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Kurt Schubert, emer. Professor für Judaistik.


Decke im Bereich der Feststiege. Fotos: Archiv der Universität Wien


Juristentrakt auf der Rathausseite


Institut für Judaistik
Universitätsarchiv
Studieren an der Universität Wien zwischen 1945 und 1955Die Wiedereröffnung der Universität Wien am 2. Mai 1945
Kurt Schubert: "Unser Haus für das neue Österreich!"
1945-55
Eszter Bokor (Redaktion) am  2. Mai 2005

Heute vor 60 Jahren, am 2. Mai 1945, wurde die Universität Wien wieder eröffnet und die erste Lehrveranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg abgehalten. Eine kleine Gruppe von antifaschistischen StudentInnen machte sich mit Unterstützung der russischen Besatzungsmacht an den Wiederaufbau der Universität, unter ihnen der damals 22-jährige Student und spätere Professor für Judaistik, Kurt Schubert. Eine Jubiläumsvorlesung heute Abend erinnert an die erste Vorlesung nach dem Zweiten Weltkrieg.

"Die Universität ist mein Haus! Ich habe im Jänner 1945 wahrscheinlich die Juristenseite vor dem Verbrennen gerettet. Das zoologische Institut, wo sich viele Präparate befanden, brannte lichterloh, und ich habe fünf Stunden lang das Feuer gelöscht", erzählt emer. o. Prof. Dr. Kurt Schubert voller Stolz. Er gehörte einer Gruppe von katholischen Studierenden, der "Katholischen Studentenseelsorge" an, die sich an der Universität gegen die Barbarei des Hitler-Regimes gestellt hatte und in den letzten Kriegsmonaten versuchte, die Universität vor der endgültigen Zerstörung zu retten. Ehe Kurt Schubert am 2. Mai 1945 die erste Vorlesung nach dem Zweiten Weltkrieg abhalten und der Semesterbetrieb Ende Mai aufgenommen werden konnte, mussten Aufräumarbeiten gemacht und eine Universitätsleitung konstituiert werden. Befreiung durch die Rote Armee Die Befreiung Wiens am 10. April 1945 erlebten die katholischen StudentInnen, zu denen auch die spätere Professorin für Zeitgeschichte, Erika Fischer-Weinzierl, und der spätere Rektor der Universität Wien (1983-1985)  und Wissenschaftsminister, Hans Tuppy, gehörten, in ihrem Versteck unweit des Universitätshauptgebäudes. Schuberts Gedanke nach der Befreiung galt der Wiedereröffnung der Universität: "Unser Haus für das neue Österreich! Für mich war nach dem Krieg selbstverständlich, dass ich sofort sagte, 'Ich gehöre hierher'", erklärt Prof. Schubert. Die Rote Armee erreichte die Universität am 12. April und errichtete im Gebäude ein Lazarett. Noch am selben Tag ging Kurt Schubert als Vertreter der antifaschistischen Studenten der Universität Wien zum Stadtkommandanten General Alexej Blagodatow. Dieser zeigte sich vom Engagement der Gruppe beeindruckt und unterstützte ihre Forderungen: Die Rote Armee räumte bereits am 15. April das Universitätsgebäude. Organisatorischer Neubeginn Als Bevollmächtigter der katholischen Studierenden berief Schubert am 15. April eine Professorenkonferenz ein, zu der Lehrende kamen, die während der NS-Zeit von der Lehre ausgeschlossen worden waren bzw. die zwar an der Uni verblieben waren, aber keine NS-Gesinnung hatten. Dieses Gremium beauftragte Kurt Schubert mit der Wiedereröffnung der Universität. Ab 20. April versammelten sich auch die aufbauwilligen Lehrkräfte an der Universität Wien, erinnert sich Prof. Ludwig Adamovich (1890-1955, Vater des gleichnamigen Verfassungsgerichtshofpräsidenten) in seiner Autobiographie: Die Lehrenden kamen "überein, der Universität durch Wahl eines Akademischen Senates auf Grund der altbewährten österreichischen Organisationsvorschreitung eine neue Leitung zu geben", so der Jurist. Adamovich wurde zum Rektor gewählt, nach einer Feierstunde am 1. Mai 1945 trat er das Amt an. Zumindest organisatorisch konnte so der Neubeginn gewährleistet werden. Täglich fünf Stunden Strom Die Zustände an der Universität waren mehr als schwierig: Im Dach des Hauptgebäudes klafften riesige Löcher, alle Fensterscheiben waren zerborsten. In dem durch mehr als 20 Bombentreffer "schwerst beschädigten Hauptgebäude und in seinen Nebengebäuden waren Stiegen und Gänge mit Bergen von Schutt bedeckt, nur wenige, primitiv zugerichtete Hörsäle standen zur Verfügung", beschreibt Ludwig Adamovich. Die zerbombten Gebäude mussten auch vor Plünderungen geschützt werden, so dass eine studentische Hilfspolizei eingerichtete wurde. Das russische Stadtkommando half auf allen Ebenen, unter anderem genehmigte es täglich fünf Stunden lang Stromversorgung für das Unigebäude und zusätzliche Lebensmittelmarken für Studierende. Aufräumdienst und Inskription Die Inskriptionsfrist begann am 2. Mai 1945, Semesterbeginn war der 28. Mai. Schubert, damals frischgebackener Doktor, der zwei Wochen vor dem Einmarsch der Roten Armee promoviert wurde, hielt bereits am 2. Mai seine erste Lehrveranstaltung ? die allererste überhaupt nach dem Krieg. Voraussetzung für die Inskription war ein zehnstündiger Aufräumdienst, den jede/r StudentIn leisten musste. Jugendliche mit NS-Vergangenheit mussten 30 Stunden Arbeitsdienst leisten, um überhaupt für die Inskription in Betracht gezogen zu werden. Der tiefgläubige Katholik Schubert, der sich aus Solidarität mit den Hauptverfolgten des NS-Regimes dem Alten Testament und der jüdischen Kultur zuwandte, verpflichtete Studierende mit nationalsozialistischer Vergangenheit, eine antinazistische Vorlesung bei ihm zu absolvieren. Als Ludwig Adamovich nach fünf Semestern das Rektorat am 27. September 1947 an seinen Nachfolger übergab, waren zwar die ärgsten baulichen Schäden behoben. Die "personelle Seite des Wiederaufbaus" allerdings war jahrzehntelang noch nicht beendet. (eb) Emer. o. Prof. Dr. Kurt Schubert hielt am 2. Mai 1945 die erste Lehrveranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er gründete 1959 die Lehrkanzel für Judaistik am Institut für Orientalistik und wurde ab 1966 Vorstand des neu gegründeten Instituts für Judaistik. Auch nach seiner Emeritierung 1993 lehrt er bis heute Judaistik an der Universität Wien. Er war zudem Direktor der Wiener Internationalen Hochschulkurse, ist Ehrenmitglied der philologisch-historischen sowie korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Ehrensenator der Universität Wien. Jubiläumsvorlesung von Kurt Schubert:
"Zionismus und jüdische Identität"
Montag, 2. Mai 2005, 18 Uhr
Kleiner Festsaal der Universität Wien  

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