Vom 8. bis 11. April findet am Institut für Anglistik und Amerikanistik die internationale Konferenz "Trauma, Memory, and Narrative in the Contemporary South African Novel" statt. LiteraturwissenschafterInnen, PsychologInnen und SchriftstellerInnen aus Europa, den USA und Südafrika beleuchten dabei den südafrikanischen Gegenwartsroman. Der Veranstalter, Ewald Mengel, ist erst kürzlich aus Südafrika zurückgekehrt. Im Gespräch mit die Universität-online erzählt er von der geplanten Konferenz, einer langen Leseliste und seinen Eindrücken kurz vor Beginn der WM. |
Redaktion: Welche Erwartungen haben Sie an die von Ihnen veranstaltete Konferenz "Trauma, Memory, and Narrative in the Contemporary South African Novel"?
Ewald Mengel: Ich erhoffe mir von der Konferenz neue Sichtweisen und Inputs zum Thema generell und spezifisch für unser laufendes FWF-Projekt "Trauma, Erinnerung und Erzählung im zeitgenössischen südafrikanischen Roman". Mir ist es wichtig, südafrikanische Literatur vermehrt in Österreich einzuführen, sie sozusagen auf die österreichische Landkarte zu setzen.
Redaktion: Wie viele südafrikanische Gegenwartsromane haben Sie bereits gelesen? Mengel: In den letzten drei Jahren mehr als hundert. Trotzdem ist meine Leseliste noch immer lang.
Redaktion: Wen erwarten Sie zur Konferenz und welche Inhalte kommen vor?
Mengel: Das Besondere der Südafrika-Konferenz ist die Bandbreite an ExpertInnen, die in Wien zusammenkommen, um zum Thema zu referieren und sich darüber auszutauschen: So sind u.a. Ruth Leys, Psychologin der Johns Hopkins University (USA), die Literaturwissenschafterin Annie Gagiano von der Stellenbosch University (SA), die südafrikanischen Autoren Sindiwe Magona, Susan Mann und Mandla Langa aus Kapstadt, der Literaturwissenschafter Chris Van der Merwe, University of Cape Town, Elleke Boehmer (Oxford) und Yazier Henry von der University of Michigan vor Ort. Mich freut es besonders, dass wir nicht nur WissenschafterInnen, sondern auch viele südafrikanische AutorInnen bewegen konnten, zu unserer Konferenz nach Wien zu kommen.
Thematisch setzen sich die RednerInnen mit der Trauma-Aufarbeitung in zeitgenössischen Romanen auseinander, die oft eine gewalttätige Welt porträtieren und von Vergewaltigung, verschiedenen Formen der Unterdrückung oder der Rolle der Geheimpolizei handeln. Auch die Gewalt in den Townships wird Thema sein wie auch die Rolle von Religion oder postkoloniale Traumata.
Redaktion: Das FWF-Projekt läuft noch weitere eineinhalb Jahre. Welche Teilprojekte möchten Sie in dieser Zeit noch realisieren?
Mengel: Zur Nachlese planen wir einen Konferenzband zur Tagung herauszugeben, dieser soll im Herbst 2010 erscheinen. Weitere Bücher, die im Rahmen des FWF-Projekts erscheinen, sind ein Interviewband zum Thema "Südafrika und Trauma" sowie eine Einführung in den südafrikanischen Roman der Gegenwart. Die Interviews für die Publikation führten wir vor Ort in Südafrika mit bekannten Menschen des öffentlichen Lebens. Darunter sind AutorInnen, PsychologInnen, Mitglieder der 'Truth and Reconciliation Commission' sowie Literatur- und KulturwissenschafterInnnen. Der Erscheinungstermin ist für Sommer 2010 geplant.
Redaktion: Erst kürzlich sind Sie von einer einmonatigen Recherchereise - Ihrer mittlerweile dritten - aus Südafrika zurück gekommen. Welche Eindrücke von der Stimmung wenige Wochen vor Beginn der Fußball WM hatten Sie?
Mengel: Das Land fiebert darauf hin. Es vergeht kein Tag ohne Zeitungsbericht über die Fußball-WM. Überall wird mit Fiebereifer gearbeitet. Das neue Fußballstadium in Kapstadt, das Green-Point-Stadion, ist so gut wie fertig. Kapstadt selbst macht schon jetzt einen blitzblanken Eindruck. Außerdem wurde die Zahl der Ordnungskräfte massiv erhöht. Polizisten und Aushilfspolizisten mit neongrünen und neongelben Leiberln gehören schon jetzt zum Stadtbild.
Redaktion: Wie schätzen Sie die Rolle der WM zur Identitätsbildung für Südafrika ein?
Mengel: Schon die Rugby-WM 1995 und der damalige Sieg Südafrikas hat eine sehr wichtige Rolle gespielt, was die Einigung des Landes angeht. Ich schätze die Rolle des Fußballs ähnlich ein. Fußball ist sehr, sehr populär in Südafrika - vor allem ist Fußball ein "schwarzer Sport" geworden und wird in den großen Städten wie Johannesburg und Kapstadt gespielt. Die Bedeutung, die Fußball hier im Moment hat, ist eine sehr positive. Der Sport besitzt eine einigende Kraft.
Redaktion: Inwieweit ist Sicherheit ein Thema?
Mengel: Es gab seitens der UEFA Bedenken, dass die WM in Südafrika aufgrund mangelnder Sicherheit schiefgehen könnte. Aber im Moment läuft es sehr gut. Und wenn man auch sieht, dass Südafrika alles dafür tut, die Sicherheit der TouristInnen zu gewährleisten, dann denke ich, das wird schon gut über die Bühne gehen. Ich hoffe nicht, dass einzelne Überfälle auf TouristInnen das Bild zerstören.
Natürlich - wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann man auch Pech haben. Es sollte niemand von den touristischen Trampelpfaden abweichen. Ich weiß nicht, was passiert, wenn angetrunkene Fußballfans meinen, dass sie vielleicht doch ein Extra-Abenteuer brauchen und dann ohne einen Führer in eine Township, zum Beispiel nach Khayelitsha, gehen. (td)
Konferenz: "Trauma, Memory, and Narrative in the Contemporary South African Novel" Donnerstag, 8. April bis Sonntag 11. April 2010 Campus der Universität Wien Institut für Anglistik und Amerikanistik Spitalgasse 2-4/ Hof 8.3., 1090 Wien Nähere Informationen |