![]() Badeaufenthalte und Erholung sind die Hauptmotive für Urlaubsreisen. Quelle: Bässler/Statistik Austria Roland Bässler (PDF) Institut für Sportwissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport |
Kurztrips und Gesundheitsreisen im Trend |
| Freizeit ? Urlaub ? Reisen |
| Simone Kremsberger (Redaktion) am 28. Juli 2005 |
Sommerzeit ist Urlaubszeit. Der Sportsoziologe Roland Bässler erläutert, was die ÖsterreicherInnen in ihrer Freizeit machen, bestätigt den Trend zum Kurztrip und verrät, wie man aus dem nach wie vor beliebten Strandurlaub einen Gesundheitsurlaub machen kann. |
Das Programm kann noch so schlecht sein: Am Abend und am Wochenende sitzen die ÖsterreicherInnen am liebsten auf der Couch und vor dem Flimmerkasten. Dabei ist Freizeit kostbar ? und gerade im Zeitalter von Heimarbeit und neuer Selbständigkeit, wo Arbeits- und Freizeit gern verschwimmen, rar: "Freizeit ist die frei disponible Zeit außerhalb von Tätigkeiten beruflicher und häuslicher Natur und familiären und partnerschaftlichen Verpflichtungen, die einem Individuum zur Verfügung steht, um eigenen Interessen und Bedürfnissen nachzugehen", definiert Univ.-Doz. Mag. Dr. Roland Bässler vom Institut für Sportwissenschaft. Sport als "wichtige Nebensache" Nach der Studie "Freizeit und Sport in Österreich", die Bässler 2003 im Zusammenarbeit mit Fessel-Gfk durchgeführt hat, sehen 79 Prozent der ÖsterreicherInnen regelmäßig fern. Danach rangiert das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften, Zeit mit Freunden und Bekannten ist ebenfalls obenan. Sport ist immerhin für jeden zweiten von Bedeutung und laut Bässler "eine wichtige Nebensache". 75 bis 80 Prozent der ÖsterreicherInnen sind gelegentlich sportlich aktiv; regelmäßigen Sport mit gesundheitlicher Wirkung betreiben weniger als 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung. "Die beliebtesten Sportarten sind Radfahren, Schwimmen, Wandern und Skifahren", zählt Bässler auf. Diese Sportarten betreiben 50 Prozent der UrlauberInnen, meist jedoch nur mit sehr geringer Belastungsintensität. Trend zum Kurzurlaub Dabei muss es nicht immer der klassische ein- bis zweiwöchige Haupturlaub sein. Bässler: "Im letzten Jahrzehnt haben Kurzurlaube zugenommen. Der Städtetourismus boomt, und auch so genannte 'Wellnessurlaube' von zwei, drei Tagen Dauer nehmen zu." Der Trend zu kürzeren und häufigeren Reisen hat mehrere Gründe, analysiert der Sportsoziologe: "Hedonismus und Individualismus führen zu Genuss- und Erlebnissuche in der Freizeit und auch im Urlaub. Um vieles zu erleben, unternimmt man daher viele kürzere Urlaube." Der Kurzurlaub sei auch im Sinne moderner Partnerschaften, diagnostiziert Bässler: "Langzeiturlaube verursachen Beziehungsprobleme. Viele Partnerschaften gehen auseinander, weil man sich nach ein, zwei Wochen nichts mehr zu sagen hat. Einen Urlaub von kürzerer Dauer kann man jedoch noch zusammen genießen." Erholung braucht Zeit Doch die Kürze hat nicht nur Vorteile, betont Roland Bässler: "Gerade bei Wellness-Reisen ist eine nachhaltige Erholung nach drei Tagen nicht gewährleistet. Um gesundheitliche Effekte zu erzielen, ist mehr Zeit nötig. Vielleicht bietet diese Gelegenheit aber einen Anreiz, einmal mehr Zeit für einen solchen Urlaub aufzuwenden und sensibilisiert dafür, was dem Körper gut tut." Strandurlaub im Ausland Bei den Reisezielen ist der klassische Strandurlaub nach wie vor am beliebtesten. Mehr als ein Fünftel der ÖsterreicherInnen peilen bei Reisen mit vier oder mehr Nächtigungen einen Badeurlaub im Ausland an ? und das nicht nur im Sommer: "Im Winter sind Strandurlaube oft günstiger als eine Woche Skiurlaub in Österreich", weiß Bässler. 24,9 Prozent der ÖsterreicherInnen verbringen ihren Urlaub im Inland, 49 Prozent fahren laut den Ergebnissen einer Statistik-Austria-Erhebung ins Ausland. Gesundheitstipps vom Experten Doch selbst ein Strandurlaub muss nicht Faulenzen sein. Bässler beobachtet, dass sich die ÖsterreicherInnen ihrer Eigenverantwortung, den Körper leistungsfähig und gesund zu halten, immer mehr bewusst werden. In der Freizeit widmet man sich vermehrt der Gesundheit ? auch im Urlaub. Wie kann man nun aus der Reise ans Meer einen Gesundheitsurlaub machen? "Ich empfehle am Morgen eine Sportaktivität, zum Beispiel laufen gehen, danach das Frühstück genießen. Generell rate ich zu bewusster Ernährung, also nicht zu viel und leichte Kost, viel Flüssigkeit (kein Alkohol!) und schmackhaftes Obst. Wichtig für die Gesundheit ist Erholung durch Ausruhen und Schlafen und Zeiten fürs Nichtstun. Am späten Nachmittag würde ich wieder Bewegung machen, etwa zügiges Schwimmen im Meer, einen flotten Strandspaziergang oder eine Sportart wie Beachvolleyball, wo es um Spaß und Geselligkeit, nicht um Wettbewerb gehen soll. Auch aktive Entspannung, zum Beispiel Yoga, oder Meditation sind geeignet. Ideal wäre es, die letzte Mahlzeit um 18 Uhr einzunehmen", meint der Experte und ergänzt: "Ansonsten: Ausspannen, sich verwöhnen lassen, Handy ausschalten und Laptop zuhause lassen ? und nicht nach dem Internetanschluss fragen!" (sk) Literatur: Roland Bässler: Freizeit und Sport in Österreich. Wien 2003 Roland Bässler: Gesundheitstourismus in Österreich. Band 1: Die Angebotsstruktur. Band 2: Die Nachfragestruktur. Wien 2005 |

