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Karriere für junge Wissenschafterinnen |
| JungwissenschafterInnen |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 13. März 2003 |
Um Wissenschafterinnen in den noch immer männerdominierten universitären Strukturen zu unterstützen, wurden in den letzten Jahren an der Universität Wien eine Reihe von Maßnahmen für junge Frauen, die im Wissenschaftsbetrieb Karriere machen wollen, gestartet. |
"Heute wird Wissenschaft zunehmend als Produkt handelnder Subjekte angesehen, wobei sich die Frage erhob: Wer sind denn die Handelnden? Obwohl es durch Jahrhunderte immer wieder gelehrte Frauen und Wissenschafterinnen gab, lautete die Antwort in hohem Maße: Männer, männliche Wissenschafter, Intellektuelle männlichen Geschlechts. Sie festigten eine Tradition, die Frauen nur als Objekt wahrnahm und Frauen als Denkende und Wissen-Schaffende ausschloß." (aus: Brigitte Lichtenberger-Fenz/Doris Ingrisch: "Lust am Denken - Lust am Leben. Wissenschaft(erinnen) im Selbstportrait". Strasshof 2000) Im Jahr 1897 wurden erstmals Frauen als Studentinnen an der Philosophischen Fakultät zugelassen, in diesem Jahr durfte auch erstmals eine Frau, die Medizinerin Gabriele Possanner, die in der Schweiz studiert hatte, an der Universität Wien nach vielen Widerständen promovieren. Zahlen und Fakten In den mehr als 100 Jahren, die seither vergangen sind, hat sich natürlich einiges geändert: An der Universität Wien beginnen mittlerweile mehr Frauen als Männer (an manchen Fakultäten mehr als doppelt so viele) ein Studium. Bei den Vertrags- und UniversitätsassistentInnen sieht die Lage jedoch schon etwas anders aus: während noch 62 % der AbsolventInnen weiblich sind, liegt der Anteil der Wissenschafterinnen in der ersten Karrierestufe nur noch bei 40 %; zudem beginnen Frauen ihre wissenschaftliche Karriere häufiger als Männer als Vertragsassistentin oft ohne Option auf Verlängerung. Unter den Habilitierten liegt der Frauenanteil bei 17,8 %, bei den ProfessorInnen nur noch bei 9,4 % (österreichweit: etwa 6 %). Um die Diskrepanz der Männer "on the top" und der Mehrheit der weiblichen AbsolventInnen zu verringern, hat die Universität Wien in den letzten Jahren auf Initiative von Vizerektorin Gabriele Moser eine Reihe von Maßnahmen gestartet, um junge Frauen bei ihrer wissenschaftlichen Karriere zu fördern und zu unterstützen: Mentoring-Programm Ausgehend von der Tatsache, dass der Einstieg in den Wissenschaftsbetrieb oft aufgrund einer Einladung/Förderung eines Mentors erfolgt, wurde im Herbst 2000 das erste Mentoring-Programm an einer österreichischen Universität ins Leben gerufen, das ausschließlich der Förderung von Nachwuchswissenschafterinnen dienen soll. Ziel dieser effektiven Karrieremaßnahme ist die Verbesserung und Stärkung der Berufszugänge und Berufspositionen von Dissertantinnen, Postdocs und Habilitandinnen durch das Herstellen von Beziehungen zu MentorInnen. Am dreijährigen Programm des Projektzentrums Frauenförderung nehmen vier Fakultäten, 41 Mentees und elf MentorInnen teil. Damit Frauen über die gläserne Decke hinaus kommen. Karriereplanung für Wissenschafterinnen Vor kurzem startete zum zweiten Mal das dreisemestrige Curriculum zur Karriereplanung von Wissenschafterinnen "Potenziale erkennen. Visionen entwickeln. Zukunft gestalten." des Projektzentrums Frauenförderung und des Referats für Personalentwicklung. Die teilnehmenden Frauen lernen in den verschiedenen Seminaren und mit vielfältigen Methoden, unten den gegebenen strukturellen Bedingungen ihre individuelle Laufbahn verstärkt eigenverantwortlich - und erfolgreich - zu planen. Seminare der Personalentwicklung Die Seminare des Referats für Personalentwicklung richten sich - bis auf wenige Ausnahmen - an alle MitarbeiterInnen der Universität Wien. Besucht werden die Kurse, die von EDV über Rhetorik bis zu Didaktik reichen, aber zu zwei Dritteln von Frauen. Einige Seminare richten sich aber speziell an die wissenschaftlichen und allgemeinbediensteten Mitarbeiterinnen der Universität Wien, der Schwerpunkt liegt auf "Powertalking", Coaching und Selbstmanagement. Gender Kolleg Während es in Deutschland an die 300 Graduiertenkollegs - nach Themen organisierte Zentren zur Ausbildung des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses - zur Förderung von DoktorandInnen gibt, sieht die Sache in Österreich nicht so rosig aus. Vom FWF wurden bisher drei naturwissenschaftliche Wissenschaftskollegs bewilligt. Für den Bereich der Kulturwissenschaft/Cultural Studies gibt es seit letztem Jahr eine auf drei Jahre angelegte Reihe von Graduiertenkonferenzen mit wechselnden Themen. Seit dem Wintersemester 2000 können DoktorandInnen und HabilitandInnen aus dem Bereich der Gender Studies die Lehrangebote des Gender Kollegs der Universität Wien nützen. Verschiedene Lehrveranstaltungen, wechselnde Gastprofessuren und anerkannte GenderforscherInnen der Universität Wien wollen die theoretischen Ansätze und inter- und transdisziplinären Methoden in der Geschlechterforschung vertiefen. Förderprogramme des FWF Zur Erhöhung der wissenschaftlichen Karrierechancen von Frauen an den Universitäten bzw. zur Unterstützung von Habilitationen hat der FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) vor einigen Jahren zwei frauenfördernde Programme ins Leben gerufen: das Charlotte-Bühler-Programm und die Herta-Firnberg-Stipendien. Junge Wissenschafterinnen der Universität Wien erweisen sich bei der Vergabe der Stipendien als höchst erfolgreich. (mh) Alle angegebenen Zahlen und Daten stammen aus der Broschüre "Frauen an der Universität Wien" von Gabriele Moser, Karoline Iber, Martin Fieder (2002) |
