Nach "Afrika" und "Global English – Global Latin" steht der Romanische Raum am Sonntag, 27. Juli im Fokus des dritten KulturWissenschaftsPicknicks am Campus der Universität Wien. Programmpunkte sind unter anderem Mini-Sprachkurse in Portugiesisch und Spanisch, Vorträge zur Verwandtschaft europäischer Sprachen sowie zu gut getarnten lateinischen und griechischen Wörtern in der deutschen Sprache. Der Historiker Friedrich Edelmayer spricht zur Geschichte einer kleinen Karibikinsel, die als Spiegel der Weltpolitik auf Mikroebene fungiert. |
Am Picknick-Tag des romanischen Raumes stellen WissenschafterInnen der Universität Wien ihre Forschungen zu diesem breiten Gebiet vor. So gibt Univ.-Prof. Dr. Andrea Seidler, Vorständin des Instituts für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, in ihrem Vortrag Einblicke in europäische Sprachen und europäische Literaturen. Wie spannend und auch aktuell Latein und Griechisch sein können, zeigt Dr. Gottfried Eugen Kreuz (Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein) in seiner Vorlesung zu "Tarnen und Täuschen. Lateinisches und Griechisches - gut versteckt in modernen Sprachen".
Santa Catalina: kleine Insel, große Geschichte
Die Geschichte der nur 22 Quadratkilometer großen Insel Santa Catalina/Old Providence in der Karibik ist das Thema des Vortrags von Ao. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Edelmayer vom Institut für Geschichte. "Die Geschichte dieser scheinbar unbedeutenden Insel erscheint als Kondensat einer Weltgeschichte, die ihr Brennglas auf die Insel richtete", so der Historiker. Gemeinsam mit seiner Kollegin Ao. Univ.-Prof. Dr. Margarete Grandner hat Edelmayer den Forschungsschwerpunkt "Insular Studies" ins Leben gerufen, um globale Inselstreitigkeiten historisch aufzurollen: "Heutige Dispute um insulare Gebietsansprüche werden großteils historisch untermauert und legitimiert. Das macht die Sichtung und Interpretation historischer Dokumente auch so spannend."
Um Santa Catalina beispielsweise streiten die Staaten Nicaragua und Kolumbien seit 2001 vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag. Im Dezember 2007 fiel dann die Entscheidung zugunsten Kolumbiens, doch der Streit um das Kontinentalschelf geht nach wie vor weiter. Interessant dabei ist, dass die Insel nur 220 Kilometer von Nicaragua, aber 775 Kilometer von der kolumbianischen Küste entfernt liegt. Kolumbien rechtfertigt seinen heutigen Anspruch historisch: 1803 bestimmte der spanische König, dass Santa Catalina von Santa Fe de Bogotá im heutigen Kolumbien verwaltet werden sollte. "Damit sieht sich Kolumbien heute im Recht", so Edelmayer: "Dieser Disput ist exemplarisch für weltweite Inselstreitigkeiten. Alleine vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag werden etwa 35 Inselprozesse geführt."
Spielball zwischen England und Spanien
Schon seit ihrer Entdeckung Anfang des 17. Jahrhunderts war die damals unbewohnte Karibikinsel Santa Catalina zwischen Spanien und England jahrzehntelang umkämpft: 1630 begannen Puritaner, sich auf der Insel niederzulassen, es folgte eine Rückeroberung durch die Spanier und vice versa. Um 1680 entdeckte ein spanisches Erkundungsschiff, dass die Engländer die Insel verlassen hatten, und so blieben schlussendlich die Spanier auf Santa Catalina.
Heute ist der gesamte Archipel, zu dem auch das Eiland gehört, von rund 80.000 EinwohnerInnen besiedelt, die großteils vom Tourismus leben, da es zur Freihandelszone erklärt wurde. "Hier werden viel Schnaps und Zigaretten umgesetzt. Es ist wohl auch ein Zentrum für sonstige Schmuggelwaren", so Edelmayer.
Ansprüche der USA
"Santa Catalina ist nur ein Fall von vielen. Die gesamte karibische und pazifische Landkarte ist voll von solchen Streitigkeiten", erklärt der Historiker. Gerade die USA erheben Anspruch auf viele der Inseln, den sie wiederum mit einem historischen Gesetz aus dem 19. Jahrhundert begründen. Dieser "Guano-Act" besagt, dass die Vereinigten Staaten Anspruch auf alle unbewohnten Inseln weltweit haben, auf denen Guano (Exkremente von Seevögeln) liegt - bis heute bestehen die USA darauf.
Heute wie damals spiegeln die Streitigkeiten um Inseln die Weltgeschichte wieder: "Im Wesentlichen geht es um Rohstoffe, sowohl auf dem Land, aber besonders um die Ausbeutung der Hoheitsgewässer, die ja innerhalb der 200-Meilen-Zone um die Insel zum wirtschaftlichen Nutzungsgebiet gehören", sagt Edelmayer zu den Hintergründen. (td)
KulturWissenschaftsPicknick Romanischer Raum Sonntag, 27. Juli 2008 von 10 Uhr bis 15 Uhr Hof 2 des Campus der Universität Wien (Lageplan)
Programm: 11.30 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Andrea Seidler: "Das EVSL stellt sich vor: Europäische Sprachen - Europäische Literaturen" 12 Uhr: Sprachenzentrum: Sprachkurs Portugiesisch 12.30 Uhr: Dr. Gottfried Eugen Kreuz: "Tarnen und Täuschen. Lateinisches und Griechisches - gut versteckt in modernen Sprachen" 13 Uhr: Sprachenzentrum: Sprachkurs Spanisch 13.30 Uhr: Ao. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Edelmayer: "Santa Catalina/Old Providence - eine Insel der Karibik zwischen Mikro- und Globalgeschichte" Weiters: Ausstellung über Forschungsprojekte und Kinderprogramm
Kommende KulturWissenschaftsPicknicks: So, 3. August 2008: Slawischer Raum So, 10. August 2008: Asien Das gesamte Programm zum Download (PDF) |