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Labyrinth des Wissens
Orte der Universität Wien
Simone Kremsberger (Redaktion) am 14. August 2003

BenutzerInnen der Universitätsbibliothek kennen vor allem die Entlehnstelle und die Lesesäle. Doch das gesammelte Wissen der Universität befindet sich in den Magazinen, deren verwinkelte Gänge für Neuankömmlinge schier unüberschaubar sind.

Die Magazine der Universitätsbibliothek (UB) Wien sind einen Rundgang wert. Reihen von Regalen voller Bücher - von Lehrwerken über die gesammelten Ausgaben der "Wiener Zeitung" bis hin zu Comics. 2.489.642 Bücher und 2923 Zeitschriften beherbergt die Hauptbibliothek - und der Bestand wächst.

Rundgang durch die Magazine

Südturm 11 - hier sind über 30.000 Dissertationen versammelt. Nummer eins stammt aus 1924 und ist eine Arbeit "Über die Art des Reisens am Ausgang des Mittelalters".

Natürlich sind auch Dissertationen vor diesem Stichjahr vorhanden, teilweise in Kurrentschrift, doch sind diese nicht nach numerus currens, sondern nach dem Doktorvater aufgestellt. In diesem Turm herrscht Betriebsamkeit: Derzeit werden Zeitschriften-Bestände vom Kompaktmagazin im Keller herüberverfrachtet.

"Das Kompaktmagazin ist zwar gut, da es viel Platz spart, doch ist es im Handling durch das Kurbeln sehr mühselig. Das ist weder für den Mitarbeiter besonders toll noch für die Bücher: Sie rutschen durch die Kurbelbewegung pausenlos hin und her, und der Zustand mancher Bücher leidet", so Ingrid Ramirer von der UB.

Im Nordturm drang bei einem Gewitter im Mai dieses Jahres, als sich das Dach in Reparatur befand, Wasser ein und beschädigte Bücher in mehreren Stockwerken - dieUniversitaet.at berichtete. "Wir haben heftig gewischt und wacker geräumt", erinnert sich Ingrid Ramirer.

Die Original-Holzregale.

Die Modelle aus den 20er Jahren

Gitterrost-Böden weisen ins untere Stockwerk. (Fotos: sk)

Heute sind die Regale wieder voll, doch 1.000 Exemplare, die zur Restaurierung gefriergetrocknet wurden, "leisten bei Iglo noch den Kohlsprossen Gesellschaft", so Ramirer. Die Tour führt weiter in ein Parterremagazin unter dem Großen Lesesaal. Holzregale, die aus der Anfangszeit der UB stammen, stehen neben Modellen aus den 1920er Jahren und neueren Metallregalen - hier treffen Alt und Neu aufeinander.

Von der publica libraria zur UB

Denn die Geschichte der UB weist ins Jahr 1365 zurück. Damals wurde die "publica libraria" durch Rudolf IV. als älteste Universitätsbibliothek im deutschen Sprachraum gegründet. Nachdem der Buchbestand im 15. Jahrhundert stark gewachsen war, sank die Bedeutung der Universität und damit auch der Bibliothek im Zuge von Türkenbedrohung und Pestepidemien. Schließlich übernahm die Klosterbibliothek der Jesuiten die Aufgaben der UB. Unter Maria Theresia wurde die Universitätsbibliothek am 13. Mai 1777 feierlich neu eröffnet und war, eingerichtet im ehemaligen Jesuitenkolleg, erstmals allgemein zugänglich. Die UB unterstand dem Staat - bis zum 1. Jänner 2000, als sie dem Rektor der Universität unterstellt wurde.

 

1884 zog die UB in den Neubau am Ring ein, wo sich bald Platzmangel bemerkbar machte - ein nie endendes und auch heute aktuelles Problem in der ständig wachsenden Bibliothek. Bis zum Ersten Weltkrieg erlebte die UB als größte Büchersammlung der Monarchie eine Blütezeit, die mit Kriegswirren, Personalknappheit und Wirtschaftskrise zu Ende ging.

Ein alter Beamtenkatalog.

 

Im Zweiten Weltkrieg lagerte man die Bestände in Bergungsorte in Niederösterreich aus, wobei viele Bücher verloren gingen.

Fortschritte und Platznöte

 

Nach der Übersiedlung von Instituten in das Neue Institutsgebäude (NIG) in den 1960er Jahren kamen ein Foyer, eine Entlehnabteilung, ein Kleiner Lesesaal, die Zeitschriftenabteilung sowie Räume für die Buchbearbeitung hinzu. Einen Einschnitt brachte das Universitätsorganisationsgesetz (UOG) im Jahr 1975, das alle Büchersammlungen an der Universität der UB unterstellte.

Zurückgegebene Bücher kommen in den Aufteilbereich

 

Der Gesamtbestand, aufgeteilt auf Fakultäts- und Institutsbibliotheken, belief sich auf 4 Mio. Bände. Seit dem Wintersemester 1986 kann die Entlehnverbuchung, seit 1989 die Katalogisierung automationsunterstützt durchgeführt werden.

In der Druckerkammer kommen die Bestellungen rein.


 

Im Jahr 1998 kam es wieder zu Platznöten: Ein vorübergehendes Ausweichquartier für rund 300.000 Bücher sollten die Räumlichkeiten der ehemaligen Niederösterreichischen Landesbibliothek in der Teinfaltstraße 8 bieten - laut Ingrid Ramirer von der UB "ein österreichisches Provisorium, wie sich herausstellte - wir werden es noch länger haben".

Neuzugänge warten auf die Etikettierung.

 


Die Außenstelle wurde im Mai 1999 eröffnet, kurz darauf nahm die Lehrbuchsammlung im Hauptgebäude ihren Betrieb auf.

Der Weg des Buches

Rund 120 MitarbeiterInnen sind in der Hauptbibliothek beschäftigt. Bevor ein Buch entlehnt werden kann, durchläuft es mehrere Stationen. Elisabeth Sestits schildert den Weg des Buches: "Die Neuzugänge setzen sich aus Bestellungen, Pflichtablieferungen von Neuerscheinungen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland und Tausch- und Geschenkexemplaren zusammen. Nach der Erwerbung wird das Buch katalogisiert. Die Fachreferenten führen die sachliche Erschließung durch - hier werden die Schlagwortketten festgelegt. Danach kommt das Exemplar zur Einbandstelle beziehungsweise Buchbinderstelle. Der Band wird beschildert, die Daten nochmals überprüft." Dieser Weg dauert im Durchschnitt 30 Tage, bis das Buch ins Magazin kommt und den cirka 130.000 registrierten BenutzerInnen zur Verfügung steht. (sk)

Universitätsbibliothek Wien

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