Die zwei Kinderuni-Reporterinnen Konstanze (12) und Margareta (8) besuchten am 13. Juli 2010 im Rahmen der KinderuniWien 2010 den Workshop "Mama, sind wir arm, weil wir kein Auto haben?" Josef Benedikt erklärte, wie diese Frage aus dem diesjährigen Kinderuni-Schwerpunkt "Reich an Wissen - zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung" mit der "Fuzzy-Logik" beantwortet werden könnte. |

Am Anfang des Workshops stellten sich alle sieben Kinder vor. Danach bat uns Herr Benedikt, das heutige Wetter auf einer Karte zu notieren. Alle konnten sich zwischen "heiß" und "sehr heiß" entscheiden. Die Mehrheit meinte, dass das Wetter heute sehr heiß ist. Daraufhin fragte er: "Ist es nun falsch, wenn zwei Kinder 'heiß' und nicht 'sehr heiß' wählen?" Nach der Fuzzy-Logik nicht, denn sie sagt aus, dass es im Alltag sehr schwierig ist, eine Grenze zu ziehen. Ob das Wetter als sehr heiß empfunden wird, hängt von vielen Faktoren ab. "Ist jemand in der heißen Wüste geboren, so wird er oder sie das derzeitige Wetter in Wien wahrscheinlich als angenehm empfinden", sagt Benedikt: "Die Antwort auf viele Fragen ist daher selten nur 'ja' oder 'nein'."

Mit der Armut ist es das selbe. Die Reporterin Konstanze meint: "Man kann beispielsweise im Kaufhaus einen Gewinnspielzettel ausfüllen und ein Auto gewinnen. Dann hat man gar nicht dafür bezahlen müssen." Man braucht also viele Informationen und selbst dann ist es noch schwierig, eine Einteilung in "arm" und "reich" zu treffen. Wir wussten nicht sofort, was Josef Benedikt meinte und er versuchte, uns diesen Punkt mit einem anderen Beispiel zu erklären: "Wo fängt der Berg an und wo hört das Tal auf?" Wir konnten die Frage nicht beantworten und so wurde uns klar, dass es in diesem Fall keine klare Grenze gibt.

Nicht nur bei "arm" oder "reich", sondern auch für "groß" oder "klein" kann die Fuzzy-Logik angewandt werden. Das zeigte uns der Wissenschafter, indem wir uns der Größe nach vor der Tafel aufstellten. Er zeichnete eine Kurve und sagte: "Ziehen wir keine Grenze, so gibt es kein groß und klein, sondern nur mehr groß und weniger groß."

Nach dem Workshop fragten wir Robert Berndl-Forstner: Was sagt jetzt also die Fuzzy-Logik aus? "Es heißt doch einfach, dass alles relativ ist", fasste der interessierte Junge gekonnt zusammen.

Simon Welsch meinte: "Ich habe gelernt, dass man selbst entscheiden kann, ob man groß oder klein, arm oder reich ist."
Eine klare Antwort auf die Frage "Mama, sind wir arm, weil wir kein Auto haben?" gibt es daher nicht. "Es ist sogar noch unklarer geworden", meinten einige TeilnehmerInnen. Josef Benedikt erzählte: "So geht es auch meinen Studierenden, wenn ich die Fuzzy-Logik erkläre. Es ist mein Anliegen, eine solche Reaktion hervorzurufen. Man muss eben alles in Zusammenhängen sehen und möglichst viele Informationen zusammentragen."
Die abschließende Frage, wie man nun Millionär wird, konnte der Wissenschafter "logischerweise" nicht beantworten. Er zeigte sich begeistert davon, dass die Kinder das Problem schnell erfasst haben und freute sich über die engagierten TeilnehmerInnen: "Es ist sehr spannend mit Kindern zu arbeiten."
Die Kinderuni-Zeitungsreporterin Konstanze Dusek ist zwölf Jahre alt und besucht ab Herbst die 2. Klasse des Gymnasiums Klostergasse im 18. Bezirk. Ihre Schwester, Kinderuni-Reporterin Margareta Dusek, ist acht Jahre alt und besucht ab Herbst die 2. Klasse Volksschule Bischof Faber Platz im 18. Bezirk.
Der Vortragende, Dr. Josef Benedikt, ist Lektor am Institut für Geographie und Regionalforschung der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie. Er studierte Geographische Informationswissenschaften an der Universität Wien sowie der University of California at Santa Barbara und begründete das Dienstleistungsunternehmen "Geologic Dr. Benedikt".
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