Internationaler Frauentag 2006 (1): Erfolgreiches Mentoring für Wissenschafterinnen |
| Internationaler Frauentag |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 8. März 2006 |
Seit fünf Jahren läuft das Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschafterinnen an der Universität Wien mit großem Erfolg. Ein kürzlich erschienener zweisprachiger Sammelband stellt das Wiener Modell vor und fasst die Erfahrungen einiger teilnehmender Mentees und MentorInnen zusammen. |
Im Herbst 2000 wurde an der Universität Wien das erste Mentoring-Programm an einer österreichischen Universität ins Leben gerufen, das ausschließlich der Förderung von jungen Wissenschafterinnen dient. Mittlerweile läuft das Projekt seit über fünf Jahren mit großem Erfolg. "Das Mentoring-Projekt der Universität Wien ist für andere österreichische und europäische Universitäten zu einem wichtigen Vorbild geworden", sagt Vizerektorin Martha Sebök erfreut.
Sammelband "Mentoring für Wissenschafterinnen"
Nun liegt ein deutsch-englischer Sammelband vor, der von drei Mitarbeiterinnen des Referats Frauenförderung und Gleichstellung herausgegeben wurde. Der Inhalt ist aus den vielfältigen Reflexionen und Erfahrungen im ersten Mentoring-Projekt für Nachwuchswissenschafterinnen der Universität Wien entstanden. Die Autorinnen stellten die grundlegende Frage, ob Mentoring eine wirksame Strategie der universitären Gleichstellungspolitik sein kann. Neben den möglichen positiven Effekten für Einzelpersonen wird auch diskutiert, ob und wie Mentoring-Programme einen Beitrag zum geschlechterkritischen Struktur- und Kulturwandel der Universitäten leisten können.
Weiters enthält das Buch zahlreiche internationale Erfahrungsberichte: Es werden diverse Mentoring-Programme für Wissenschafterinnen in verschiedenen Ländern (Österreich, Deutschland, Schweiz, Großbritannien und USA) vorgestellt. Außerdem stellt das Buch aus der Reihe "Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft" ausführlich die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Pilotprojekts mu:v, so die Bezeichnung des Mentoring-Projekts der Universität Wien, vor (2000 bis 2003). Die Evaluation hat gezeigt, dass die Nachwuchswissenschafterinnen durch die Unterstützung von ihren MentorInnen wichtige Kontakte, strategische Informationen über Publikations- und Arbeitsmöglichkeiten sowie Zugänge zu wissenschaftlichen Netzwerken erhalten haben.
Auch MentorInnen profitieren
Dass von derartigen Mentoring-Programmen nicht nur die teilnehmenden Mentees, sondern auch die MentorInnen profitieren, zeigten die Erfahrungsberichte von Gerlinde Mauerer (ehemalige Mentee) und Rudolf Richter, Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften (derzeitiger Mentor) im Rahmen der Buchpräsentation vergangenen Montag. "Frauenkarrieren sollen erfolgreich in Bewegung gesetzt werden, um die gläsernen Decken in der Wissenschaft zu durchbrechen", zeigt sich Vizerektorin Sebök zuversichtlich.
Das "Wiener Modell" ist als fächerübergreifendes Gruppenmentoring aufgebaut: Kleingruppen mit je vier Mentees kooperierten mit je einer/einem MentorIn. Im ersten Durchgang (2001 bis 2003) nahmen 41 Mentees (Dissertantinnen, Postdoktorandinnen und Habilitandinnen) und zwölf MentorInnen (sieben Professorinnen, fünf Professoren) aus vier Fakultäten teil. Im derzeit laufenden Durchgang (2005 bis 2006) werden 40 Mentees aus acht Fakultäten von zehn ProfessorInnen der Universität Wien betreut. (mh)
Das Projekt wurde vom BMBWK, dem Europäischen Sozialfonds und der Universität Wien finanziert.
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