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Joseph Winterhalder d. J.: Ermordung des hl. Wenzel, vor 1770. Moravská galerie Brno. Foto: Michaela Dvoráková


Hyacinthe Rigaud: Philipp Ludwig Wenzel Graf von Sinzendorf, 1728. Kunsthistorisches Museum Wien. Foto: KHM


Johann Lucas Kracker u. Johann Ignaz Hennevogel: Hochaltar und Chorfresken der Prämonstratenserkirche, 1766. Nová Rí?e. Foto: Irena Armutidisová


Johann Bernhard Fischer v. Erlach: Ahnensaal und Schlosskapelle in Vranvov n. D., Modell um 1930. Drosendorf, Stadtgemeinde. Foto: Friedrich Polleroß


Institut für Kunstgeschichte
Stift Geras  
Künstlerreisen im Barock
Sommerserie, Reisen und Wissenschaft
Simone Kremsberger (Redaktion) am  5. August 2004

Im Barock waren Künstler und ihre Werke ebenso mobil wie heute. Eine Zweiländerausstellung, konzipiert von Dr. Friedrich Polleroß vom Institut für Kunstgeschichte, bietet Einblick in ?Reiselust & Kunstgenuss? im 17. und 18. Jahrhundert.

Die kulturhistorische Ausstellung ?Reiselust & Kunstgenuss. Barockes Böhmen, Mähren und Österreich? wird grenzüberschreitend an zwei Orten, den Stiften Geras und Nová Ří?e, gezeigt und tritt den Beweis an, dass Flexibilität und Mobilität keine Erfindungen des globalisierten Zeitalters sind und Osterweiterung schon vor 200 Jahren gelebt wurde. Mobile Auftraggeber und Künstler ?Die Ausstellung hat zwei Schwerpunkte?, schildert Dr. Friedrich Polleroß, Kurator und Lektor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. ?Den gemeinsamen Kulturraum diesseits und jenseits der früheren EU-Grenze und das Thema Mobilität aus historischer Sicht im Hinblick auf Künstler und Auftraggeber im 17. und 18. Jahrhundert.? Im Mittelpunkt stehen die künstlerischen und kunstwirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Erzherzogtum Niederösterreich, dem Königreich Böhmen und der Markgrafschaft Mähren. Mobile Auftraggeber der Region wie der Geraser Abt Johannes Westhaus werden ebenso präsentiert wie ein Dutzend der wichtigsten Barockkünstler Mitteleuropas, die auch in Geras bzw. Nová Ří?e tätig waren. ?Jedem Künstler ist ein Raum gewidmet. Eine Landkarte zeigt seine Reisen und sein Verbreitungsgebiet, dazu sind einzelne Kunstwerke ausgestellt?, beschreibt Polleroß. Die Prunkräume der Stifte fügen sich in das Ausstellungskonzept ein. Zusätzlich bietet man museumspädagogische Einheiten wie eine ?Zeitreise?, die anhand von neubarocken Objekten wie einem BMW aus den 1950er Jahren oder einer Coca-Cola-Flasche vom 21. ins 18. Jahrhundert führt. Ein nachgebautes Künstleratelier ist zu besichtigen, am Computer kann man selbst ein Deckenfresko basteln. Italienische und nicht freiwillige Reisen Die Wanderbewegung von Künstlern und ihren Kunstwerken im Barock hatte verschiedene Gründe, einer davon war die hohe Wertschätzung der italienischen Kunst im 17. Jahrhundert. Auftraggeber, die auf einer Kavalierstour durch Italien die hiesige Kunst kennen und schätzen gelernt hatten, holten italienische Künstler zu sich nach Hause. Gleichzeitig war es für die mitteleuropäischen Künstler wichtig und prestigeträchtig, in Italien zu lernen ? ein Beispiel ist Johann Bernhard Fischer von Erlach, der 16 Jahre in Italien verbracht hat. ?Für Künstler der damaligen Zeit waren Mobilität, Flexibilität und auch Sprachkenntnisse - ansonsten Adeligen und Geistlichen vorbehalten - essenziell?, so Polleroß. Einen Blick wirft die Ausstellung auch auf die ?nicht freiwilligen? Reisen der AsylantInnen und Wirtschaftsflüchtlinge. ?Protestantische Künstler wurden im 17. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation vertrieben. Dazu kamen Wirtschaftsflüchtlinge: Damals gab es überdurchschnittlich viele Baumeister, Maler, Bildhauer und Stuckateure aus dem Alpengebiet, die dort schlechte Arbeitsbedingungen vorfanden und in dichter besiedelte, finanzkräftigere Regionen zogen?, erläutert der Ausstellungskurator. Auch in der heutigen ?Provinz? entstanden Kulturzentren: ?Das Gefälle Stadt ? Landgemeinde war damals nicht so groß wie heute.? Grenzüberschreitende Kooperation Anlass, das Thema der Ausstellung aufzugreifen, war der EU-Beitritt von zehn ost- und südosteuropäischen Ländern am 1. Mai 2004. Und grenzüberschreitend wie die Schauplätze der Ausstellung ist auch ihre Konzeption, die KunsthistorikerInnen aus Österreich, Tschechien, Ungarn und Polen eingebunden hat. ?Wir wollen die Kooperation mit unseren tschechischen KollegInnen nicht nur historisch aufzeigen, sondern auch weiterführen?, meint Polleroß. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mache sich auch am Wiener Institut bemerkbar: ?Wir haben zunehmend mehr Studierende aus Tschechien und der Slowakei, auch Tagespendler aus Bratislava.? Und für 2007/08 ist das nächste gemeinsame Großprojekt geplant: eine Barockausstellung in Tschechien mit Brünner KollegInnen. (sk) Reiselust & Kunstgenuss. Barockes Böhmen, Mähren und Österreich. Zweiländerausstellung in Stift Geras und Nová Ří?e. bis 31. Oktober 2004 Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Band im Imhof Verlag, hg. von Friedrich Polleroß, erschienen.

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