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Jungwissenschafter - "persönlich gefragt" (2)
JungwissenschafterInnen
Dieter N. Unrath (Redaktion) am 14. März 2003

Im zweiten Teil lesen Sie, welche Wünsche die Jungwissenschafter in Bezug auf die österreichische Forschungslandschaft haben. Werden WissenschafterInnen ausreichend gefördert? Soll man ins Ausland "fliehen"? Ebenso setzten sie sich mit der Frage auseinander, wie hoch die Dreifachbelastung Forschung, Lehre und Privates/Freizeit ist. Zum Schluss geben sie einige Tipps für WissenschafterInnen in spe.

DieUniversitaet.at: Welche Wünsche haben Sie, was die Forschungslandschaft in Österreich angeht, speziell in Ihrem Gebiet?
Arndt: Ich wünsche mir, dass die Erkenntnis in die Köpfe der Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit eindringt, dass die Grundlagenforschung von heute nicht nur ein wichtiger Teil unserer Kultur ist, sondern vor allem die Grundlage für alle angewandte Forschung in zwanzig Jahren.
Jursa: Es wäre zu wünschen, dass - trotz anders lautender Lippenbekenntnisse - nicht zunehmend nur mehr vordergründige ökonomische Verwertbarkeit als Maßstab der Förderungswürdigkeit einer Wissenschaft akzeptiert wird. Man sollte den sogenannten 'Orchideenfächern' nicht die naturgemäß vergleichsweise niedrigen Absolventenzahlen vorhalten, sondern ihnen vielmehr Zeit und Mittel geben, ihre hohen qualitativen Standards zu halten. Die derzeitige Entwicklung geht natürlich in die genau entgegengesetzte Richtung.
Drexler: Weniger administrative, bürokratische Hindernisse, objektivere Vergabe von Stellen und Mitteln, weniger Eifersucht und destruktive Konkurrenz.
Ellmeier: Eine Erhöhung der Mittel für die reine Grundlagenforschung wäre wünschenswert, denn sie ist noch immer die Voraussetzung dafür, dass Erkenntnisse gewonnen werden, die dann auch angewendet werden. Ich würde mir auch zumindest eine Annäherung an die an amerikanischen und zum Teil auch an europäischen Universitäten/Forschungsinstituten vorliegende Fakultätsstruktur wünschen (zumindest im Bereich der medizinisch-biologischen Grundlagenforschung). DieUniversitaet.at: Haben Sie schon einmal daran gedacht, ins Ausland zu gehen?
Arndt: Ich bin "Ausländer", na sagen wir zumindest nicht nativer Österreicher. Ich bin in Deutschland geboren, groß geworden, habe dort an drei verschiedenen Instituten (Uni Bonn, Uni München, Max-Planck-Institut München) studiert/gearbeitet, zwei Jahre in Frankreich als Postdoc and der ENS verbracht, und ich bin nach zwei Jahren an der Uni Innsbruck an die Uni Wien gekommen.
Jursa: Zunehmend häufiger in den letzten Jahren.
Drexler: Ich war fast zwei Jahre am MIT in den USA und habe die Zeit dort sehr genossen. Ich glaube aber nicht, dass man nur dort gute Forschung machen kann. Natürlich ist die intellektuelle Dichte sehr hoch und damit eher Garantie gegeben erfolgreich zu sein. Aber auch in Europa und in Österreich kann Spitzenforschung betrieben werden. Dazu bin ich Patriot genug!
