LANCELOT - LANguage Learning by CErtified Live Online Trainers - ist ein auf Videokonferenzen basierendes Live-Online-Sprachtraining in virtuellen Klassenzimmern. Der Unterricht wird dabei mittels eines Videokonferenzsystems face-to-face mit der Trainerin/dem Trainer durchgeführt, was in jedem Browser ohne spezielle Hardware oder Software möglich ist. Die definierte Zielgruppe für LANCELOT sind Live-Online-SprachtrainerInnen und ihre AusbildnerInnen - damit richtet sich das Angebot in erster Linie an Sprachschulen. Diese sollen durch das in LANCELOT spezifizierte Berufsbild des Live-Online-Sprachtrainers/ der Live-Online-SprachtrainerIn die Befähigung zum Sprachtraining über das Internet erhalten.
Weltweite Premiere
Der Leiter des Projekts am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Christian Swertz, bezeichnet LANCELOT als ein "weltweit einmaliges E-Learning-Konzept, das so noch niemals eingesetzt wurde". Einerseits waren die technischen Voraussetzungen nicht gegeben, andererseits waren aber auch die Angebote nicht bekannt genug oder unausgereift.
Entwickelt wird LANCELOT in Kooperation mit der Universität Manchester (Sprachdidaktik), der Pädagogischen Universität Dänemark, der Universität Ankara (interkulturelle Fragen) sowie einer belgischen Sprachschule und einer Sprachschule in München, die bereits ein ähnliches System einsetzt; 15 weitere Partner sind ebenfalls an LANCELOT beteiligt.
Spezifikationen für neues Berufsbild
Im Rahmen des Projekts werden erstens Anforderungen an professionelle Live-Online-SprachtrainerInnen spezifiziert, zweitens Handbücher sowie Online-Kurse für die Ausbildung zum/r Live-Online-Sprachtrainer/In herausgegeben und drittens ein Zertifikat zum Live-Online-Sprachtrainer entwickelt. Durch eine Zertifizierungsstelle als Nachweis soll auch ein einheitlicher didaktischer Standard sowie eine hohe Qualität garantiert werden. Die Vorteile sollen vor allem im ortsunabhängigen Unterricht mit so genannten "native speakern" und in der damit verbundenen Kosteneinsparung liegen. Zusätzlich möchte man die bisher wenig vorhandene technische und didaktische Kompetenz für einen qualifizierten Unterricht mit dem neuen Medium anheben.
Die Kurse sind derzeit vor allem als ein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot gedacht. Dies geschieht mit Hilfe von CD-ROMs, Online-Kursen und Handbüchern. Nach der Entwicklung der Schulungsunterlagen soll das Projekt bei ausgewählten Sprachschulen zum Einsatz kommen, wobei sich auch Partner wie das WIFI, das BFI und die Volkshochschulen an den Tests beteiligen werden. Geplant ist weiters eine Service-Stelle für das Anbieten der Infrastruktur (Server, Bandbreiten) samt der kompletten Abrechnung sowie eine SprachtrainerInnenbörse.
Allerdings kann sich Christian Swertz auch einen Einsatz im Rahmen von Nachhilfekursen im Schulbereich und in der unternehmensinternen Fortbildung vorstellen. So hat etwa das Deutsche Bundesministerium für Äußeres bereits Interesse an dem System bekundet. Dadurch könnten Mitarbeiter weltweit per Videokonferenz mit dem gleichen Sprachtrainer weiterarbeiten.
Für unterschiedliche Plattformen konzipiert
Ein entscheidendes Kriterium, das für den Einsatz spricht, ist das offene Konzept des Projekts. Die Umsetzung ist derzeit nicht auf eine bestimmte technische Plattform festgelegt. LANCELOT ist auf unterschiedlichen Videokonferenzsystemen einsetzbar. Allerdings ist das Programm derzeit nur in der Windows-/Internet Explorer-Umgebung lauffähig. Gleichzeitig soll das System die Vorzüge des Internet nutzen. So ist es gleichgültig, wo der Server steht, über den die Videokonferenz läuft. Verbunden damit soll es den Sprachschulen und anderen Partnern auch möglich sein, das Konzept unabhängig voneinander weiterzuentwickeln.
Laut Prof. Swertz ist ein derartiges System erst in den letzten zwei Jahren durch verbesserte Software, größere Internet-Bandbreiten und das nun auch verbreitete Telefonieren über das Web möglich geworden. Dabei kann bereits ein einfacher ISDN-Anschluss für die Teilnahme am Online-Sprachtraining genutzt werden. Zusätzlich benötigt man noch eine Audiokarte und ein Headset. Die Kosten dürften nach einer gewissen Einführungsphase auch für den Normalverbraucher erschwinglich sein. (chb) |