![]() Die Tafel im neuen ... ![]() ... Marietta-Blau-Saal erinnert an die bedeutende Physikerin. ![]() Der Saal ist bereits ins Leitsystem der Universität Wien integriert. Symposion im Gedenken an Berta KarlikElise-Richter-HörsaalMarietta Blau - Physik und Emigration |
Marietta-Blau-Saal |
| Service |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 28. April 2005 |
Nach Elise Richter wird eine weitere bedeutende Wissenschafterin an der Universität Wien mit einem eigenen Saal gewürdigt: die Physikerin Marietta Blau (1894-1970). |
Burianei, Juristenstiege, Medizinisches Dekanat ? mit der Übersiedelung einiger Institute und Fakultäten in eigene Gebäude in den letzten Jahren und zuletzt mit der Umstrukturierung der Universitätslandschaft und der Schaffung einer eigenen Medizinischen Universität Wien entsprechen einige Bezeichnungen für Teile des Hauptgebäudes nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten. Bedeutende Physikerin Schon im Sommer 2003 wurde der Sitzungssaal der Juristen nach der ersten Dozentin an der Universität Wien, der Romanistin Elise Richter (1865-1943), benannt. Die Universität Wien nutzte die strukturellen und räumlichen Veränderungen nun erneut: Weil "ehemaliger Sitzungssaal der früheren Medizinischen Fakultät" ein wenig sperrig klingt, entschied die Universitätsleitung vor kurzem die Unbenennung dieses Raumes in Marietta-Blau-Saal, nicht zuletzt auch anlässlich des laufenden Jahres der Physik. Neben männlichen Physikern wurde das Fach im 20. Jahrhunderts auch von einigen herausragenden Frauen entscheidend weiterentwickelt, darunter Lise Meitner, Berta Karlik oder eben Marietta Blau: "Die Universität Wien hatte und hat sehr erfolgreiche Wissenschaftlerinnen in ihren Reihen. Wir sind stolz auf sie und möchten das gerne auch öffentlich zeigen", erklärt Johann Jurenitsch, Vizerektor für Ressourcen und Bibliothekswesen, die Entscheidung für diese Raumbenennung. 35 Jahre nach ihrem Tod und kurz vor ihrem 111. Geburtstag am 29. April weist nun eine Tafel im neuen Sitzungs- und Seminarraum, der sich neben einem Teil der Personalabteilung befindet, offiziell auf das Wirken der bedeutenden Physikerin hin. Bereits vor zwei Jahren wurde die Entdeckerin der "Zertrümmerungssterne" mit einem neuen Buch und einer Gedenkveranstaltung an der Universität Wien geehrt. Denn abgesehen von einigen amerikanischen Arbeiten gab es keine umfassende Biographie über diese herausragende österreichische Physikerin, so die HerausgeberInnen Brigitte Strohmaier vom Institut für Isotopenforschung und Kernphysik und Robert Rosner. Marietta Blau (1894–970) Marietta Blau, als Tochter eine jüdischen Bürgerfamilie in Wien geboren, studierte an der Universität Wien Physik und Mathematik. 1923 bis 1938 arbeitete sie ohne Bezahlung am Institut für Radiumforschung der Akademie der Wissenschaften in Wien, unterbrochen von Auslandsaufenthalten, u.a. bei Marie Curie in Paris. Blau entwickelte die photographische Methode zum Nachweis geladener Kernteilchen. Dafür erhielten sie und ihre Schülerin Hertha Wambacher 1937 den Ignaz-L.-Lieben-Preis. Höhepunkt ihrer Forschung war die Entdeckung von "Zertrümmerungssternen". Blau und Wambacher gelang damit der Nachweis des ?Zerplatzens? von Atomkernen, ausgelöst durch die kosmische Strahlung. Dafür schlug Erwin Schrödinger 1950 die beiden Frauen, später Blau allein, für den Nobelpreis vor. Als Jüdin musste Marietta Blau 1938 vor dem nationalsozialistischen Regime fliehen, während Wambacher, seit 1934 Mitglied der NSDAP, ihre Arbeiten bis zu ihrer Entlassung nach dem Zweiten Weltkrieg vorerst fortsetzen konnte. Blaus Weg führte über Oslo ? auf Empfehlung von Albert Einstein ? an die Technische Hochschule in Mexico City. 1944 übersiedelte sie in die USA. Ab 1948 arbeitete sie an der Columbia University, dem Brookhaven National Laboratory und an der University of Miami. 1960 kehrte sie nach Wien und als freie Mitarbeiterin ans Institut für Radiumforschung und Kernphysik zurück (bis 1964). 1962 erhielt sie den Schrödingerpreis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und 1967 den Preis für Naturwissenschaften der Stadt Wien. Am 27. Jänner 1970 starb Marietta Blau im Krankenhaus Lainz. (mh) Der Marietta-Blau-Saal befindet sich im Hauptgebäude der Universität Wien, Arkadenhof links, Stiege X. Buchtipp: Robert Rosner, Brigitte Strohmaier (Hrsg.): Marietta Blau - Sterne der Zertrümmerung. Biographie einer Wegbereiterin der modernen Teilchenphysik Wien: Böhlau 2003 |