Ellmeier: Das erste mal natürlich zu der Zeit, wie ich mich um eine Postdoc-Stelle umgesehen habe (und die ich dann auch für 4 1/2 Jahre in den USA absolviert habe). Und natürlich stellt man sich auch jetzt hin und wieder die Frage, ob man nicht im Ausland bessere Möglichkeiten hätte, seine Ziele umzusetzen, vor allem auf Grund der ungewissen und nicht sehr vielversprechenden Karrierestrukturen an der Universität und auch mit den zum Teil begrenzten Mittel. Obwohl ich natürlich schon auch sagen muss, dass ich durch den mir zugesprochenen START-Preis (mit dem ich mir auch mein eigenes Gehalt selbst finanziere) schon bessere Voraussetzungen habe als viele meiner Kollegen an der Universität. DieUniversitaet.at: Wie schaut Ihr Arbeitsumfang aus? Bleibt genug Zeit für Privates?
Arndt: Typisch sind werktags zehn Stunden an der Uni, zwei Stunden zu Hause, nachdem die Kinder im Bett sind. An zwei Tagen in der Woche versuche ich mir die Zeit in der Uni bis Nachts frei zu halten, weil manche Experimente einfach kontinuierliche Arbeit benötigen. Am Wochenende ist es etwa ein halber oder ganzer Tag, je nach anfallender Arbeit.
Jursa: Wissenschaft ist kein 5-Tage/40-Stunden-Job und daher leidet natürlich auch die Freizeit.
Drexler: Als Vater von drei Kindern ist das eigentlich eine tägliche Gradwanderung. Man braucht auf jeden Fall eine entsprechende Partnerin, die Verständnis dafür aufbringt. Von Zeit zu Zeit geht die Freizeit durch die Forschung drauf. Das stört nicht allzu sehr, weil sich im Laufe der Zeit meine Prioritäten geändert haben.
Ellmeier: Ich arbeite ungefähr 60 bis 70 Stunden die Woche, alles darüber hinaus ist Freizeit und Privates. DieUniversitaet.at: Was würden Sie einem/einer Studierenden raten, der/die später in die Forschung gehen möchte? Welche Fehler soll er/sie vermeiden?
Arndt: Es macht keinen Sinn, lange in Vorlesungen zu sitzen. Wer forschen möchte, soll forschen, also spätestens nach dem achten Semester mit der Diplomarbeit beginnen. Praktika in guten Labors (oder auch bei Theoretikern) kann man spätestens ab dem fünften Semester beginnen. Auslandsaufenthalte sind wichtig für den Weitblick. Ich empfehle sie den Studenten immer, unbedingt aber auch erst nach einem schnell im Inland abgeschlossenen Diplom. Dann kann man - in eine gute Gruppe integriert - sehr viel mehr lernen als aus fremdsprachigen Büchern.
Jursa: Voraussetzungen für eine erfolgreiche akademische Karriere in meinem und vergleichbaren Fächern sind die Bereitschaft, mindestens phasenweise die gesamte Lebensführung den Erfordernissen der Wissenschaft unterzuordnen, Bereitschaft und Wille zu internationaler Mobilität und leider die Bereitschaft zur Inkaufnahme eines nicht unbeträchtlichen ökonomischen Risikos.
Drexler: Es ist heutzutage relativ schwierig in vielen Breichen forschungsmäßig erfolgreich zu sein. Auch wenn einem viel zu vieles interessiert, sollte man sich auf einen sinnvoll gesteckten Forschungsbereich festlegen, in dem man über längere Zeit hinweg versucht, etwas Signifikantes beizutragen.
Ellmeier: Jeder muss seine eigenen Erfahrungen (und auch Fehler) machen, deswegen kann man keine allgemeine Liste von Fehlern erstellen, die man einfach vermeiden muss. Einen positiven Ratschlag möchte ich trotzdem geben: spätestens nach der Dissertation als Postdoc ins Ausland gehen, sich ein Forschungsthema aussuchen, dass einen wirklich interessiert, wenn möglich in das beste (oder zweitbeste) Labor zu gehen, das auf diesem Themengebiet arbeitet, und dann mit viel "drive" seine Forschungsziele verfolgen. Alles andere kommt dann von selbst (oder auch nicht ...). (du) Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels "Jungwissenschafter - persönlich gefragt".

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