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Mariazeller Gespräche münden in Resolution |
| Ethik und Biomedizin |
| Daniela Schuster (Redaktion) am 21. Januar 2003 |
Im Oktober 2002 fanden in Mariazell Gespräche über "Ethik in der Forschung: Menschenzucht?" statt. An ihnen waren auch Professoren der Universität Wien beteiligt. Ergebnis des öffentlichen Diskurses: Eine Resolution. Und die Begründung einer Tradition der Gespräche über Ethik. |
"Ethik liegt in den Dingen und Handlungen selbst" - so der Tenor der Mariazeller Gespräche im Oktober 2002. Ethisches Handeln und ein Wertebewusstsein seien keine "Zusatzqualifikation" von WissenschafterInnen und PolitikerInnen, genauso wenig lasse sich Ethik an die Theologie oder Philosophie delegieren. Es bedürfe vielmehr der persönlichen Bekenntnisse derer, die den Fortschritt vorantreiben. Am öffentlichen Diskurs nahmen auch WissenschafterInnen der Universität Wien teil. Univ.-Prof. Dr. Günther Pöltner, Institut für Philosophie, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Luf, Institut für Rechtsphilosophie und -theorie, und Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung an der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, hielten Impulsreferate. "Ziel der Gespräche war, die Zukunft der Gesellschaft sichernd mitzugestalten, indem ein Argumentations- und Orientierungsrahmen für Entscheidungsträger entwickelt wurde", so Gerlinde Tuscher, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Grazer Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, welche die Ethik-Gespräche im Rahmen der Mariazeller Akademie organisiert hatte. Die Resolution - Forderungen an die ForscherInnen Argumentations- und Orientierungsrahmen wurden in Form einer Resolution entwickelt. Sie beinhaltet sieben Punkte. So halten die TeilnehmerInnen darin unter anderem fest, dass eine breite öffentliche Diskussion über ethische Fragen notwendig ist, wobei der Wertediskussion ein besonderer Raum eingeräumt werden soll. Sie fordern Politik und Medien auf, sich in den Dienst dieser Diskussion zu stellen. Darüber hinaus betonten sie die Bedeutung der fachübergreifenden Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im Rahmen jeder Aus- und Weiterbildung. Im Besonderen seien WissenschafterInnen aufgefordert, den ethischen Dimensionen in ihrer Forschung und Lehre den gebührenden Stellenwert einzuräumen und nach ethisch unbedenklichen Alternativen zur verbrauchenden Embryonenforschung zu suchen. Forderungen an die Politik An die Politik richten sie die Forderung, die Unantastbarkeit der Menschenwürde deutlich in der österreichischen Verfassung zu deklarieren und die nötigen gesetzlichen Regelungen bezüglich verbrauchender Embryonenforschung zur Stammzellenforschung, "therapeutischen Klonens" und Präimplantationsdiagnostik bis Ende 2003 zu veranlassen. Abschließend heißt es in der Resolution: "Die TeilnehmerInnen an den Mariazeller Gesprächen sind sich bewusst, dass die menschliche Existenz trotz allen wissenschaftlich-technischen Fortschritts wesenhaft unvollkommen ist und dass es zur Würde des Menschen gehört, dies anzunehmen." (Politisches) Wirken der Resolution "Diese Resolution nimmt Bezug auf alle im Moment wichtigen und wesentlichen, ethischen und politischen Fragen zur ,Menschenzucht'", so Hon.-Prof. Dr. Bernhard Pelzl, Geschäftsführer der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH. Ihre (politische) Wirksamkeit bleibt jedoch abzuwarten. Die Mariazeller Gespräche müssten sich erst noch einen Namen schaffen, um politisch bedeutungsvoll zu sein. "Der Mehrwert der Mariazeller Gespräche liegt aber nicht in der Formulierung dieser Resolution und ihrem medialen Niederschlag, sondern in ihnen selbst", betont Pelzl. "Intention der Mariazeller Gespräche war und ist, eine Tradition der Gespräche über Ethik zu begründen." Zum einen sollte ein Platz geschaffen werden, an dem regelmäßig ein öffentlicher Diskurs stattfinden kann. "Es ist wichtig zu wissen, wie die Menschen denken, nicht nur, wie die Experten ethische Dimensionen der Forschung sehen", so Pelzl. Zum anderen ging es auch um die Beschäftigung mit Positionen, die gerade nicht populär sind. "Die Mariazeller Gespräche unterscheiden sich dadurch von bestehenden Kommissionen wie zum Beispiel der Bundesregierung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit im stillen Kämmerlein arbeiten und sich ausschließlich mit ,politisch relevanten', bequemen Fragen beschäftigen." (dan) Die Resolution kann im Volltext nachgelesen werden unter www.mariazeller-akademie.at. Alle Referate der Mariazeller Gespräche im Original: Univ.-Prof. Dr. Gerhard Luf (Universität Wien) Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber (Universität Wien/AKH Wien) Univ.-Prof. Dr. Günther Pöltner (Universität Wien) Prof. Dr. Jan P. Beckmann (FernUniversität Hagen) Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold (Universität Graz) Dr. Klaus Huemer (LKH Mariazell) Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari (Graz-Seckau) |
