der laufenden Beratungstätigkeit über Frauenförderangelegenheiten wurden die Projektzentren Frauenförderung und Geschlechterforschung im Einvernehmen und auf Wunsch der Mitarbeiterinnen neu organisiert. Nach der Internationalen Mentoring-Konferenz im November 2003 erfolgte die Antragstellung für ein zweites Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschafterinnen an der Universität Wien, weiters wurde zum Beispiel eine Konflikthomepage in Kooperation mit der Personalentwicklung zur Information von Universitätsangehörigen in schwierigen Situationen am Arbeitsplatz erstellt und die kostenlose Kinderbetreuung für Universitätsangehörige, die Angebote der Personalentwicklung oder der Frauenförderung nützen wollen, ausgebaut. Aus meiner Sicht gibt es ein umfangreiches Angebot im Bereich der Frauenförderung an der Universität Wien. Es genügt aber nicht, Frauen zu fördern, sie müssen bei gleicher Qualifikation die gleichen Chancen an der Universität erhalten wie Männer. Dies ist leider auch an unserer Universität noch nicht immer der Fall. Österreichweit ist die Zahl der Frauen in Leitungsfunktionen, in Professuren und unter den Habilitierten vergleichsweise noch immer zu gering. Es ist daher noch sehr viel Überzeugungsarbeit, insbesondere bei den Entscheidungsträgern, zu leisten, die ich bereits mit großem Optimismus begonnen habe. Redaktion: Sie haben vor kurzem zwei Beiräte eingerichtet, einen zum Bereich Gleichstellung, einen zum Bereich Nachwuchsförderung. Welche Strategien sind in beiden Bereichen geplant? Sebök: Beide Arbeitsgruppen haben ihre Arbeit erst vor kurzem aufgenommen und sind nun mit der Sammlung und Erarbeitung von Ideen befasst. Die Arbeitsgruppe Gleichstellung hat das Ziel, neue, erfolgreiche Strategien zur Gleichstellung von Frauen und Männern an der Universität zu entwickeln, die mit der Unterstützung des Rektorats und aller Universitätsangehörigen in Leitungsfunktionen umgesetzt werden sollen. Ziel der Arbeitsgruppe Nachwuchsförderung ist es, ein Gesamtkonzept zur Nachwuchs- und Karriereförderung von jungen WissenschafterInnen der Universität Wien zu entwickeln. Überdies soll ein Curriculum für AssistentInnen in Ausbildung ("Säule 1 neu") geplant und entwickelt werden, das diese jungen WissenschafterInnen auf eine Laufbahn innerhalb sowie außerhalb der Universität vorbereitet. Redaktion: Wie wird sich von Ihrer Seite aus die Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen gestalten? Sebök: Es ist sehr wichtig, dass alle Einrichtungen und Organe der Universität Wien, die mit Frauenförderungs- und Gleichstellungsfragen beauftragt sind, eng zusammenarbeiten und sich noch besser vernetzen. Dies ist einerseits aus Gründen ihrer "Visibility" an der Universität, andererseits aufgrund der ähnlichen Aufgaben im Hinblick auf eine effiziente, erfolgreiche Arbeit für die Frauen an der Universität unumgänglich. So ist z.B. aufgrund der Aufgabe des Arbeitskreises, die Angehörigen und Organe der Universität in Fragen der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Frauenförderung zu beraten und zu unterstützen, eine enge Kooperation mit dem Referat Frauenförderung und Gleichstellung - wie bisher - unbedingt erforderlich. Ich werde den Arbeitskreis, der bei seiner Arbeit weisungsfrei ist, im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützen. Das heißt einerseits darüber zu wachen, dass seine Mitglieder bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten nicht behindert und in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht benachteiligt werden, mich aber andererseits auch um die nötige Ressourcenzuteilung im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten bemühen. Redaktion: Was erwarten Sie sich von der neuen Schiedskommission? Sebök: Das UOG '93 übertrug die Entscheidung über Beschwerden des Arbeitskreises wegen Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts dem BMBWK. Als ehemalige Leiterin der dafür zuständigen Abteilung kenne ich die Probleme, Diskriminierungen in einem aufsichtsbehördlichen Verfahren wirklich nachweisen zu können. In Folge der Vollrechtsfähigkeit der Universitäten wurden die Entscheidungen an die Universität selbst verlagert. Ich halte dies für richtig und systemkonform und erwarte mir von der Schiedskommission eine Beschleunigung der Verfahren. Gegen die Entscheidungen der Schiedskommission gibt es kein ordentliches Rechtsmittel mehr, sondern nur mehr die Beschwerdemöglichkeit bei den Höchstgerichten. Wesentlich erscheint mir aber, dass Beschwerdeverfahren gar nicht erst eingeleitet werden müssen, sondern bei Verdacht von Diskriminierungen die Probleme schon in einem früheren Stadium durch konstruktives Zusammenwirken zwischen dem Arbeitskreis und der Universitätsleitung gelöst werden können. Die Schiedskommission soll die ultima ratio sein. Redaktion: Wie ist der derzeitige Stand bezüglich der Umsetzung des Frauenförderplans? Sebök: Die im derzeit geltenden, gemäß UOG '93 erlassenen Frauenförderungsplan vorgesehene Datenerhebung ist in Ausarbeitung. Aufgrund der durch das UG 2002 erforderlichen Umstellung von mehr als 4500 Personen auf ein neues Personalverwaltungs- und Lohnverrechnungsprogramm mit 1.1.2004 konnte die Erhebung der dafür erforderlichen Daten mit Stichtag 1.10.2003 erst mit etwas Verspätung starten. Die Zustimmung des Arbeitskreises lag dazu vor. Eine ausführliche frauenspezifische Datenbroschüre wird vom Referat Frauenförderung und Gleichstellung vorbereitet und voraussichtlich Ende des Sommersemesters publiziert werden. Für die Ausarbeitung eines neuen Frauenförderungsplans gemäß Universitätsgesetz 2002 ist der neue Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen zuständig. (mh) Vizerektorin Martha Sebök Referat Frauenförderung und Gleichstellung Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen |
