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Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde
Liebe und Religion (2): Lieben, wie es Gott gefällt
Liebe
Daniela Schuster (Redaktion) am 30. Mai 2005

Die romantische Liebe ? aus heutiger, westlicher Sicht Ideal und Basis einer Ehe. Doch wie stehen die Weltreligionen Buddhismus und Hinduismus dazu?

Begehren, Sehnsucht und Leidenschaft ? was seit Friedrich Schlegel zum abendländischen Ideal und zur Grundlage der Ehe avancierte, gilt im Buddhismus als Fessel. "Das höchste Ziel ist, dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt und damit des Leidens zu entkommen und das Nirwana zu erreichen. Dies gelingt jedoch nur, wenn man all das, woran man haftet, loslässt. Und Begierde ? ob für Objekte, Menschen oder die Existenz selbst ? ist eines der größten Hindernisse auf diesem Weg", erläutert Univ.-Ass. Dr. Anne MacDonald, Buddhismusexpertin am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde. Buddhismus: Liebe für alle Lebewesen im Universum Die Liebe, von der Buddha spricht, ist etwas Allumfassendes. "Es geht um Mitleid und -gefühl für alle Lebewesen im Universum, es soll nicht auf einzelne Personen oder Gruppen reduziert sein", so die Wissenschafterin. "Für sehr strenge Buddhisten gibt es daher nur einen Weg: das Mönchstum und das zugehörige Zölibat. Eine Familie versorgen zu müssen, bedeutet, sich auf weltliche Verpflichtungen einzulassen ? dies lässt wenig Zeit für die Ausübung spiritueller Praktiken oder die Meditation." Ehegründe: Geld und Liebe Im Schrifttum findet man nur wenig direkte Restriktiven für das Zusammenleben zwischen Mann und Frau. "Buddha gibt lediglich den generellen Rat, den Partner zu respektieren und geduldig mit ihm zu sein", sagt MacDonald. Ehe wird im Buddhismus nicht als etwas Heiliges angesehen, sie ist ein weltlicher Vertrag. "Die meisten Ehen im alten Indien waren arrangiert. Einige waren ökonomisch motiviert, die Familien versprachen sich Vorteile aus der Vermählung. Die Wünsche der Vermählten wurden jedoch auch oft berücksichtigt und diese Ehen basierten dann tatsächlich auf Liebe." Ehemodelle: Monogamie, Polygamie, Polyandrie Wie das Eheleben aussieht, ist abhängig von der Kultur, in der der Buddhismus gelebt wird: "Monogamie ist das bevorzugte, dominierende Ehemodell. Der Buddhismus toleriert jedoch auch Polyandrie ? im frühen Tibet hatten Frauen auch mehrere Männer ? und Polygamie ? im alten Indien lebten einige Könige mit einem Harem", erklärt die Buddhismusforscherin. Sexualität ist zwar der Zeugung des Nachwuchses vorbehalten, doch Empfängnisverhütung nicht verboten. "Da jedoch buddhistische Texte lehren, dass eine Wiedergeburt als Mensch sehr kostbar und selten ist und Empfängnisverhütung eine solche Wiedergeburt 'blockiert', halten einige Buddhisten daran fest, dass nicht verhütet werden sollte." Liebe und Hinduismus Im Hinduismus gibt es viele Strömungen, damit verbunden sind zum Teil sehr konträre Vorstellungen dessen, was Liebe ist. Im Tantrismus wird sie etwa auf sexuelle Praktiken reduziert, in der Bhakti-Bewegung dagegen spielt lediglich die liebende Annäherung an Gott eine Rolle, die Erlösung von weltlichen Hürden verspricht. "Unserer westlichen Vorstellung von romantischer Liebe kommt die Krishna-Bewegung am nächsten. Die Liebe zwischen Krishna und Radha, die auch erotische Züge trägt, ist jedoch als ein Sinnbild der Liebe der Seele zu Gott zu verstehen", so die Hinduismusforscherin V.Ass. Dr. Irene Wicher vom Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde. Frauen opfern, Männer versorgen Basis einer Ehe, die im Hinduismus ebenso wie im Buddhismus meist arrangiert ist, ist nicht die Liebe. Das Verständnis von Liebe von Seiten der Frau ist das der Aufopferung für den Mann: Sie fastet für ihn, opfert am Hausaltar von ihrem Essen zum Wohl des Gatten und gebärt ihm Söhne, die später einmal das Bestattungsritual und Manenopfer (Opfer für die Verstorbenen) für den Vater durchführen sollen. Von Seiten des Mannes bedeutet Liebe im Hinduismus, Achtung und Sorge für die Familie zu tragen. "Die Ehe ist unerlässlich für ein religiös gefälliges, den Normen entsprechendes Leben", erklärt die Wissenschafterin. Und die Ehe ist Rahmen für die Sexualität, die in den religiösen Texten stark reglementiert und streng gehandhabt wird. "Die weltliche Literatur, wie das Kamasutra, war an eine höfische Klientel gerichtet, wo man Direktiven der Religion weniger ernst nahm", so Wicher. (dan)   Buchtipp: Kamasutra (s. Abb.), Köln: Verlag Karl Müller, 2005. 144 S., EUR 9.95,-

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