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Johanna Buß mit Nachrichtenredakteuren des regierungseigenen Radios "Radio Nepal". Fotos: J. Buß


Die Nepalforscherin im Interview mit dem Vizepräsidenten des Berufsverbandes "Federation of Nepalese Journalists", Shiva Gaunle.


Die Blattlinie der privat finanzierten "Kathmandu Post"...


... und des Schwesternblattes "Kantipur" ist regierungskritisch.


Die Linie von "The Rising Nepal" und ...


... "Gorkhapatra" ist durch und durch regierungstreu.


10 Jahre Campus der Universität Wien Institut für Südasien- Tibet- und Buddhismuskundeder Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Institut für Ostasienwissenschaftender Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät    
KulturWissenschaftsPicknick: Abschluss in Asien
Wissenschaft, 10 Jahre Campus
Theresa Dirtl (Redaktion) am  5. August 2008

Ganz im Zeichen Asiens steht am Sonntag, 10. August 2008 das letzte der insgesamt fünf KulturWissenschaftsPicknicks am Campus der Universität Wien. Das Programm spiegelt diesen vielseitigen Sprach- und Kulturraum wieder: So werden Schnupperkurse in Kalligrafie und Chinesisch, Führungen durch das Konfuzius-Institut oder Vorträge zu aktuellen Forschungsprojekten geboten. Die Nepal-Expertin Johanna Buß berichtet über den spannenden Prozess der neuen Nationenbildung Nepals und deren Rezeption in den lokalen Medien.

Nepal ist derzeit die jüngste Republik weltweit: Im Dezember 2007 wurde im Parlament die Abschaffung der Monarchie und der Übergang zu einer "demokratischen Bundesrepublik" beschlossen. Die offizielle Ausrufung der Republik erfolgte am 28. Mai 2008. "Dieser Tag war ein großes Medienereignis. Der König, dessen 'Amt' mit diesem Akt aufgelöst wurde, musste bereits zwei Wochen später seinen Palast verlassen ", erklärt Dr. Johanna Buß vom Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde: "Das ist derzeit ein unglaublich spannender Prozess: In Nepal lässt sich Nationenbildung hautnah beobachten."

In ihrem aktuellen Forschungsprojekt "Der öffentliche Diskurs über nationale Identität und Minderheiten in nepalischen Tageszeitungen" geht Buß der Frage nach, wie der Prozess der Neubesinnung und Neuorientierung in den tagesaktuellen Medien dargestellt wird. Für die Analyse zieht sie sechs verschiedene Tageszeitungen in Englisch und Nepali über den Zeitraum von einem Jahr heran. "Das mit den Abos nach Österreich klappt noch nicht ganz so gut, aber Bekannte in Nepal besorgen die Zeitungen für mich", so Buß über die kleineren Hürden des auf drei Jahre angelegten Projekts: "Da das Thema so aktuell ist, existieren bis dato noch wenige Forschungsarbeiten dazu - ein neues Feld tut sich hier auf."

Regierungstreu und kritisch


Bis zu Beginn der 1990er Jahre war die nepalische Medienlandschaft wenig breit gefächert. Erst mit Beginn der Demokratisierungswelle sind regierungsunabhängige Medien - neben Tageszeitungen auch politische Magazine oder Radiostationen - entstanden. Daher ist es für Johanna Buß spannend zu beobachten, inwieweit sich die Berichterstattung in regierungstreuen Zeitungen von der in kritischen Medien unterscheidet. So werden die privat über Anzeigen finanzierte "Kathmandu Post" und ihr nepalisches Schwesterblatt "Kantipur" wegen ihrer kritischen Berichte und Kommentare immer wieder verbal attackiert. "Diese Zeitungen wurden sogar direkt vom Vorsitzenden der stärksten Partei, den Maoisten, bedroht", so die Nepal-Expertin: "Die Linie der 'Kathmandu Post' ist derzeit eindeutig gegen die Maoisten, denen sie nicht glaubt, dass sie wirklich eine Demokratie wollen."

Im Gegensatz zu "Kathmandu Post" und "Kantipur" ist die Linie von "The Rising Nepal" und "Gorkhapatra" durch und durch regierungstreu, vormals königstreu. "Diese Zeitungen werden von der Regierung finanziert, daher finden sich darin keine regierungskritischen Artikel. In diesen Zeitungen werden Nachrichten fast ausschließlich verlautbart", so Buß.

Zusammenhalt ohne König?


Die Nationen- und Identitätsbildung ist in Nepal zudem interessant zu beobachten, da in diesem Land sehr viele verschiedene Ethnien zusammenleben. "Früher war der König das verbindende Element, da er auch wichtige religiöse Aufgaben übernommen hat, die nun teilweise vom Premierminister übernommen werden", so Buß: "Heute ist auch die Rolle der Medien zusehends wichtig, da sie als überregionale 'Produkte' verbindend wirken." (td)


KulturWissenschaftsPicknick Asien

Sonntag, 10. August 2008 von 10 Uhr bis 15 Uhr
Hof 2 des Campus der Universität Wien (Lageplan)
Programm zum Download (PDF)

Programm:

10.30 Uhr Führung durch den Campus mit den Architekten (Treffpunkt Hörsaalzentrum)
11 Uhr Konfuzius-Institut: Schnupperkurs Kalligraphie
11.30 Uhr Susanne Weigelin-Schwiedrzik: "Medizinische Versorgung für Kasachen in Xinjiang"
12 Uhr Konfuzius-Institut: Schnupperkurs chinesische Malerei
12.30 Uhr Johanna Buß: "Macht, Medien und Maoisten. Demokratisierung und Medien in Nepal"
13 Uhr Konfuzius-Institut: Sprachkurs Chinesisch
13.30 Uhr Richard Trappl: "Sprechen mit einem Fünftel der Weltbevölkerung: Chinesisch in österreichischen Schulen"
14 Uhr Führung durch das Konfuzius-Institut

Weiters: Ausstellung über Forschungsprojekte, Ausstellung über ein Gesundheitsprojekt in Xinjiang in den Räumen des Instituts für Ostasienwissenschaften/Bereich Sinologie, Taiji-Präsentation, Musik und Tanz Jugendabteilung Konfuzius-Institut

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