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Karte Galiziens, 1836. Foto: Wikipedia


Institut für Osteuropäische Geschichteder Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Doktoratskolleg "Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe"    
Junge ForscherInnen untersuchen Mythos Galizien
Forschungsprojekte, Doktoratsprogramme
Simone Kremsberger (Redaktion) am  9. März 2007

Im Sommersemester 2007 startet das FWF-geförderte Doktoratskolleg "Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe". Neun KollegiatInnen aus sechs Ländern widmen sich dem historischen Raum Galizien - und zwar multidisziplinär: Beteiligt sind die Institute für Osteuropäische Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Judaistik, Germanistik und Slawistik.

"Galizien wurde bei der ersten Teilung Polens 1772 als Verwaltungseinheit von der österreichischen Bürokratie erfunden", sagt O. Univ.-Prof. Dr. Andreas Kappeler vom Institut für Osteuropäische Geschichte, Sprecher des Doktoratskollegs. "1918 ist es mit der Monarchie untergegangen." Dennoch ist das Interesse an diesem Raum groß: "Galizien ist zu einer Art Mythos geworden. Es gibt die fast nostalgische Vorstellung eines friedlichen Zusammenlebens von verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen wie Deutschen, Polen, Ukrainern und Juden, eine Rückwendung zu einer scheinbar heilen vornationalen Welt nach den schrecklichen Erfahrungen mit dem Nationalismus im 20. Jahrhundert."

Forschungsgegenstand Galizien

Auch die Wissenschaft hat Galizien als Forschungsgegenstand für sich entdeckt. "Bisher hat sich die Forschung in einzelnen Projekten aber meist auf nur eine nationale Sprache, Literatur oder Geschichte beschränkt", meint Kappeler. In dem neuen, vom FWF geförderten Doktoratskolleg "Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe" will man darüber hinausgehen.

ProfessorInnen von fünf Instituten

Galizien ist bereits seit längerem an mehreren Instituten der Universität Wien ein Forschungsschwerpunkt. Im Doktoratskolleg werden die Kräfte gebündelt: Mit den HistorikerInnen Andreas Kappeler, Ass.-Prof. Mag. Dr. Christoph Augustynowicz und Ao. Univ.-Prof. Dr. Andrea Komlosy, den Germanisten O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler und Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Johann Sonnleitner, den Slawisten Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Moser, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Simonek und Univ.-Prof. Mag. Dr. Alois Woldan und dem Judaisten Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Klaus Davidowicz arbeiten VertreterInnen von fünf Instituten zweier Fakultäten zusammen.

KollegiatInnen aus sechs Ländern

Auch die KollegiatInnen kommen aus unterschiedlichen Disziplinen und Ländern. "Wir haben in Interviews sechs Männer und drei Frauen aus sechs Ländern - Österreich, Deutschland, Polen, Rumänien, der Ukraine und Russland - ausgewählt." Neben diesen neun KollegiatInnen, die ein monatliches Stipendium erhalten, nehmen sieben assoziierte Mitglieder an dem Kolleg teil: Drei MitarbeiterInnen des START-Projekts "Tausend Jahre ukrainische Sprachgeschichte in Galizien" von Michael Moser, zwei MitarbeiterInnen des FWF-Projekts "Imperiale Peripherien: Religion, Krieg und die Szlachta" von Andreas Kappeler sowie zwei weitere DoktorandInnen.

Multidisziplinäres Forschen

Ihre Dissertationsthemen sind breit gestreut: Es werden kulturwissenschaftliche Arbeiten zu den großen Städten Galiziens, Krakau und Lemberg, entstehen; Dissertationen zu Sprachgeschichte und Literatur, etwa zu "Galizien als Kriegsschauplatz in der österreichischen Literatur", wobei der mythologisch verklärte Raum nicht als Idylle, sondern als Ort der Gewalt betrachtet wird; und historische Arbeiten, etwa zur "Polnischen, ukrainischen und jüdischen Frauenbewegung in Galizien".

Internationale Ausrichtung

Auf dem Stundenplan der KollegiatInnen stehen Lehrveranstaltungen zu Methodik und Theorie, zur Region sowie Sprachkurse: Geboten werden Polnisch, Ukrainisch, Jiddisch, Hebräisch und Deutsch. Die neu erworbenen Kenntnisse können in dem verpflichtenden Auslandssemester angewendet werden. Weiters sind regelmäßige Vorträge von WissenschafterInnen aus dem Ausland geplant, und die KollegiatInnen werden zwei internationale Workshops organisieren.

Diskussionsforum für alle

Doch die laut Kappeler "wichtigste Lehrveranstaltung des ganzen Kollegs" ist das DissertantInnenseminar: "Es ist allgemeines Diskussionsforum, an dem alle ProfessorInnen und KollegiatInnen teilnehmen und über die Dissertationsprojekte und andere Fragen sprechen."

Interkulturelle Kompetenz

Ziel des Kollegs sei, so Kappeler, interkulturelle Kompetenz: "Das ist zwar ein Modewort, aber auch etwas, das immer wichtiger wird. Sich mit verschiedenen Kulturen, Ländern und Sprachen auseinanderzusetzen, wird den AbsolventInnen in welchem Job auch immer Vorteile bringen - sei es im Medienbereich, in den Außenbeziehungen verschiedener Institutionen oder in einer wissenschaftlichen Tätigkeit." (sk)


Das Doktoratskolleg "Das österreichische Galizien und sein multikulturelles Erbe" wird vom FWF gefördert. Es ist auf drei Jahre angelegt und kann auf zwölf Jahre verlängert werden. Beteiligt sind die Institute für Osteuropäische Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Judaistik, Germanistik und Slawistik, Sprecher des Kollegs ist O. Univ.-Prof. Dr. Andreas Kappeler vom Institut für Osteuropäische Geschichte.

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